Birnhorn (2.634 m) Überschreitung in den Leoganger Steinbergen

Wir blicken auf ein Meer aus Nebelschwaden, das sich unter uns im Tal erstreckt. Die Sonne geht darüber auf und wir haben die Wolkengrenze bereits überwunden. Hier oben herrscht strahlender Sonnenschein. Und so nehmen wir bei bestem Wetter Kurs auf den höchsten Gipfel in den Leoganger Steinbergen. Wir wandern zum mächtigen Birnhorn hinauf. Es ist eine Tour, die fordernd ist, die aber auch auf zwei Tage aufgeteilt werden kann.

Lohnt sich die Wanderung zum Birnhorn?

Mit einer Höhe von 2.634 m ist das Birnhorn der höchste Gipfel in den Leoganger Steinbergen. Die Südwand fällt beinahe 1.400 Meter senkrecht in die Tiefe. So wirkt der Berg von unten schier unbezwingbar. Und so viel sei gesagt: Die Tour ist nichts für Anfänger. Wer hingegen Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringt und wem leichte Kraxelei nichts ausmacht, wird an der Bergtour zum einsamen Gipfelkreuz seine Freude haben.

Denn insgesamt gilt es über 1.850 Höhenmeter zurücklegen. Dabei passieren wir die Passauer Hütte. Das ist die einzige Einkehrmöglichkeit auf der Tour und die DAV-Hütte bietet auch die Möglichkeit, die Wanderung auf zwei Tage zu unterteilen. Anschließend wird’s nämlich richtig fordernd. Vorbei am eindrucksvollen Melkerloch geht es über einen alpinen Steig in ausgesetztem, gerölligem Gelände zum Gipfelaufbau hinauf.

Fototipp: Wenn ihr ein paar Meter hinter das Kreuz geht, um das Foto zu knipsen, könnt ihr den Gipfel samt Kreuz in seiner vollen Pracht darstellen. Das ist meiner Meinung nach super eindrucksvoll. Vor allem, wenn noch eine Person klein neben dem Gipfelkreuz zu sehen ist.

Anreise nach Ullach bei Leogang

Höchster Punkt:2.634 m
Höhenmeter:1.819 hm
Strecke:13,1 km
Gehzeit:ca. 8 Stunden
Einkehrtipp:Passauer Hütte

Los geht’s in Ullach, einem Ortsteil von Leogang. Ein kostenloser Parkplatz oberhalb der Ortschaft markiert den Startpunkt. Von München kommend ist der Ausgangspunkt mit dem Auto in etwas mehr als zwei Stunden erreichbar. Hier gilt: Früh kommen lohnt sich. Die Parkflächen sind beschränkt und gerade am Wochenende, wenn das Wetter sonnig und schön vorausgesagt ist, kann hier einiges los sein.

Alternativ ist die Anreise auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Dann geht’s ab dem Münchner Hauptbahnhof per Railjet oder ICE bis nach Wörgl und nach einem Umstieg mit der S-Bahn weiter bis zur „Leogang Steinberge Bahnhaltestelle“. Von dort müsst ihr allerdings noch ein paar Meter Fußweg mehr einplanen.

Steiler Aufstieg zur Passauer Hütte

Die Leoganger Steinberge liegen noch in den Wolken als wir loslaufen. Vielleicht ist das gut so. So sieht man nicht, wie steil es tatsächlich nach oben gehen wird. Stattdessen schrauben wir uns Schritt um Schritt durch den Nebel bergauf. Die Stimmung ist mystisch. Und wir sind gefühlt ganz alleine unterwegs. Wer mag, kann einen Abstecher zum Birnbachloch einbauen. Dafür müsst ihr einen Umweg von rund 30 min in Kauf nehmen. Aber so kommt ihr zu einer Felshöhle, die mit glasklarem Wasser gefüllt ist.

Auf Höhe der Baumgrenze lichtet sich auch der Nebel. Es sieht stark aus, wie die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern über der Wolkendecke hervorblitzen. Und gleichzeitig wird der Weg spannender. Die ersten seilversicherten Passagen warten auf uns. Denn die rund 1.200 hm bis zur Passauer Hütte sind durchaus schon spannend. Die schwierigsten Passagen sind allerdings durch Stufen und Drahtseile entschärft, sodass der Aufstieg insgesamt gut machbar ist.

Übers Melkerloch mit leichter Kraxelei bergauf

An der Passauer Hütte legen wir eine kurze Pause ein und ich stärke mich morgens um 10:00 Uhr mit einem Stück Kirschkuchen. Dann geht’s weiter in die karge Karstlandschaft hinein. Besonders beeindruckend finde ich das Melkerloch, durch das es wenig später hindurchgeht. Dieses mächtige Felsentor zeigt anschaulich, wie durchlöchert die Gesteinsfläche der Leoganger Steinberge eigentlich ist.

Danach setzen wir den Steinschlaghelm auf. Besonders an stark frequentierten Tagen kann es passieren, dass Steine von weiter oben losgetreten werden. Wir folgen dem alpinen Hofersteig und hier müssen wir immer mal wieder die Hände zur Hilfe nehmen. Außerdem ist es wichtig, die Markierungen im Auge zu behalten. Man kann sich leicht versteigen und dann kann’s auch tückisch werden.

Genialer 360-Grad-Blick am Birnhorn

Nach rund 5 Stunden Gehzeit erreichen wir schließlich den Gipfel. Auch hier haben wir Glück und sind ganz alleine unterwegs. Wir klatschen ab und dann könnt ihr euch auf einen sensationellen Rundumblick freuen. Neben uns ragen Watzmann, die Chiemgauer Alpen, die Loferer Steinberge und der Wilde Kaiser in die Höhe. Wir blicken auf Leogang hinab, das uns ganz klein zu Füßen liegt. Und am Horizont sind die vergletscherten Bergriesen der Hohen Tauern zu sehen. Ganz markant erkennbar sind das Große Wiesbachhorn, das Kitzsteinhorn und der Großglockner.

Für den Rückweg solltet ihr noch etwas Kraft und Konzentration im Petto haben. Wir steigen via Kuchelnieder ab und machen somit eine Überschreitung. Hier geht’s über klettersteigähnliche Passagen hinab. Die sind an sich nicht super schwierig, aber erfordern trotzdem Aufmerksamkeit, um wieder sicher ins Tal zu kommen.

Fazit

Die Bergtour zum Birnhorn ist für erfahrene Wanderer und Berggeher eine absolut lohnenswerte Erfahrung. Die Tour an sich hält so viele schöne Passagen bereit und ich habe sie von Anfang bis Ende genossen. Auch, wenn’s zwischendurch natürlich anstrengend war. Wichtig ist, dass das Wetter passt. Und wenn ihr euch konditionell unsicher seid, dann gönnt euch ruhig eine Nacht auf der Passauer Hütte. Ich habe kurze einen Blick ins Innere geworfen & die Schlafplätze sahen sehr gemütlich aus. Außerdem ist der Kaiserschmarrn super empfehlenswert. Den hab ich mir am Abstieg noch schmecken lassen.

Falls ihr zwischendurch merkt, dass ihr euch vielleicht doch übernommen habt, oder die Bedingungen nicht passen, ist vielleicht der Hochzint eine lohnenswerte Alternative. Der Gipfel liegt nur rund 200 hm über der Passauer Hütte und die Aussicht von dort oben ist ebenfalls nicht zu verachten.

Lage

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