Vor mir ragt der Großglockner auf. Die scharfkantigen Zacken der Steigeisen bohren sich in das Eis unter mir. Mit jedem Schritt gibt es dieses knirschende Geräusch. Vorsichtig linse ich über den Rand einer massiven Gletscherspalte hinweg. Das Ende kann ich nicht ausmachen. Der Bergführer neben mir kickt einen losen Eisbrocken ins Innere. Diese Spalte sei wohl 15 Meter tief. Aber das ist noch längst nicht die größte. Auf der Suche nach noch beeindruckenderen Eisformationen bahnen wir uns unseren Weg über die Pasterze, den größten Gletscher Österreichs.

Lohnt sich das Gletschertrekking auf der Pasterze?

Die Pasterze liegt im Nationalpark Hohe Tauern, im Gebiet der Glocknergruppe. Mit einer Länge von circa 8 Kilometern ist sie der größte Gletscher Österreichs sowie der längste der Ostalpen. Noch vor 150 Jahren haben die Eismassen bis nach Heiligenblut hinunter gereicht. Heutzutage lässt sich jährlich eine Verkleinerung des Gletschers feststellen. Ungefähr 50 Meter sind es, die der Gletscher aktuell jedes Jahr an Länge einbüßt. Dennoch beträgt seine Eisdicke immer noch bis zu 180 Meter .

Instatipp: Manchmal gibt es Löcher und Höhlen im Eis. Wenn ihr solche findet, dann solltet ihr die Kamera dort hineinhalten. An diesen Stellen leuchtet das Eis oft hellblau.

Anreise zur Franz-Josefs-Höhe

Erreichbar ist die Pasterze über die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an der Großglockner Hochalpenstraße. Die hochalpine Passstraße verbindet die beiden österreichischen Bundesländer Salzburg und Kärnten. Wir reisen mit dem Auto aus München an und erreichen die Mautstation der Großglockner Hochalpenstraße in rund zweieinhalb Stunden.

Das Tagesticket zum Passieren der Straße kostet 37 Euro pro PKW und Wohnmobil. Elektroautos und Motorräder bekommen einen reduzierten Preis.

An der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe selbst könnt ihr in dem großen Parkhaus am Ende der Straße kostenlos parken. Ich würde empfehlen, auf das oberste Parkdeck zu fahren. Dort könnt ihr das Auto direkt mit Aussicht auf das Tagesziel, die Pasterze, und den Großglockner abstellen.

Warme Kleidung nicht vergessen

Startpunkt:Kaiser-Franz-Josefs-Höhe
Dauer:ca. 5 Stunden
Erfahrung:nicht notwendig
Kosten:120 Euro p. P.
Beste Reisezeit:Juni bis Oktober

Vor dem Parkhaus treffen wir auf unseren Bergführer. Denn ohne Begleitung solltet ihr ohne alpine Erfahrung den Gletscher nicht betreten. Gemeinsam gehen wir auch die Packliste noch durch. Klettergurt und Steigeisen könnt ihr euch vom Bergführer ausleihen. Handschuhe, Helm und warme, wetterfeste Kleidung hab ich selbst eingepackt und damit die Steigeisen gut passen, trage ich einen festen, knöchelhohen Bergschuh.

Unterschätzt die Kälte auf dem Eis nicht. Auch, wenn ihr an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe noch gemütlich in kurzen Hosen umherspaziert, seid ihr gleich auf einem natürlichen Kühlschrank unterwegs. Außerdem bieten lange Hosen, Jacken und Handschuhe zusätzlich Schutz, falls ihr hinfallt. Das Eis sieht aus der Ferne zwar flach aus, ist aber ziemlich scharfkantig.

Danach geht’s gemeinsam in der roten Kabine der Gletscherbahn nach unten. Ich nehm ganz vorne Platz. So seh ich unter mir die Schienen und habe perfekten Blick auf das, was uns gleich erwartet. Der Ausblick auf die Schienen erinnert an eine Achterbahnfahrt im Freizeitpark, wenn man im ersten Waggon sitzt. Allerdings fährt die Gletscherbahn nicht turbulent, sondern sehr gemütlich nach unten.

Gletscherrückgang klar erkennbar

Die Talstation endet aber nicht unmittelbar am Gletscher. Ein Schild weist darauf hin, dass das Eis im Jahr 1960 noch bis hier her reichte. Davon ist heute gar nichts mehr zu sehen. So müssen wir noch eine gute Stunde wandern, bis wir die ersten Ausläufer des sichtbaren Eises erreichen.

Der Wanderweg führt durch eine imposante Landschaft hindurch. So liegt neben dem schmalen Wanderpfad ein See, der sich aus dem Schmelzwasser gebildet hat. Im hinteren Drittel befindet sich noch eine Insel aus Eis. In unregelmäßigen Abständen brechen Teile von dem Eisberg ab und rauschen gemeinsam mit Geröll ins Wasser.

Der Schmelzwassersee wird von einem reißenden Bach gespeist, der aus dem Gletschereis hervorkommt. An seiner Austrittsstelle hat sich ein gigantisches Gletschertor gebildet. Von dort gräbt sich das Wasser eine tiefe Schlucht in die Eisfläche hinein. Und genau diese Schlucht müssen wir jetzt queren. Am besten, ohne reinzufallen. Denn die Strömung ist zu stark zum Durchschwimmen.

Per Seilbrücke über den reißenden Fluss

Über den Fluss ist bereits ein Stahlseil gespannt. Ähnlich wie man es vielleicht aus dem Hochseilpark kennt, werde ich am Klettergurt in die Konstruktion eingehängt. Nun ist Muskelkraft gefragt. Denn es ist keine reine Drahtseilrutsche. Stattdessen muss ich mich und mein Körpergewicht auf die andere Seite ziehen.

Die erste Herausforderung des Tages ist damit gemeistert. Und danach spürt man auch erstmals Eis unter den Füßen knirschen. Zuerst noch unter der blanken Schuhsohle und wenig später unter den Steigeisen. Es ist ein cooles Gefühl, mal wieder mit Steigeisen unterwegs zu sein. Man muss zwar ein bisschen breitbeiniger laufen, damit sich die Zacken nicht verhaken und gefährliche Stolperfallen bilden, aber es macht Spaß, wieder so übers Eis zu spazieren.

Abseilen in die Gletscherspalte

So richtig spektakulär wird es erst noch. Aufgeregt schaue ich dem Bergführer zu, wie er Eisschrauben zur Sicherung im Boden befestigt. Scheinbar mühelos lassen sich die scharfkantigen Schrauben in das feste Eis drehen. Daran wird das Seil befestigt. Das Ende binde ich in meinen Klettergurt ein.

Ich stelle mich mit dem Rücken zur Spalte, presse die Beine fest gegen die Eisfläche und schiebe meinen Oberkörper langsam zurück, bis ich das Gegengewicht am Gurt spüre. Fest im Klettergurt sitzend werde ich dann abgeseilt. In die Tiefen des Gletschers hinein. Es ist, als tauche ich in eine andere Welt ein. Das Eis ist an manchen Stellen schneeweiß, an anderen eisblau. Es leuchtet regelrecht.

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Fazit

Die Wanderung über das Gletschereis lohnt sich. Und keine Sorge: Ihr müsst keine Gletschererfahrung mitbringen. Der Bergführer tastet sich mit euch langsam an das Eis heran. Da werden die ersten Schritte mit Steigeisen geübt, er hilft euch beim Anlegen des Klettergurts und gibt auch ansonsten Anweisung, worauf ihr achten müsst.

Ein bisschen Kondition und Trittsicherheit solltet ihr allerdings haben. Denn allein der Spaziergang zum Gletscher selbst ist schon relativ lang und das Gehen auf Eis kann auch anstrengend werden. Vor allem, weil ihr da hochkonzentriert seid und vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzt.

Noch ein Tipp für den Anschluss: Zurück an der Franz-Josefs-Höhe solltet ihr den Schildern zum Murmelbau folgen. Auf der Wiese, die ihr mit dem Lift erreicht, tummeln sich in der Regel viele Murmeltiere, die sogar handzahm sind. Wenn ihr Karotten oder Nüsse dabei habt, könnt ihr die kleinen pelzigen Freunde mit etwas Glück sogar füttern. Aber verzichtet darauf, ihnen verarbeitete Produkte zu geben.

Lage

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