Fribourg: Geniale Fahrradtour zum Schwarzsee

Seeufer und Weinberge am Morgen, eine mittelalterliche Altstadt zur Mittagspause und am Nachmittag steile Anstiege bis in die Freiburger Voralpen: Auf rund 65 Kilometern führt mich diese Radtour von Murten über Fribourg bis zum Schwarzsee. Dabei sammelt man etwa 1.400 Höhenmeter und erlebt ganz nebenbei, wie abwechslungsreich die Region Freiburg zwischen Sprachgrenze, Seen, Städten und Bergen ist. Doch lohnt sich die Tour „Schweiz im Kleinformat“ wirklich?

Lohnt sich die Fahrradtour zum Schwarzsee?

Los geht es am Murtensee, dem kleinsten der drei Seen des Drei-Seen-Lands in der Schweiz. Von dort führt die Route durch die sanftere Landschaft der Region Freiburg nach Fribourg und anschließend immer weiter hinauf in die Freiburger Voralpen. Das Ziel liegt schließlich auf über 1.000 Metern am Schwarzsee.

Auf dem Weg verändern sich Landschaft und Charakter der Tour ständig. Rund um Murten prägen Weinberge, Felder und der See das Bild. Fribourg bringt mittelalterliche Architektur, Brücken und enge Altstadtgassen ins Spiel. Hinter der Stadt werden die Anstiege länger und teilweise richtig steil, während am Horizont langsam die Berge auftauchen.

Spannend ist außerdem die Lage an der Sprachgrenze. Innerhalb weniger Kilometer wechseln deutsch und französisch geprägte Orte einander ab. Fribourg selbst liegt unmittelbar an dieser Grenze, während etwa Düdingen und das Gebiet rund um den Schwarzsee deutschsprachig geprägt sind. Die Saane bildet dabei ungefähr die Sprachgrenze zwischen Deutschschweiz und Romandie.

Fototipp: Besonders abwechslungsreich sind die Fotomotive auf dieser Tour. Am Morgen bietet sich das Ufer des Murtensees mit dem Mont Vully im Hintergrund an. In Fribourg lohnt sich ein Stopp an einem der erhöhten Aussichtspunkte auf Altstadt, Kathedrale und die großen Brücken. Das klassische Abschlussmotiv wartet schließlich am Schwarzsee mit dem Fahrrad vor der Kulisse der Freiburger Voralpen.

Anreise nach Murten und Rückfahrt vom Schwarzsee

Strecke:ca. 64,6 km
Höhenmeter:1.400 hm
Höchster Punkt:ca. 1.055 m
Etappen:1-2
Charakter:anspruchsvolle Tagestour

Der Bahnhof Murten/Morat liegt nur wenige Minuten von der historischen Altstadt und dem Murtensee entfernt. Wer beispielsweise über Bern oder Fribourg anreist, kann mit den Regionalzügen weiter nach Murten fahren. Von Fribourg benötigt die Bahn nach Murten rund 30 Minuten.

Da die Fahrradtour nicht zurück nach Murten führt, sollte man die Rückfahrt bereits vor dem Start mitplanen. Vom Schwarzsee fahren Regionalbusse entweder direkt nach Fribourg/Freiburg mit der Linie 123 oder über Plaffeien nach Düdingen mit der Linie 125. Von Fribourg beziehungsweise Düdingen geht es anschließend mit dem Zug zurück nach Murten.

Wichtig ist dabei die Fahrradmitnahme: Bei den TPF können saubere Fahrräder grundsätzlich auch in Regionalbussen transportiert werden, allerdings nur, wenn genügend Platz vorhanden ist. Die Mitnahme ist kostenpflichtig und insbesondere außerhalb der Hauptverkehrszeiten vorgesehen. Wer mit dem eigenen Rad unterwegs ist, sollte deshalb die gewünschte Verbindung und die Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme vorab im aktuellen Fahrplan prüfen.

Start der Radtour in Murten

Die Tour beginnt früh am Morgen in der Altstadt von Murten. Noch sind die Gassen vergleichsweise leer. Über der Hauptgasse hängen Fahnen, dahinter ragt das Berntor mit seiner großen Uhr auf. Schon die ersten Minuten zeigen, dass diese Radtour nicht nur wegen der Landschaft spannend wird. Murten liegt direkt am gleichnamigen See. Mit einer Fläche von rund 22,8 Quadratkilometern ist der Murtensee der kleinste der drei großen Jura-Randseen. Rund herum gibt es zahlreiche Radwege und vergleichsweise flaches Terrain. Die Region Murtensee gilt zudem als eine der Wiegen des Velolands Schweiz.

Auch geschichtlich lohnt sich ein kurzer Blick auf Murten. 1476 fand hier eine der bedeutenden Schlachten der Burgunderkriege statt. Am 22. Juni besiegten die Eidgenossen und ihre Verbündeten die Truppen Karls des Kühnen. 2026 jährt sich die Schlacht damit zum 550. Mal. Viel Zeit sollte man am Start trotzdem nicht vertrödeln. Rund 65 Kilometer und vor allem etwa 1.400 Höhenmeter liegen schließlich noch vor uns.

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Durch das Freiburgerland zum Grandfey-Viadukt

Die ersten Kilometer sind angenehm zu fahren. Murtensee und Altstadt bleiben langsam zurück und die Route führt hinaus aufs Land. Felder, kleinere Ortschaften und immer wieder ruhige Straßen bestimmen diesen Teil der Strecke. Im Vergleich zu dem, was später wartet, fühlt sich die Tour hier noch ziemlich entspannt an.

Ein erstes großes Highlight ist das Grandfey-Viadukt nördlich von Fribourg. Die gewaltige Brücke überspannt das tief eingeschnittene Tal der Saane und gehört zu den markantesten Bauwerken entlang der Strecke. Unterhalb der Bahngleise führt sogar ein Fuß- und Veloweg über das Viadukt. Gleichzeitig verläuft hier ungefähr die Sprachgrenze zwischen dem deutschsprachigen und dem französischsprachigen Teil der Schweiz.

Mit dem Fahrrad durch die mittelalterliche Altstadt von Fribourg

Nach ungefähr 30 Kilometern erreichen wir Fribourg und damit ziemlich genau die Hälfte der Tour. Schon die Einfahrt in die Stadt ist spektakulär. Die Saane liegt tief unten im Tal, darüber verteilen sich die Häuser der Altstadt, Stadtmauern, Türme und Brücken auf den Hängen. Fribourg wurde 1157 gegründet und besitzt bis heute eine außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Stadtlandschaft. Über der Altstadt erhebt sich die Kathedrale St. Nikolaus, deren 74 Meter hoher Turm schon aus größerer Entfernung zu sehen ist.

Für uns ist Fribourg vor allem der perfekte Ort für eine längere Mittagspause. Wer die Tour entspannter angehen möchte, könnte sie sogar auf zwei Tage verteilen und hier übernachten. Dadurch bleibt deutlich mehr Zeit für die Altstadt. Sehenswert ist auch das sogenannte Funi. Die Standseilbahn fährt seit 1899 zwischen Ober- und Unterstadt und kommt ohne klassischen Motor aus. Der obere Wagen wird mit gefiltertem Abwasser in einem 3.000-Liter-Tank beschwert und zieht dadurch den anderen Wagen nach oben. Die Strecke ist gerade einmal 121 Meter lang und überwindet 56,4 Höhenmeter.

Kulinarisch passt Fribourg ebenfalls hervorragend als Zwischenstopp. Die Region ist unter anderem für ihre Käsetradition bekannt. Wer sich allerdings noch gut 30 Kilometer und die meisten Höhenmeter der Tour vorgenommen hat, sollte sich das große Fondue vielleicht besser für den Abend aufheben.

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Von Fribourg in die Freiburger Voralpen

Nach der Mittagspause ändert sich der Charakter der Tour. Die weitläufige Landschaft des Vormittags bleibt zunehmend zurück und am Horizont werden die Berge immer deutlicher. Jetzt beginnen auch die Höhenmeter richtig weh zu tun. Einige Rampen sind richtig steil. Auf einzelnen Abschnitten zeigt die Straße deutlich über zehn Prozent Steigung, und spätestens bei sommerlichen Temperaturen wird klar, dass die zweite Hälfte konditionell wesentlich anspruchsvoller ist als der erste Teil.

Ab St. Silvester verändert sich die Landschaft erneut. Aus dem hügeligen Freiburgerland werden langsam die Freiburger Voralpen. Wälder, steilere Hänge und Berggipfel bestimmen nun das Panorama. Auch die Streckenführung ist hier etwas weniger entspannt. Während wir im ersten Teil häufig auf ruhigen Radwegen und Nebenstraßen unterwegs sind, verlaufen spätere Passagen häufiger auf Straßen, die mit Autos geteilt werden. Für mich war der erste Teil deshalb fahrerisch etwas angenehmer. Dafür werden die Aussichten mit jedem Höhenmeter spektakulärer. Gleichzeitig folgt die Route zunehmend der Warmen Sense bergauf. Ihr Ursprung liegt am Schwarzsee und damit genau dort, wo die Tour enden soll.

Finale in den Freiburger Voralpen am Schwarzsee

Nach knapp 65 Kilometern ist es geschafft. Der Schwarzsee liegt auf etwa 1.047 Metern mitten in den Freiburger Voralpen. Nach der offenen Landschaft rund um Murten und der mittelalterlichen Kulisse von Fribourg fühlt sich das Ziel fast wie eine komplett andere Region an. Direkt hinter dem Wasser steigen bewaldete und felsige Bergflanken auf. Nach rund 1.400 Höhenmetern ist das genau die Kulisse, die man sich für das Ende dieser Tour wünscht.

Vor allem an einem warmen Sommertag gibt es dann eigentlich nur eine sinnvolle Entscheidung: Fahrrad abstellen und ins Wasser. Der Schwarzsee ist im Sommer zum Baden geeignet und wird außerdem zum Stand-up-Paddeln und für weitere Wassersportarten genutzt. Wer noch etwas Zeit mitbringt, sollte den Tag hier nicht sofort beenden. Vom Schwarzsee fährt eine Sesselbahn hinauf zur Riggisalp. Dort kann man in einer Alpkäserei beobachten, wie Käse traditionell über offenem Feuer hergestellt wird. Genau diesen Abstecher haben wir ebenfalls gemacht.

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Fazit

Für mich liegt die Stärke dieser Tour ganz klar in ihrer Abwechslung. Man startet morgens am Murtensee zwischen Altstadt und Weinbergen, fährt über die Sprachgrenze nach Fribourg und beendet den Tag in einer völlig anderen Landschaft am Schwarzsee. Mit knapp 65 Kilometern allein wäre die Strecke noch vergleichsweise moderat. Die etwa 1.400 Höhenmeter machen sie allerdings zu einer anspruchsvollen Tagestour. Vor allem die zweite Hälfte sollte man nicht unterschätzen. Wer regelmäßig längere Radtouren fährt und bergauf eine gewisse Kondition mitbringt, bekommt dafür eine Route mit ausgesprochen vielen unterschiedlichen Eindrücken.

Wer es gemütlicher angehen möchte, kann die Strecke sehr gut in zwei Etappen aufteilen. Fribourg liegt ungefähr auf halber Strecke und eignet sich mit Altstadt, Restaurants und Sehenswürdigkeiten ohnehin für einen längeren Aufenthalt. Am Ende versteht man auch ziemlich gut, warum die Region gerne als eine Art Schweiz im Kleinformat beschrieben wird: See, Weinberge, mittelalterliche Städte, Sprachgrenze, Käse und Berge liegen hier tatsächlich erstaunlich nah beieinander.

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