Hoch oben auf einem felsigen Bergrücken thront die Sacra di San Michele wie eine Festung im Himmel. Nebelschwaden umspielen ihre Türme, während tief unten das Susatal im Sonnenlicht glitzert. Die romanische Abtei, deren Ursprünge bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen, ist nicht nur ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst, sondern auch ein Ort der Stille und Kraft im Piemont. Wer hier heraufsteigt, wandelt auf uralten Pilgerwegen und tritt ein in eine Welt, die den Atem raubt.
Lohnt sich der Besuch des Klosters Sacra di San Michele bei Turin?







Die Sacra di San Michele thront auf dem 962 Meter hohen Monte Pirchiriano, etwa 35 Kilometer westlich von Turin im Piemont. Das italienische Kloster wurde vom 10. bis 13. Jahrhundert erbaut und erinnert mit seiner burgartigen Bauweise und der exponierten Lage an andere Michaelskirchen wie den Mont Saint Michel in Frankreich.
Der Innenraum birgt romanische Fresken, mächtige Säulen und die berühmte „Treppe der Toten“, die zur Kirche führt. Im Hochmittelalter war das Kloster ein beliebter Stopp für Wanderer auf dem Pilgerweg „Via Francigena“. Inzwischen ist es ein Symbol der Region Piemont und inspirierte auch den Schriftsteller Umberto Eco zu seinem berühmten Roman Der Name der Rose.
Fototipp: Vom Panoramapunkt aus lassen sich großartige Weitwinkelaufnahmen ins Susatal und auf die Alpen machen. Das ist besonders stimmungsvoll bei Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang.
Anreise zur Sacra di San Michele
| Lage: | Sant’Ambrogio di Torino |
| Erbaut: | 10-13. Jahrhundert n. Chr. |
| Anreise: | ÖPNV ab Turin/PkW |
| Eintrittspreis: | ab 8,00 Euro |
| Must-See: | Treppe der Toten |
Mit Bahn und Bus kann man entspannt in Turin starten. Von Torino Porta Nuova fahrt ihr in knapp 40 Minuten mit einem Regionalzug nach Avigliana. An Wochenenden und Feiertagen fährt dann ein Shuttlebus weiter zur Sacra (es gibt ein Kombi-Ticket). Mit dem ÖPNV-Ticket gibt es sogar 25 % Ermäßigung auf den Eintrittspreis.
Außerhalb der Shuttlezeiten müsst ihr entweder ein Taxi bestellen oder das Ganze mit einer kleinen Wanderung verbinden. In etwa 1,5 Stunden überwindet ihr rund 500 Höhenmeter und 3 Kilometer.
Mit dem Auto geht es über die A32 Turin–Bardonecchia Richtung Frejus bis zur Ausfahrt Avigliana Centro. Dann müsst ihr den Schildern nach Giaveno – Sacra di San Michele folgen. Parken könnt ihr am Piazzale Croce Nera. Von hier sind es ca. 800 Meter Fußweg (15 Minuten) zur Abtei.
Eintrittskarten für die die Sacra di San Michele
Schon von Weitem sieht man die Sacra di San Michele, die wie eine Festung im Himmel wirkt. Der Weg hinauf schlängelt sich durch Kastanienwälder, bis das Gebäude direkt vor mir liegt. Die Eintrittskarten bekommt man im sogenannten Kleinen Gästehaus, in dem sich früher die Pilgerherberge befand.
Die Besichtigung ist ein Rundweg. Zunächst geht es durch ein Drehkreuz und dann weiter hinauf. Hier sehe ich die große Statue des Erzengels Michael, nach dem das Kloster benannt wurde, erschaffen 2005 von Paul dë Doss-Moroder.
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Treppe der Toten in der Sacra di San Michele
Beim Eintreten ins Gebäude umfängt mich ein kühler Hauch, gemischt mit dem Duft von altem Stein. Die „Treppe der Toten“, flankiert von mächtigen Pfeilern, führt hinauf zur Hauptkirche. Die wohl bekannteste Passage der Sacra di San Michele hat ihren Namen von den mumifizierten Mönchen, die hier bis 1936 ausgestellt wurden. Außerdem wurden hier Äbte und Wohltäter bestattet, aber von den einst reich verzierten Grabmälern sind nur noch fünf übrig geblieben.
Oben angekommen, durchschreite ich die „Porta dello Zodiaco“, das Tierkreiszeichen-Portal. Am rechten Portalpfosten sind die zwölf Tierkreiszeichen eingemeißelt. Auf der anderen Seite kann man Sternbilder bewundern. Das ist meisterhafte Steinmetzkunst des Mittelalters in voller Pracht. Unter dem Hauptaltar im Inneren der Kirche befinden sich noch drei uralte Kapellen aus dem 10. Jahrhundert. Kaum zu glauben!
Ruinen und Aussicht bis nach Turin
Der Weg führt nun nach draußen, viele Stufen hinab zum Nordwesthang der Abtei. Hier ragen die Ruinen des „Neuen Klosters“ empor, das im 12. bis 14. Jahrhundert erbaut und später durch Kriege, Erdbeben und Vernachlässigung zerstört wurde. Gewaltige Steinmassen, Bögen und Mauern lassen noch heute erahnen, wie eindrucksvoll die Anlage einst war. Am Ende der Ruinen erhebt sich der „Turm der schönen Alda“, um den sich eine dramatische Legende rankt.
Alda war ein Bauernmädchen, das beim Beten von Soldaten entdeckt wurde. Um deren Nachstellungen zu entkommen, betet sie zu St. Michael und der Gottesmutter, springt in den Abgrund und bleibt unversehrt! Später wiederholt sie den Sprung aus Eitelkeit und Geldgier, stirbt aber dabei. Von diesem Punkt aus öffnet sich ein unvergleichlicher Panoramablick über das Susatal bis zu den Alpen, an klaren Tagen sogar bis nach Turin.
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Fazit
Zwischen den ehrwürdigen Mauern, den geheimnisvollen Treppen und den mächtigen Ruinen der Sacra di San Michele spürt man die Kraft der Jahrhunderte. Beim Gang durch die massiven Mauern, die Treppe der Toten und die romanische Kirche habe ich mich wirklich wie in Umberto Ecos Der Name der Rose gefühlt. Draußen laden die Ruinen und der Turm der schönen Alda zum Erkunden ein. Spätestens der Blick von der Terrasse über das Susatal bis hin zu den Alpen macht den Ort zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ihr braucht übrigens keinen Guide – es gibt Hinweistafeln mit QR-Codes, sodass ihr überall im Kloster Bescheid wisst.
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