Vor mir ragen Felstürme wie aus einer anderen Welt auf, und ich blicke in ein Panorama zum Staunen: Der Klettersteig an den Latemartürmen in den Dolomiten ist eine spektakuläre Tour! Die Route verläuft unterhalb des Latemarmassivs, verbindet lange Wanderpassagen mit spannenden Kletterstellen und ist ein echtes Erlebnis für alle, die die Berge lieben. Wenn du nach einem Panorama suchst, an dem du dich nicht sattsehen kannst, bist du hier genau richtig.
Lohnt sich der Klettersteig an den Latemartürmen?





Die Tour entlang der Latemartürme gehört zu den eindrucksvollsten Klettersteig-Erlebnissen rund um den Karerpass. Der Steig unterhalb der imposanten Türme ist nicht nur sehr lang, sondern auch landschaftlich einfach nur beeindruckend. Selten hat man auf einem Klettersteig eine so außergewöhnliche Kulisse fast durchgehend vor Augen. Gleichzeitig ist der Steig aufgrund des etwas längeren Zustiegs und der fehlenden Einkehrmöglichkeiten nicht so überlaufen wie andere Routen in den Südtiroler Bergen.
Technisch ist er meist einfach, es gibt jedoch auch Stellen bis zur Schwierigkeit C. Außerdem brauchst du Kondition und Trittsicherheit für die 840 Höhenmeter auf der über 11 Kilometer langen Route. Der Steig ist also ideal für geübte Klettersteiggeher. Die Aussicht auf Rosengarten und Latemar ist einmalig. Wer Dolomiten-Feeling sucht, aber keine Lust auf Touristenströme hat, wird hier fündig.
Fototipp: Kurz vor dem Ende des Klettersteigs kommt das Biwak E. Rigatti in Sicht. Es liegt leuchtend rot auf einer grünen Wiese, mitten zwischen den steil abfallenden Felsen. Von hier aus hast du den wohl besten Fotospot der gesamten Tour. Der Blick reicht über den Latemar hinweg bis in den Rosengarten, während im Hintergrund sogar die Santnerpasshütte silbern durchblitzt.
Anreise nach Obereggen in den Dolomiten
| Strecke: | 11,4 km |
| Schwierigkeit: | B/C |
| Gehzeit: | 6:30 Std. |
| Höchster Punkt: | 2.842 m |
| Klettersteig: | 1,7 km |
Die Tour startet an der Talstation des Sessellifts Oberholz in Obereggen. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, kannst du einfach der A22 bis zur Ausfahrt Bozen Nord folgen und dann ins Eggental fahren. Dort beginnt die Tour mit der Auffahrt von der Talstation Oberholz. Direkt am Lift befindet sich ein großer Parkplatz.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht Obereggen ab Bozen mit dem Linienbus. Dieser bringt dich bis zur Talstation. Bozen selbst erreicht ihr in knapp 4 Stunden mit dem Zug von München aus. Die Auffahrt mit dem Sessellift verkürzt den Anstieg deutlich. Du startest direkt auf knapp 2000 Metern Höhe.
Kein Klettersteig für Anfänger
Auch wenn der Klettersteig technisch meist leicht bleibt, gibt es einiges zu beachten, bevor du zu der Tour aufbrichst. Wichtig sind feste Wanderschuhe mit gutem Profil, ein Helm, ein Klettersteigset und Klettersteig-Handschuhe. Außerdem gehören ausreichend Wasser, Snacks, Sonnenschutz, ein Erste-Hilfe-Set und eine warme Schicht in den Rucksack. Die Tour ist lang, und unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten.
Für den Klettersteig benötigst du in jedem Fall ein wenig alpine Erfahrung sowie Erfahrung im Klettersteiggehen. Die Schwierigkeit des Steigs liegt mit C im mittleren Schwierigkeitsbereich und ist nicht für Anfänger geeignet. Lade dir die GPS-Route vorher auf dein Handy, denn die Wegführung ist im oberen Bereich nicht immer ganz eindeutig. Wenn du früh startest, hast du die besten Lichtverhältnisse und genug Zeit für Pausen. Ein früher Aufbruch lohnt sich nicht nur wegen des Panoramas.
Auch interessant: Rosengarten-Durchquerung in den Dolomiten




Von Felsen-Labyrinth bis Gipfel-Arena
Vom Lift aus wanderst du auf dem Weg 18 in Richtung Gamsstallscharte. Schon der Zustieg ist landschaftlich spektakulär. Nach einigen Höhenmetern mit Panorama-Aussicht wird der Weg schmaler, steiniger und abschüssiger. Zwischen schroffen Felstürmen windet sich der Pfad durch eine bizarre Szenerie. Hier ist das GPS hilfreich, weil die Routenführung nicht immer sofort zu erkennen ist. Nach ungefähr anderthalb bis zwei Stunden, je nach Schritttempo, erreichst du die Gamsstallscharte.
Die Gamsstallscharte selbst wirkt wie eine natürliche Arena aus Felsen. Du stehst plötzlich mittendrin im Dolomitenkino. Hier lohnt es sich, am Vormittag viele Fotos zu machen. Denn auch wenn man im Abstieg wieder an diesem Punkt vorbeikommt, ist das Licht vor der Mittagssonne deutlich schöner.
Von dort führt der Weg weiter durch einen Kessel aus Geröll und Felsen zur Rotlahnscharte, wo der eigentliche Einstieg in den Klettersteig beginnt. Hier ist Zeit für eine Pause, bevor es mit angelegtem Klettersteigset und Helm in den Steig geht. Zwar gibt es auch unterwegs immer wieder kurze Möglichkeiten für Pausen, deutlich entspannter ist es aber hier, auf dem Plateau vor dem Einstieg.
Klettervergnügen in atemberaubendem Panorama
Nach kurzer Kraxelei gelangst du ins erste versicherte Gelände. Der Steig verläuft unterhalb der Latemartürme über Bänder, kleine Rinnen und Scharten. Das erinnert ein wenig an die Klettersteige in den Brenta-Dolomiten, die für ihre langen Bänder bekannt sind. Der Steig ist nie besonders ausgesetzt, aber abwechslungsreich und äußerst spannend. Teilweise weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Jede Blickrichtung eröffnet eine völlig neue Perspektive. Und nirgendwo sonst in den Dolomiten wird einem so deutlich vor Augen geführt, dass das Gebirge vor 250 Millionen Jahren einmal ein riesiges Korallenriff war. Denn genauso sieht es dort stellenweise aus – wie ein versteinertes Korallenriff.
Ein weiteres Highlight der Tour ist die leicht überhängende Schlüsselstelle des Klettersteigs, die über Klammern in eine Schlucht führt. Danach steigst du im Zickzack wieder hinauf, mit atemberaubenden Ausblicken auf den Rosengarten. Wer noch Kraft hat, kann vom Biwak in etwa 30 Minuten zur Latemarspitze weitergehen. Am Biwak selbst befindet sich der perfekte Platz für eine Pause. Auf der grünen Wiese kann man es sich gemütlich machen, während ringsum die Gipfel aufragen.
Auch interessant: Alpinisteig in den Dolomiten
//www.instagram.com/embed.js
Fazit
Ich bin schon einige Klettersteige in den Dolomiten gegangen, aber dieser hier ist wirklich einmalig. Die Tour ist zwar lang, aber nicht extrem schwierig. Perfekt für sportliche Wandernde mit Klettersteig-Erfahrung. Die Szenerie ist durchweg beeindruckend: vom Zustieg über den Steig bis zum Abstieg. Auch wenn unterwegs keine Einkehrmöglichkeit besteht, lohnt sich die Anstrengung in jeder Hinsicht.
Wer noch nicht genug hat, kann am nächsten Tag die Klettersteige am Rosengartenmassiv erkunden. Mit der Rotwand, dem Masaré-Klettersteig und dem Santnerpass-Klettersteig warten dort ähnlich beeindruckende Ausblicke wie an den Latemartürmen.
Schreibe einen Kommentar