Der Weg ist kaum breiter als ein Pferd. Mehr Platz braucht es nicht, damit unsere Reitgruppe hintereinander über die schmale Piste zieht. Faustgroße Brocken lösen sich aus dem Hang – ich höre sie länger, als ich sie sehe. Während mein Blick nach unten abweicht, trägt mich mein Pferd sicher weiter. Nach der letzten Kuppe pfeift der Wind so stark, dass das Pferd kurz anhält. Eingerahmt von Bergen und Himmel öffnet sich der Blick auf den Chatyr-Kul.
Lohnt sich der Ausritt zum Chatyr-Kul in Tash Rabat?






Eingebettet in die Bergwelt des At-Bashy-Gebirges liegt die steinerne Karawanserei von Tash Rabat. Jahrhundertelang beherbergte sie Händler und Reisende auf einem nördlichen Zweig der Seidenstraße. Obwohl ihr genauer Ursprung nicht abschließend geklärt ist, wird die heute erhaltene Anlage meist auf das 15. Jahrhundert datiert.
Das Tal von Tash Rabat liegt auf rund 3.200 Metern Höhe und führt über das At-Bashy-Gebirge zum Torugart-Pass an der chinesischen Grenze. Im Sommer schlagen kirgisische Hirtenfamilien hier ihre Jurtenlager auf. Besucher können in den traditionellen Jurten übernachten und die Hochgebirgslandschaft auf dem Rücken eines Pferdes erkunden. Zu den beliebtesten Touren gehört der Ausritt zum Chatyr-Kul. Für Hin- und Rückweg verbringen wir rund sechs Stunden im Sattel. Der Salzsee liegt auf etwa 3.530 Metern Höhe nahe der chinesischen Grenze und zählt zu den höchstgelegenen Seen Zentralasiens.
Tierwohl: Darauf solltest du bei den Pferden unbedingt achten!
Auch das Tierwohl sollte bei der Auswahl einer Reittour eine Rolle spielen. Die kirgisischen Bergpferde sind zwar robust und an das Gelände gewöhnt, trotzdem lohnt sich vor dem Ausritt ein genauer Blick auf ihren Zustand. Achte darauf, ob die Tiere einen gesunden und wachen Eindruck machen, keine offenen oder wunden Stellen am Rücken haben und nicht lahmen oder deutlich erschöpft wirken.
Auch der Sattel sollte gut sitzen und keine sichtbaren Druckstellen verursachen. Gerade bei langen Touren mit steilen Anstiegen sind ausreichende Pausen sowie Zugang zu Wasser und Futter wichtig. Wenn dir der Zustand eines Pferdes oder der Umgang mit den Tieren fragwürdig erscheint, solltest du im Zweifel auf den Ausritt verzichten und einen anderen Anbieter wählen.
Fototipp: Für die Aufnahme der Karawanserei lohnt es sich, auf einen Moment mit klarer Sicht zu warten. Bei wolkenlosem Himmel zeichnet die Sonne die Konturen des Steinbaus besonders deutlich nach. Wer eine Kamera und ein Stativ dabei hat, sollte auch nach Einbruch der Dunkelheit fotografieren: Durch die geringe Lichtverschmutzung in der Region eignet sich Tash Rabat hervorragend für Aufnahmen mit dem Sternenhimmel.
Anreise nach Tash Rabat
| Lage: | At-Bashy-Gebirge, Kirgistan |
| Anreise: | Mietwagen/Taxi |
| Must-Do: | Ausritt zum Chatyr-Kul-See |
| Wichtig: | Grenzgenehmigung notwendig |
| Beste Reisezeit: | Mai-September |
Wir passieren die Stadt Naryn, als ich mit Nazgul und zwei weiteren Reisenden im Pkw unterwegs bin. Naryn dient als Ausgangspunkt für mehrtägige Touren ins At-Bashy-Gebirge. Wer ohne Mietwagen oder privaten Fahrer unterwegs ist, kann ab hier ein Taxi nehmen.
Von Naryn folgen wir der A365 Richtung Torugart-Pass. Längst liegt die Stadt hinter uns. Zwischen schroffen Bergen und Staub kreuzen Pferdeherden unseren Weg, während der ein oder andere Tramper am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit hofft. Nach etwa 100 Kilometern nehmen wir die Abzweigung nach links. Nazguls Pkw meistert auch die rund zehn Kilometer lange Schotterpiste bis zur Karawanserei problemlos.
Grenzgenehmigung und Gaskocher
Für den Ausritt zum Chatyr-Kul brauchst du eine Grenzgenehmigung, da die Route in die kirgisische Grenzzone zu China führt. Ich habe sie online beantragt und bei der Ankunft in Bischkek abgeholt. Wer über Naryn reist, kann die Genehmigung auch über lokale Reiseveranstalter organisieren. Das Tal von Tash Rabat liegt auf über 3.000 Metern Höhe. Wer nicht an diese Höhe gewöhnt ist, sollte sich vor dem Ausritt Zeit zur Akklimatisierung nehmen.
Eine Kappe und Sonnencreme gehören ins Gepäck – die Sonne auf dieser Höhe ist stärker, als die kühlen Temperaturen vermuten lassen. Für das Mittagessen mitten in der kargen Berglandschaft haben wir einen Gaskocher und Nudeln dabei. Mit der Filterflasche kann ich unterwegs Wasser aus dem Bach nutzen. Für den Rückweg nehme ich außerdem eine warme Schicht mit. Sobald der Schatten ins Tal fällt, wird es in der Höhe schnell frisch.
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Zwischen Jurten und Seidenstraße
Kein Mensch ist zu sehen, als wir im Jurtenlager vor Tash Rabat nach einem Bett fragen. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet dieser abgelegene Ort über Jahrhunderte Händler aus allen Himmelsrichtungen anzog. Tash Rabat bot Schutz vor Schnee, Kälte und Räubern, bevor die Karawanen den Gebirgspass Richtung China überquerten.
Zwei Nächte verbringen wir unter einer Sternendecke, während der Kamin die Jurte in eine Sauna verwandelt. Vor neun Uhr gibt es außer mir und einem Kalb, das am Bach seinen Durst stillt, kaum ein Zeichen von Leben. Nach dem Frühstück wartet unser Pferdeführer bereits. Vor uns liegen sechs Stunden im Sattel Richtung Chatyr-Kul.
Im Sattel durch Wasser und Geröll
Mein Pferd und ich diskutieren von Beginn an über die Zügel. Kaum erreichen wir einen Grasfleck oder den Bach am Wegesrand, reißt es den Kopf nach unten und bleibt stehen. Ein kurzes „Chu“ später setzt es sich wieder in Bewegung. Zwischen den Berghängen grasen Schafherden, während sich niedriges Gras wie ein grüner Filzteppich über die Hänge legt.
Mit jedem Höhenmeter wird der Pfad schmaler. Das Grün verschwindet, Geröll und Felsen übernehmen die Landschaft. Ich lasse die Zügel locker und überlasse meinem Pferd die Arbeit. Trittsicher trägt es mich über die enge Piste, während lose Steine den Hang hinabrollen. Nach drei Stunden öffnet sich der Blick auf China – und auf den tiefblauen Chatyr-Kul, der sich unmittelbar vor der Grenze erstreckt.
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Fazit
Vom Rücken bis in die Waden steckt der Ritt noch in jedem Muskel. Aus der Küche steigt der Duft von gebratenem Fleisch auf. Nach Stunden im Sattel fühlt sich das Abendessen in der Jurte wie ein Fest an. Die Muskeln vergessen den Ritt nach ein paar Tagen. Der erste Blick auf den Chatyr-Kul bleibt.
Wer noch länger im Sattel bleiben möchte, kann das At-Bashy-Gebirge auch auf mehrtägigen Touren erkunden. In der Region wartet mit dem Kel-Suu ein weiteres Ziel: ein türkisfarbener Gebirgssee nahe der chinesischen Grenze, der sich ebenfalls auf dem Pferderücken erreichen lässt.
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