Goinger Halt: Einfachste Gipfelbesteigung im Wilden Kaiser

Am schmalen Felsplateau der Hinteren Goinger Halt (2.192 m) klammere ich mich ans Gipfelkreuz – belohnt werde ich mit einem 360-Grad-Rundumblick, der sprachlos macht. Die Aussicht muss man sich aber erst verdienen. Und das, obwohl der Gipfel als einer der am einfachsten zu besteigenden im Wilden Kaiser gilt. Trotzdem warten einige Höhenmeter. Kein Problem für euch? Dann ist die Bergtour über die Gaudeamushütte und das Ellmauer Tor genau das richtige.

Lohnt sich die Wanderung zur Hinteren Goinger Halt?

Mit einer Höhe von 2.192 m ist die Hintere Goinger Halt zwar nicht die höchste Erhebung im Wilden Kaiser, aber trotzdem eines der beliebtesten Gipfelziele. Warum? Weil sie als der am einfachsten zu erklimmende Gipfel gilt. Und das, obwohl die Tour trotzdem satte 1.110 Höhenmeter hat und es in weiten Teile über lockeres Geröll hinaufgeht.

Von der Wochenbrunner Alm schlängelt sich der Weg über knapp 9 km, vorbei an der Gaudeamushütte und über das Ellmauer Tor bis zum Gipfel nach oben. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Pflicht. Im oberen Drittel der Tour wird der Wanderweg etwas ausgesetzter. Hier müsst ihr auch hin und wieder die Hände zur Hilfe nehmen und es warten Kletterstellen im I. Schwierigkeitsgrad auf euch.

Fototipp: Eines der coolsten Fotos entsteht natürlich am Gipfelkreuz. Hier könnt ihr euch in alle Richtungen austoben und den Wilden Kaiser, oder das Panorama in der Ferne in Szene setzen. Aber aufpassen: Nicht runterfallen!

Anreise zur Wochenbrunner Alm in Ellmau

Höchster Punkt:2.192 m
Strecke:9 km
Höhenmeter:1.110 m
Gehzeit:6 Stunden
Einkehrtipp:Gaudeamushütte

Los geht’s an der Wochenbrunner Alm. Die Alm befindet sich etwa 4,5 km oberhalb von Ellmau. Hier gibt’s einen großen kostenpflichtigen Parkplatz, der mit Nummernschilderkennung funktioniert. Ihr könnt das Parkticket also entweder online oder am Automaten lösen. Hier gibt’s zwar einige Parkplätze, aber an sonnigen Wochenenden oder in den Ferien, lohnt es sich, früh dran zu sein, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn die Alm ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren im Kaisergebirge.

Alternativ könnt ihr auch per Wanderbus anreisen. Das Shuttle habe ich selbst nicht genutzt, aber es ist super regelmäßig gependelt und bietet somit eine umweltfreundliche Anreise-Alternative. Auch super, wenn ihr mehrere Tage vor Ort übernachtet und das Auto an der Unterkunft einfach stehen lassen möchtet.

Steinschlaghelm, Sonnenschutz und genug Wasser

Mit ihren 1.100 Höhenmetern ist die Tour eine klassische Tageswanderung. Trotzdem ist mein Rucksack erstaunlich voll und schwer. Zum einen habe ich recht viel Flüssigkeit dabei, mehr als zwei Liter habe ich eingepackt. Das ist am Tag des Aufstiegs auch notwendig. Denn die Tour führt fast ausschließlich oberhalb der Baumgrenze unter der prallen Sonne nach oben. Und der Aufstieg ist sehr schweißtreibend.

Achtet deshalb auch gleichzeitig auf einen guten Sonnenschutz. Die Haut wird es danken auch auch eine Cap kann sinnvoll sein. Obligatorisch gehören auch an den sonnigsten Tagen natürlich Regenjacke und eine wärmende Schicht ins Gepäck, man weiß ja nie. Und diesmal habe ich auch den Steinschlaghelm dabei. Der wiegt zumindest nicht viel, nimmt aber natürlich Platz weg. Weiter oben geht’s allerdings direkt unterhalb steil aufragender Felsflanken entlang und hier würde ich raten, den Helm aufzusetzen, um sich vor herabstürzenden Gesteinsbrocken zu schützen.

Steiler Aufstieg zum Ellmauer Tor

So schnaufe ich Schritt für Schritt in vielen Serpentinen nach oben. Die Gaudeamushütte ist bereits nach 30 Minuten die letzte Einkehrmöglichkeit. Danach wird’s felsiger. Wir queren schier endlose Geröllfelder. Kleine Steinchen befinden sich unter meinen Schuhsohlen. Ich weiß schon jetzt: Der Abstieg wird kein Spaß. Aber der Aufstieg ist es auch nicht unbedingt. Denn es gibt kaum Passagen, an denen man mal wirklich durchatmen kann. Stattdessen geht’s kontinuierlich bergauf.

Wir nähern uns dem Ellmauer Tor und unterhalb wartet die eine oder andere Drahtseilversicherung auf uns. Es ist schon fast ein leichter Klettersteig. Im Frühsommer kann es auch passieren, dass hier noch das eine oder andere Schneefeld liegt. Dann ist besondere Vorsicht geboten. Und dann, nach rund 900 hm, erreichen wir schließlich die Scharte.

Viele Wanderer machen eine Durchquerung und steigen auf der anderen Seite Richtung Stripsenjochhaus und Griesneralm wieder ab. Wir gönnen uns ein kurzes Päuschen mit jetzt schon herrlicher Sicht und machen uns dann auf zu den letzten Metern.

Spektakuläre Aussicht von der Hinteren Goinger Halt

Rund 200 hm trennen uns noch vom Gipfelkreuz. Und dieser Abschnitt ist meiner Meinung nach der schönste der Tour. Wir müssen immer mal wieder mit den Händen beipacken und trotzdem ist es technisch nie wirklich schwierig. Das einzige, was etwas tricky ist, ist die Wegfindung. Behaltet immer gut die roten Punkte im Auge. Wir haben uns einmal kurz verstiegen und mussten ein paar Meter wieder umkehren.

Und dann erreichen wir das kleine Felsplateau und haben Glück: Wir stehen ganz alleine hier oben. Mit ausgebreiteten Armen drehe ich mich einmal um die eigene Achse. Der Blick von der Hinteren Goinger Halt ist genial. Wir sehen den Hochkönig, die Berchtesgadener Alpen, können in die Bayerischen Voralpen blicken und sind ansonsten umgeben von den schroffen Felswänden des Kaisers selbst. Da lugt sogar die Ellmauer Halt hervor, die mit 2.344 m den höchsten Gipfel im Wilden Kaiser markiert.

Fazit

Bergab geht’s über den selben Weg, über den wir aufgestiegen sind. Ich freue mich schon oben auf den Einkehrschwung in der Gaudeamushütte. Denn da soll es richtig gut Kaiserschmarren geben – der übrigens nicht auf der Speisekarte steht. Am besten einfach nachfragen. Und ihr benötigt Bargeld, denn Kartenzahlung wird nicht akzeptiert.

Mir hat die Tour insgesamt super gut gefallen. Landschaftlich jagt hier ein Highlight das nächste. Die Aussichten werden auf dem Wanderweg nach oben immer besser und es gibt so viele Orte, an denen man einen Fotostop einlegen möchte. Auch, dass es ein bisschen Kraxelei gab, finde ich super. Also wenn ihr fit seid und es nicht die allererste Bergtour ist, werdet ihr hieran bestimmt Freude haben. Für noch etwas mehr Herausforderung kann es dann beim nächsten Mal auf die Ellmauer Halt gehen. Da wartet dann zusätzlich noch ein kleiner Klettersteig im Aufstieg.

Lage

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