Vor mir erhebt sich die massive Felskulisse des Wilden Kaisers. Ich fühle mich direkt viel kleiner und unbedeutend. Und ich frage mich allen ernstes, wie man da wirklich hochkommen soll? Mein Ziel ist die Ellmauer Halt, der höchste Punkt im Kaisergebirge. Der Weg dorthin wirkt alles andere als einfach. Dabei soll die Bergtour zwar einen Klettersteig enthalten, ansonsten aber keinerlei Kletterkenntnisse voraussetzen.

Wanderung auf die Ellmauer Halt im Wilden Kaiser

Das Kaisergebirge erstreckt sich zwischen Kufstein und St. Johann. Insgesamt gibt es rund 40 Gipfel. Der höchste ist mit 2.344 m die Ellmauer Halt. Ideale Ausgangspunkte für Sommertouren sind die Orte Ellmau, Going, Scheffau und Söll, die südlich des Kaisergebirges liegen. Die Einheimischen dort nennen die imposante Bergwelt oft einfach nur „Koasa“. Woher der Name kommt ist nicht ganz klar. Man sagt, von Weitem schaut es aus, als läge oberhalb der Latschenkiefern ein versteinerter Kaiser.

#wilderkaiser #wandern

Instatipp: Vom Gipfel aus hat man einen sensationellen Tief- und Weitblick. Wenn ihr noch ein Stück am Kreuz vorbei kraxelt (Vorsicht!) entstehen die besten Bilder mit der Aussicht, die nach hinten raus noch zu sehen ist.

Anreise nach Ellmau

Die Tour beginnt am Parkplatz an der Wochenbrunner Alm oberhalb von Ellmau. Bis hierhin sind es je nach Verkehr aus München aus etwa 1,5 bis 2 Stunden Fahrt mit dem Auto. Auf dem letzten Stück wird eine Straßenmaut von 4 Euro fällig (Stand: Oktober 2018). Bis nach Ellmau könnt ihr auch mit dem Zug fahren. Von dort verkehrt zwischen Mai und Oktober alle halbe Stunde ein kostenloser Wanderbus zum Ausgangspunkt der Bergtour. Bedenkt aber, dass ihr nicht zu spät starten solltet.

Helm und Klettersteigset nicht vergessen

Der Aufstieg ist mit knapp 1.400 Höhenmetern nicht zu unterschätzen. Die Gehzeit liegt bei 7 bis 8 Stunden. Im oberen Teil wartet außerdem ein Klettersteig. Der ist mit der Schwierigkeit B ausgezeichnet. Hier empfiehlt es sich, ein Klettersteigset anzulegen und den Kletterhelm zu tragen. Vor allem, wenn viel los ist und voraussteigende Berggeher Steine lostreten. Auf dem Weg nach oben wartet außerdem nur eine Einkehrmöglichkeit und eine nicht-bewirtschaftete Schutzhütte, ein Biwak unterhalb des Gipfels. Ausreichend Wasser und Proviant müssen unbedingt dabei sein.

Ein einsames Schneefeld inmitten des Gerölls

Im goldenen Oktober wage ich den Aufstieg. Es ist noch immer richtig heiß. Deshalb bin ich zuerst über den Aufstieg durch den schattigen Wald dankbar. Das sind aber nur die ersten Höhenmeter. Wenig später geht es schon oberhalb der Baumgrenze durch Geröll weiter, vorbei an der Gruttenhütte (1.620 m) und immer weiter auf eine steile, schier unbezwingbare Felswand zu. Während ich mich noch wundere, wie wir da wohl jemals hochkommen sollen, erscheint links neben mir plötzlich ein Schneefeld. Der Sommer war heiß. Es liegt mitten in der Sonne. Und trotzdem ist es noch da. Ich staune. Und hinterlasse einen Schneeengel, bevor es weitergeht.

Spannende Bergtour bis zum Gipfel

Das Highlight wartet noch. Auf den letzten Metern ist Kraxeln angesagt. Zuerst über Metallstifte, die sogenannte Jägerwand-Treppe und dann weiter im Gamssängersteig über Leitern und Trittbügel bis ganz nach oben. Das letzte Stück ist zwar anstrengend, geht aber durch die stetige Abwechslung schnell vorbei. Und dann stehe ich ganz oben. Die Anstrengung ist mit einem Mal vergessen. Krass, wie schroff hier alles aussieht. Um mich herum erheben sich weitere markante Felsgipfel. Alles ist zerklüftet. Es wirkt total unwegsam. So, als könne man nur mit extremer Klettererfahrung hier hinaufkommen. Und trotzdem stehe ich hier. Das ist ein tolles Gefühl.

Fazit

Auch, wenn der Gipfel der Ellmauer Halt unbezwingbar wirkt, so ist der Aufstieg gut machbar. Ich habe mich auf dem Weg nach oben nicht unsicher gefühlt. Immer wieder müsst ihr die Hände zur Hilfe nehmen, aber wenn ihr mit Klettersteigset und Helm gesichert seid, sollte das für viele trittsichere und schwindelfreie Wanderer machbar sein. Ein bisschen Kondition gehört allerdings dazu. Denn auch der Abstieg zieht sich nochmal und es geht ebenfalls über das Geröllfeld wieder zurück. Da solltet ihr noch konzentriert sein und das sicher meistern. Dann aber könnt ihr stolz auf euch sein, dass ihr den höchsten Gipfel eines so markanten Gebirges gemeistert habt.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Auf dem Weitwanderweg „Kaiserkrone“ lässt sich der Wilde Kaiser in 5 Tagen umrunden. Dabei blickt man sowohl in Richtung Chiemsee als auch zum Großglockner. Doch nicht nur Wanderer wissen die schroffe Landschaft zu schätzen. Besonders beliebt sind die Wände und Gipfel des Kaisergebirges auch bei Kletterern. Und auch Radfahrer sind Willkommen. In der näheren Umgebung gibt es insgesamt über 75 Verleihstationen für E-Bikes, um noch mehr entdecken zu können. Im Winter sind es Wintersportler, die die Region zum Skifahren aufsuchen. In der SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental warten 280 km Pisten. Außerdem sind viele Attraktionen speziell auf Familien ausgerichtet.

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