Lüsener Fernerkogel: Bergtour zum Matterhorn Tirols

Freistehend und in schöner Dreiecksform ragt der Lüsener Fernerkogel wie das Matterhorn in die Höhe. Der Gipfel befindet sich im Sellraintal bei Innsbruck und dominiert mit seinen fast 3.300 Metern das Landschaftsbild. Die Tour ist wunderschön und fordernd zugleich, denn es gilt, etliche Höhenmeter, spannende Kraxeleien am Nordgrat und zwei Gletscher zu überwinden. Zur Belohnung gibt’s allerdings eine wunderschöne Fernsicht.

Lohnt sich die Bergtour zum Lüsener Fernerkogel?

Der Lüsener Fernerkogel ist 3.298 m hoch und einer der Gipfel der Stubaier Alpen. Der Berg befindet sich im Sellraintal nahe Innsbruck. Dadurch, dass auf der Rundtour insgesamt rund 1.800 Höhenmeter überwunden werden müssen, ist er meist nicht allzu überlaufen. Außerdem ist der Weg nicht durchgehend markiert, sodass sich die Wegfindung am Nordgrat und beim Abstieg über den Gletscher als schwierig gestalten kann.

Unerfahrenere Bergsteiger oder Wanderer sollten also im Zweifel besser die Begleitung eines Bergführers in Anspruch nehmen. So haben wir es auch gemacht. Plant außerdem einen vollständigen Tag für die Tour ein. Rund 10–12 Stunden Gehzeit könnt ihr schon einrechnen.

Fototipp: Besonders beeindruckend ist der Lüsener Ferner. Trotz der anhaltenden Gletscherschmelze ist er noch riesig. Hier lohnen sich Fotos besonders!

Anreise nach Lüsens Sellraintal

Höchster Punkt:3.298 m
Höhenmeter:1.800 hm
Gehzeit:10 – 12 Std.
Übernachtungstipp:Alpengasthof Praxmar
Beste Reisezeit:Mai – September

Los geht’s in Lüsens im Sellraintal. Direkt am Alpengasthof gibt es einen großen, kostenpflichtigen Parkplatz. Ab Innsbruck brauchen wir rund 45 Minuten bis zu diesem Ausgangspunkt. Schon die Anfahrt ist etwas abenteuerlich, denn die Straße wird irgendwann super schmal, und es gibt immer wieder freilaufende Tiere. Direkt vor unserer Windschutzscheibe haben ein paar Kühe gemütlich die Straße gequert. Also nehmt den Fuß vom Gas, wenn’s um Kurven geht.

Prinzipiell ist es ratsam, in der Nähe zu übernachten, da ihr die Tour bereits in den frühen Morgenstunden starten solltet – und eine lange Anreise wollt ihr wahrscheinlich zuvor nicht haben. Wir haben im Alpengasthof Praxmar übernachtet. Von dort sind es dann nur noch fünf Minuten mit dem Auto.

Auch interessant: Traumhafte Rundwanderung am Tiroler Achensee

Frühstart mit Bergführer Gerold & Packliste

Punkt 5:00 Uhr stehen wir abmarschbereit am Parkplatz. Bergführer Gerold erwartet uns schon. Gemeinsam gehen wir die Ausrüstung noch einmal durch, die wir brauchen. Eine Stirnlampe für die ersten ein bis zwei Stunden in der Dunkelheit sitzt auf dem Kopf. Zusätzlich haben wir Klettergurte, Helme, Steigeisen und Pickel im Rucksack. Ein Seil zum Sichern trägt der Bergführer. Wanderstöcke können hilfreich sein.

Kleidet euch am besten im Zwiebelschalenprinzip: Frühmorgens ist es ja meist noch sehr kühl, dann wird es wahrscheinlich wärmer, und oben ist es in der Höhenlage wieder entsprechend kalt. Ich hatte vorsichtshalber auch eine Daunenjacke im Rucksack, außerdem leichte Handschuhe und eine Kopfbedeckung. Die Tour solltet ihr wirklich nur gehen, wenn das Wetter passt.

Es gibt unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten, und ihr seid exponiert am Grat und im Gelände unterwegs. Da will man wahrlich nicht in ein Gewitter geraten, und auch Regen kann den vorwiegend steinigen Untergrund rutschig und gefährlich werden lassen.

Auch interessant: Rastenbachklamm – Wanderung durch Südtiroler Dschungel

Aufstieg über den spektakulären Nordgrat

Wir halten uns zuerst in Richtung Westfalenhaus und zweigen dann links ab. Jetzt geht’s querfeldein. Bergführer Gerold leitet uns durch Felder aus Alpenrosen hindurch zum Einstieg am Nordgrat. Vor uns türmen sich Felsen auf. Jetzt heißt es anseilen, denn der Grat ist abschüssig und es geht rechts und links steil bergab. Außerdem ist das Geröll manchmal lose.

Jeder Griff und jeder Tritt will wohlüberlegt sein. Technisch bewegen wir uns hier vorwiegend im I. und II. Schwierigkeitsgrad, einige Stellen befinden sich im III. Schwierigkeitsgrad. Dieser Teil des Aufstiegs kostet Zeit. Wir kommen deutlich langsamer voran als auf den normalen Bergwegen weiter unten im Tal. Dafür wird die Aussicht immer spektakulärer.

Erstmals blicken wir auf die gigantischen Gletscherflächen hinab, die sich unter uns erstrecken. Ich hätte nicht gedacht, dass die Gletscher hier noch so groß sind. Vor allem der Lüsener Ferner beeindruckt mich.

Am Gipfel nehmen wir uns Zeit, um den 360-Grad-Blick zu genießen. Neben den Gletschern zu unseren Füßen können wir in Richtung Nordkette schauen und sehen den Olperer, das Zuckerhütl und die Wildspitze – also jeweils den höchsten Gipfel der Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen. Wow!

Auch interessant: Gletschertrekking am Großglockner – Gigantische Eismassen

Zurück über den Gletscher

Wir sind zwar am höchsten Punkt, aber die Tour ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir steigen zu den Gletscherflächen ab. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auch hier weiterhin wichtig. Dann legen wir die Steigeisen an und packen den Pickel aus. Vor allem auf der steilen Querung über den Rotgratferner ist Vorsicht geboten – wenn man hier ins Rutschen kommt, gibt es kein Halten mehr. Das kann schmerzhaft werden.

Die anschließende Querung über den Lüsener Ferner finde ich hingegen einfach nur wunderschön. Der Gletscher ist flach und weist kaum Spalten auf. Wir spazieren über schneeweißes Eis, kommen an blauen Gletscherbächen vorbei, und ich sauge diese magische Stimmung in mich auf. Denn hier, in dieser mächtigen Bergwelt, fühlt man sich einfach nur winzig klein. Und ich bin dankbar, dass ich diese Stimmung, diesen Tag und diese Eismassen erleben darf.

Auch interessant: Kajakfahren in der Eishöhle am Hintertuxer Gletscher

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Marlene Vey (@marlenesleben)

Fazit

Zurück geht’s über einen steilen Abstieg und die neue Hängebrücke. Sie wackelt ein bisschen, wenn man drübergeht, aber man hat einen tollen Blick auf den Wasserfall, der vom Gletscherwasser gespeist wird – beeindruckend. Müde und mit schweren Beinen, aber mit tollen Bildern im Kopf, kommen wir dann im Tal an.

Die Tour war echt anstrengend, aber auch absolut lohnenswert. Falls ihr euch die komplette Runde nicht zutraut, wäre vielleicht die Idee, andersherum aufzusteigen: also zuerst zur Hängebrücke und dann zu den Ausläufern des Lüsener Ferners. So kommt ihr dem Gletscher auch ganz nah, spart euch aber einige Höhenmeter und die Kletterei. Bis zum Lüsener Ferner ist der Weg außerdem gut beschildert, sodass ihr euch auf dieser Strecke auch ohne Bergführer gut zurechtfinden könnt.

Lage

Praktische Links

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auch interessant

Wir benachrichtigen dich, sobald neue Beiträge erscheinen!

Entdecke mehr von HOME of TRAVEL

Wir benachrichtigen dich, sobald neue Beiträge erscheinen!

Weiterlesen