Neben mir ragen die meterhohen Felswände der Dolomiten in die Höhe, während vor mir das kristallklare Wasser des Pisciadú Sees glitzert. Während sich die Sonne im See spiegelt, bedeckt der erste Schnee schon die Gipfel. Mich umgibt ein 360-Grad-Panorama in einer atemberaubenden Bergwelt. Um zum wunderschönen Pisciadù See zu kommen, habt ihr die Optionen Wanderung, Klettersteig oder die Kombination aus beidem. Welche Variante sich für wen lohnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.
Lohnt sich die Tour zum Pisciadù See in Südtirol?






Du erreichst den Pisciadù See (2.585 m) auf zwei Weisen: Über einen Klettersteig oder über eine Wanderung. Oft werden die beiden Wege miteinander kombiniert, sodass der Aufstieg über den Klettersteig und der Abstieg über den Wanderweg erfolgt. So entsteht ein traumhafter Rundweg! Bei der Tour über den Wanderweg sind Aufstiegs- und Abstiegsweg identisch.
Plane für die Tour zum Bergsee am Pisciadù einen ganzen Tag ein, wenn du Zeit am See verbringen möchtest. Die Gehzeit beträgt je nach Kondition 4–5 Stunden, denn insgesamt sind rund 600 Höhenmeter zu bezwingen. Trittsicherheit ist wichtig, da sowohl Klettersteig als auch Wanderung anspruchsvoll sind. Der Wanderweg ist teils mit Drahtseilen gesichert und erfordert leichte Kraxelei. Schneefelder oder vereiste Stellen können die Wanderung erschweren.
Fototipp: Das schönste Motiv wartet auf dich am Ufer des Bergsees. Gerade bei Sonnenschein glitzert das Wasser kristallklar, während im Hintergrund die riesigen Dolomitengipfel hervorragen.
Anreise zum Ausgangspunkt am Grödner Joch
| Lage: | Grödner Joch, Südtirol |
| Strecke: | 5 km |
| Höhenmeter: | 650 hm |
| Gehzeit: | 4–5 Stunden |
| Einkehrmöglichkeit: | Pisciadù-Hütte (nur im Sommer) |
Den Ausgangspunkt der Wanderung erreichst du entweder mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn du dich für das Auto entscheidest, kannst du den Parkplatz nutzen, der einige Kehren unterhalb des Grödner Jochs liegt. Sollte der Parkplatz voll oder geschlossen sein, kannst du dein Auto kurz vor dem Parkplatz am Fahrbahnrand abstellen.
Je nach Wetterlage kann die Strecke über das Grödner Joch kurzfristig gesperrt sein. Vorab kann es daher sinnvoll sein, auf der Südtiroler Verkehrsseite nach der Befahrbarkeit zu schauen.
Wenn du lieber die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen möchtest, dann ist dein Ziel die Haltestelle Colfosco – Pisciadù Parkplatz. Informiere dich dazu aber vorher, ob die Haltestelle zu der Zeit, zu der du aufbrechen möchtest, auch wirklich angefahren wird.
Klettersteigset und Grödel für die Tour zum Pisciadù See
Man benötigt natürlich Wanderschuhe, warme Kleidung (auf 2.585 Metern kann es auch in den Sommermonaten kalt werden!), ausreichend Verpflegung und je nach Schneelage Grödel oder Leichtsteigeisen. Wenn du den Klettersteig gehen möchtest, brauchst du dafür ein Klettersteigset und einen Kletterhelm.
Die Tour zum Pisciadù Bergsee solltest du im Idealfall in den Sommermonaten zwischen Juni und Oktober unternehmen. Aufgrund der hohen Lage des Sees kann es früh zu Schneefall kommen, der bis in die frühen Sommermonate liegen bleibt. Das macht die Strecke deutlich gefährlicher! Außerdem wirst du nicht viel von dem Bergsee sehen, wenn dieser mit Schnee bedeckt ist.
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Anspruchsvolle Wanderung zum Pisciadù Bergsee
Vom Ausgangspunkt der Wanderung, dem Parkplatz kurz unterhalb des Grödner Jochs, weisen mir Schilder direkt den Weg in Richtung Pisciadù-Hütte. Die Hütte liegt direkt neben dem See und kann in den Sommermonaten zur Einkehr genutzt werden. Es geht direkt einige Serpentinen über den Wanderweg 666 hinauf, der Teil des Dolomiten-Höhenwegs ist. Der Weg wird immer gerölliger, bis ich schließlich vor der Schlucht des Setus Tals stehe. Ab hier geht es steiler bergauf. Um mich herum ragen die schroffen Felsen des Sellastocks empor.
Serpentine für Serpentine geht es weiter hoch, bis schließlich die ersten seilversicherten Passagen auf mich warten. Schwierigere Abschnitte sind dazu noch mit Eisenbügeln als Tritthilfen versehen. Nach ein wenig Kraxelei erreiche ich nach der anstrengenden Wanderung die Hochfläche auf ungefähr 2.600 Metern, bevor es zum Pisciadù See nochmal wenige Meter abwärts geht. Schon aus der Ferne sehe ich das tiefblaue Wasser des Bergsees, das in der Sonne funkelt.
Alternativer Aufstieg: Nervenkitzel über den Pisciadù Klettersteig
Der Pisciadù Klettersteig zählt zu den beliebtesten und schönsten Klettersteigen in den Dolomiten. Und das absolut zurecht: Der Klettersteig bietet nicht nur imposante und teils senkrechte Kletterpassagen, sondern vor allem eine traumhafte Bergkulisse. Schon nach 15 Minuten Zustieg vom Parkplatz erreichst du den Einstieg des Klettersteigs. Mit einer maximalen Schwierigkeit von C kletterst du vorbei am Pisciadù Wasserfall.
Das Highlight des Klettersteigs ist der letzte Abschnitt am Exner Turm. Dieser Abschnitt ist der spannendste und zugleich schwerste Teil des gesamten Steiges. Solltest du dir diesen Abschnitt nicht zutrauen, kannst du ihn über den Notausstieg umgehen. Ansonsten warten senkrechte Felswände, eine acht Meter lange Brücke und eine Hängebrücke in exponierter Lage auf dich.
Kristallklarer Bergsee mit Traumpanorama
Egal, ob du dich für den Klettersteig oder den Wanderweg entscheidest: Der Pisciadù See als Ziel ist ein absolutes Highlight! Wenn deine Energiereserven es oben noch zulassen, bieten sich auf der kargen Hochfläche der Sella noch einige Wandermöglichkeiten. Auf jeden Fall solltest du dir aber Zeit für eine Pause am See nehmen, um das Panorama so richtig genießen zu können. Schwimmen oder Baden ist in dem See nicht erlaubt. Dafür ist er aber auch selbst in den Sommermonaten viel zu kalt!
Vom See aus hast du einen Blick auf viele bekannte Dolomitengipfel, so wie die Cirspitzen, den Sassongher oder den Piz Boè. Nachdem ich den Blick vom Ufer des Sees genossen habe, kehre ich noch auf der Pisciadù-Hütte ein. Die Hütte hat eine große Terrasse, von der man das Panorama und den Blick auf den See weiter genießen kann, bevor es über den Wanderweg wieder Richtung Abstieg geht.
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Fazit
Der Pisciadù See inmitten der Sellagruppe sticht hervor durch seine wunderschöne Lage in der kargen Felslandschaft. Der Ausblick auf den See lädt nach einer anstrengenden Wanderung oder Kletterei zu einer Pause vor schönstem Panorama ein. Damit zählt der Pisciadù See zweifelsohne zu einem der schönsten Bergseen der Dolomiten!
Die Tour zum Pisciadù See solltest du dennoch auf jeden Fall nicht unterschätzen. Egal, ob du dich für den Wanderweg oder den Klettersteig entscheidest, liegt eine technisch anspruchsvollere Tour vor dir. Den Klettersteig solltest du nur gehen, wenn du bereits Erfahrung an anderen Klettersteigen sammeln konntest und dir die Schwierigkeit C zutraust. Mit der richtigen Ausrüstung, Kondition und Trittsicherheit wartet dann aber ein unvergesslicher Tag am Pisciadù See auf dich!
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