Schweiz ohne Alpen? Genau das macht diese Wanderung in der Region Grand Chasseral so spannend. Von Saint-Imier führt die Tour zunächst durch die wilde Combe Grède, vorbei an mächtigen Felswänden und über steile Leiterpassagen. Schließlich öffnet sich die Landschaft und über grüne Wiesen geht es weiter bis zum Chasseral. Und hier oben wartet dann tatsächlich eine echte Überraschung!
Lohnt sich die Wanderung durch die Combe Grède auf den Chasseral?
Wer an die Schweiz denkt, hat vermutlich zuerst hohe Alpengipfel, Gletscher und tief eingeschnittene Bergtäler vor Augen. Die Region Grand Chasseral im Kanton Bern zeigt jedoch, dass spektakuläre Wanderungen auch ganz anders aussehen können. Wälder, weite Weiden und grüne Höhen prägen die Landschaft, dazwischen verstecken sich wilde Schluchten wie die Combe Grède.
Die Wanderung startet in Saint-Imier und führt auf knapp 11 Kilometern und mit rund 1.000 Höhenmetern bis zum Chasseral. Das erste große Highlight wartet bereits beim Aufstieg. Die Combe Grède schneidet sich tief in die Landschaft ein und wird von nahezu senkrechten Kalkfelsen eingerahmt. Über Treppen und Leitern führt der Weg durch die Schlucht immer weiter nach oben.
Anschließend folgt ein kompletter Landschaftswechsel. Statt enger Felswände bestimmen plötzlich saftig grüne Wiesen, Blumen und weite Ausblicke die Umgebung. Ziel ist der 1.607 Meter hohe Chasseral. Von hier reicht der Blick über die Drei-Seen-Landschaft mit Bielersee, Neuenburgersee und Murtensee. Bei klarer Sicht zeichnet sich dahinter die Alpenkette am Horizont ab.
Fototipp: Eines der eindrucksvollsten Motive wartet kurz nachdem man die Combe Grède hinter sich gelassen hat. Von oben lässt sich zurück in die tief eingeschnittene Schlucht blicken und man erkennt erst richtig, wie steil die Felswände sind und wo der Weg zuvor nach oben geführt hat. Direkt an den Leiterpassagen sollte man sich wegen der Steinschlaggefahr dagegen nicht unnötig lange aufhalten.
Anreise nach Saint-Imier
| Strecke: | 11,7 km |
| Höhenmeter: | ca. 1.000 hm |
| Gehzeit: | 3:30 Stunden |
| Einkehrtipp: | Métairie des Plânes |
| Schwierigkeit: | schwer |
Am einfachsten lässt sich die Wanderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln planen, da Start und Ziel nicht am selben Ort liegen. Ausgangspunkt ist Saint-Imier, das über einen eigenen Bahnhof verfügt. Von München geht es je nach Verbindung zunächst in Richtung Winterthur/Zürich und anschließend über Biel/Bienne weiter nach Saint-Imier. Vom Bahnhof kann man direkt zur Wanderung starten.
Wer mit dem Auto anreist, findet am Bahnhof von Saint-Imier ebenfalls Parkmöglichkeiten. Für die Nutzung der Schweizer Autobahnen und Autostrassen benötigt man eine Vignette. Sie ist entweder klassisch zum Aufkleben oder als E-Vignette erhältlich.
Praktisch ist vor allem die Rückfahrt nach der Wanderung. Vom Chasseral verkehrt saisonal eine touristische Buslinie zurück nach Saint-Imier. Sie fährt allerdings nur an bestimmten Tagen und zu festen Zeiten, weshalb man den aktuellen Fahrplan unbedingt bereits vor der Wanderung prüfen sollte.
Vorbereitung und Ausrüstung für die Wanderung
In Saint-Imier startet die Tour zunächst noch ziemlich unspektakulär. Doch beim Eintritt in die Combe Grède verändert sich die Atmosphäre komplett. Die Schlucht wird immer enger, die hohen Felswände schlucken einen großen Teil des Sonnenlichts und plötzlich wird es deutlich kühler. Gerade an heißen Sommertagen ist dieser erste Abschnitt angenehm.
Spezielle Kletterausrüstung braucht man für die Tour nicht. Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind aufgrund der steilen und felsigen Passagen aber Pflicht. Dazu sollte man Trittsicherheit und eine ordentliche Kondition für knapp 1.000 Höhenmeter mitbringen. Vor allem im Bereich der Leitern besteht außerdem Steinschlaggefahr. Hier sollte man aufmerksam bleiben und nicht unnötig lange stehen bleiben.
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Combe Grède: Wilde Schlucht mit steilen Leitern
Der zunächst noch vergleichsweise flache Weg durch die Combe Grède ist schnell vorbei. Auf rund 900 Metern Höhe beginnt der deutlich spannendere Teil der Wanderung. Die Schlucht wird enger und der Weg steiler. Über mir ragen die Kalkwände empor und durch die abgeschirmte Lage dringt teilweise nur wenig Licht bis zum Boden.
Spätestens hier merke ich dann auch die fast 1.000 Höhenmeter, die an diesem Tag bewältigt werden müssen. Teilweise geht es direkt zwischen den Felsen nach oben und anschließend warten die ersten Leiterpassagen. Für mich gehören sie zu den spannendsten Stellen der Tour. Über die fest installierten Leitern lassen sich innerhalb kurzer Zeit einige Höhenmeter überwinden. Dazu kommen Treppen und schmale Passagen zwischen den Felswänden. Technisches Klettern ist zwar nicht erforderlich, Trittsicherheit sollte man aber unbedingt mitbringen.
Je weiter es nach oben geht, desto mehr Licht fällt wieder in die Schlucht. Schließlich öffnet sich die Combe Grède und der Kontrast könnte kaum größer sein. Gerade noch standen links und rechts steile Felswände, wenige Minuten später führt der Weg über eine offene Wiese. Nach dem schattigen Aufstieg wirkt die Landschaft plötzlich fast überraschend friedlich. Noch eindrucksvoller ist der Blick zurück: Von oben erkennt man erst, wie tief die Combe Grède tatsächlich eingeschnitten ist und durch welch steiles Gelände der Weg zuvor geführt hat.
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Chasseral: Drei-Seen-Blick bis zu den Alpen
Nach der Schlucht beginnt der zweite komplett andere Teil der Wanderung. Der Schutz der Bäume bleibt zurück und der Weg zieht sich über offene, sattgrüne Wiesen weiter bergauf. Von nun an lässt sich das Ziel bereits erkennen. Auf dem Höhenzug des Chasseral tauchen das Gipfelzeichen und vor allem der markante Sendeturm auf.
Dadurch weiß man zwar ziemlich genau, wie viele Höhenmeter noch fehlen, gleichzeitig wird das Panorama mit jedem Schritt weiter. Hier lohnt es sich, zwischendurch stehen zu bleiben und die Landschaft auf sich wirken zu lassen. In der Region leben unter anderem Gämsen und Murmeltiere.
Schließlich folgt der Moment, für den sich der gesamte Aufstieg lohnt. Auf dem Chasseral öffnet sich der Blick schlagartig nach Süden. Vor mir liegen der Neuenburgersee und der Bielersee, etwas weiter dahinter lässt sich auch der Murtensee erkennen. Und damit nicht genug. Bei besonders klarer Sicht zieht sich hinter der Drei-Seen-Landschaft die Alpenkette über den Horizont. Spektakulär!
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Fazit
Vor allem die Kombination aus Combe Grède und Chasseral macht diese Wanderung außergewöhnlich abwechslungsreich. Die Leiterpassagen und steilen Felswände sorgen im ersten Teil für Abenteuer, danach folgt mit den grünen Wiesen ein kompletter Landschaftswechsel. Das große Finale ist schließlich der Drei-Seen-Blick vom Chasseral bis hinüber zur Alpenkette.
Praktisch ist, dass man die knapp 1.000 Höhenmeter anschließend nicht wieder zu Fuß absteigen muss. Vom Chasseral fährt saisonal ein Bus zurück nach Saint-Imier. Den Fahrplan sollte man unbedingt vorab kontrollieren, denn die touristische Linie verkehrt nicht täglich.
Wer nach der Wanderung noch Zeit hat, sollte außerdem einen Abstecher nach La Neuveville einplanen. Das kleine mittelalterlich geprägte Städtchen liegt direkt am Bielersee und bietet mit seinen historischen Häusern, Fensterläden und Schweizer Fahnen einen schönen Kontrast zur Wanderung. Am besten verbindet man den Besuch mit einem Essen in der Altstadt und, wenn es zeitlich passt, einer kleinen Schifffahrt auf dem Bielersee.
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