Krass, da stand ich eben oben! Auf dem Abstieg drehe ich mich immer mal wieder um. Hinter mir ragt die Rotwand nach oben. Sie leuchtet im Licht der Sonne. Und wirkt dadurch fast noch imposanter. Sofern das überhaupt möglich ist. Denn die riesige, senkrechte Wand schaut von unten unbezwingbar aus. Die Rotwand in Südtirol ist aber über einen einfachen Klettersteig bezwingbar und führt tiefer in die Welt des Rosengartens in den Dolomiten.

Lohnt sich der Klettersteig zur Rotwand in Südtirol?

Die Rotwand ist ein 2.806 m hoher Berg in der Rosengartengruppe in den Dolomiten. Besonders imposant ist die knapp 400 m hohe Westwand mit ihrer gelblichen Färbung, die bei Kletterern besonders bekannt ist. Wer die Tour emporsteigen möchte, sollte sich auf reine Dolomitenkletterei einstellen. Das bedeutet, die Routen sind nicht mit Bohrhaken abgesichert.

Wir wählen den Normalweg hinauf. Ein leichter Steig führt zuerst am Fuße der Westwand entlang zum Vajolonpass nach oben. Von dort geht es über einen Klettersteig (A/B) am Nordgrat weiter zum Gipfel. Denselben Weg könntet ihr auch für den Abstieg wählen oder die Überschreitung machen.

Instatipp: Am beeindruckendsten wirkt die Rotwand von unten. Dort macht sie ihrem Namen alle Ehre und ragt als senkrechte Wand gen Himmel. Das ist ein spektakuläres Fotomotiv.

Anreise zur Rotwand im Eggental

Von München kommend dauert die Anreise knapp 3:45 Stunden. Dabei müsst ihr beachten, dass ihr Österreich quert und somit eine Vignette braucht. Für die Brennerautobahn wird eine Sondermaut von 10 Euro fällig und in Italien zahlt ihr die Maut schließlich je nach gefahrener Strecke. Da bewegt sich der Betrag bis nach Bozen, wo die Abfahrt zum Eggental liegt, aber eher im unteren einstelligen Euro-Bereich.

Ziel ist die Talstation der Paolina-Sesselbahn nahe des wunderschönen Karersees bei Welschnofen im Eggental. Im Winter ist hier ein Skigebiet. Die Bahn läuft aber auch im Sommer, um Wanderer nach oben zu bringen. Praktisch ist, dass ihr dadurch ausreichend (kostenlose) Fläche zum Parken habt.

Mit der Seilbahn auf über 2.000 Meter Höhe

Startpunkt:Paolinabahn
Strecke:6 km
Höhenmeter:750 m
Gehzeit:5 Stunden
Beste Reisezeit:Mai bis Oktober

Die Einzelfahrt mit der Paolinabahn kostet für Erwachsene 11 Euro. Wenn ihr eine Berg- und Talfahrt kauft, werden 15 Euro pro Person fällig. Wir lösen das Ticket und legen die ersten Höhenmeter komfortabel im Lift zurück. So können wir noch ein bisschen entspannen und die Landschaft auf uns wirken lassen. Denn der Sessellift hält geradewegs auf die Rotwand zu.

Im Kopf gehe ich während der Auffahrt gedanklich durch, ob ich alles habe: Feste Schuhe, Regenjacke, Klettersteigset, Kletterhelm, Handschuhe für den Klettersteig, Sonnencreme, ausreichend Wasser und ein paar Riegel. Check. Das müsste passen.

Natürlich könnt ihr das erste Stück über die Skiwiese auch hochwandern. Dann müsst ihr noch rund 400 Höhenmeter mehr einplanen.

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Ausblick auf den schwebenden Latemar

Die ersten Höhenmeter nach der Sesselbahn führen über einen schmalen Steig nach oben. Zuerst noch über die Almwiese näher an die Felswand entlang und dann tiefer hinein in den Rosengarten. Der Vajolon-Pass ist das erste Zwischenziel. Steil geht es durch geröllige Passagen, teils über hölzerne Treppen und Stege bergauf. Ein kleines Schneefeld hat sich bis zum Juli gehalten. Das müssen wir auch noch queren. Dann ist die Passhöhe in Sichtweite.

Dabei umspielen Wolken die Umgebung. Das schaut zum Teil ziemlich mystisch aus. Vor allem, als ich mich umdrehe und einen Blick zurück werfe. Denn auf der anderen Talseite ragt der Latemar in die Höhe. Nur, dass der Fuß des Berges gar nicht zu sehen ist. Wolken rahmen die felsigen Gipfel ein. Es sieht aus wie eines dieser gephotoshopten Bilder, die mit einem Wolkenband umrahmt sind. Allerdings ist diesmal keine Bildbearbeitung im Spiel. Das kann Mutter Natur ganz alleine.

Überschreitung der Rotwand mit Schlüsselstelle

Am Vajolon-Pass verschnaufen wir kurz und legen das Klettersteigset an. Bis zum Gipfel ist es noch eine knappe Stunde. Doch es zieht zu. Die Wolken und Nebelschwaden, die bereits den Latemar umschlossen haben, kommen nun auch zu uns. Jetzt fühlt es sich nicht mehr an wie ein romantisches Gemälde. Vielmehr sind wir von einer dichten Nebelsuppe eingeschlossen. Der Steig ist zwar nicht sonderlich schwierig und das Wetter soll stabil bleiben, trotzdem ist es schade, dass wir nichts sehen. Erst 10 Meter vor dem Gipfel kann ich das Kreuz ausmachen.

Dabei hätten wir hier am höchsten Punkt so ein geniales Panorama haben können. Wir hätten bis zur Rosengartenspitze schauen können, hätten die Marmolada, die Sella-Gruppe und sogar bis in die Ötztaler und Zillertaler Alpen blicken können. Aber all das bleibt uns heute verwehrt.

Doch wir haben es ja auch noch nicht ganz geschafft. Durch die geplante Überschreitung steigen wir auf der Ostseite wieder ab. Und dort kommt erst noch die Schlüsselstelle. Eine kurze, knackige C-Stelle liegt auf dem Weg. Das ist der schwierigste Teil und es ist kurz mal luftig unter den Füßen. Ein bisschen Höhenangst kommt auf. Wo ist der Nebel, wenn man ihn braucht?

Der verzieht sich nämlich langsam wieder und legt die umliegenden Felszacken frei. Es ist genial schroff. Ich sauge das Panorama, das ich am Gipfel nicht hatte, aber jetzt umso mehr genieße, in vollen Zügen auf. Es ist super, zwischen den Felstürmen der Dolomiten unterwegs zu sein.

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Fazit

Die Überschreitung der Rotwand über den Klettersteig lohnt sich definitiv. Selbst bei „schlechter“ Sicht war es cool, durch die schroffe Bergwelt zu kraxeln. Der Klettersteig ist außerdem so leicht, dass er auch für Anfänger geeignet ist. Wenn ihr euch die schwierigste Stelle nicht zutraut, dann nehmt zur Sicherheit einen Bergführer mit oder geht über den Aufstiegsweg wieder zurück. So könnt ihr die Stelle auslassen. Achtet aber auf jeden Fall auf das Wetter. Bei Gewittergefahr und Regen ist die Tour nicht geeignet.

Wenn ihr hingegen noch länger klettern möchtet, dann könnt ihr die Tour noch erweitern und den etwas schwierigeren Masaré-Klettersteig mitnehmen. Der führt über die gleichnamigen Masaré-Türme hinweg, an denen ihr beim Abstieg vorbeikommt.

Und zum Schluss lohnt sich ein Abstecher zum malerischen Karersee. Zwar könnt ihr hier nicht die Füße ins Wasser halten oder gar reinspringen (wegen Naturschutz), dafür könnt ihr aber die Seele baumeln und den Tag mit herrlichem Panorama ausklingen lassen.

Lage

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