Stell dir vor, du verlässt den letzten Rest festen Bodens und betrittst eine Welt, die nur aus einem endlosen Eisfeld und Licht besteht. Am Point 660 stehst du direkt an der Kante des grönländischen Inlandeises, wo die Stille nur durch das Knirschen unter deinen Sohlen unterbrochen wird. Es ist ein surrealer Anblick, wenn sich die weiße Fläche bis zum Horizont ausdehnt und man die Kälte des massiven Eisschildes spüren kann. Doch wie plant man den Weg zu diesem selten besuchten Highlight im Westen Grönlands am besten?
Lohnt sich die Tour zum Point 660 in Grönland?





Point 660 markiert den Zugang zum grönländischen Inlandeis, dem zweitgrößten Eisschild der Erde. Diese gewaltige Eismasse bedeckt etwa 80 % der Inselfläche und erreicht an ihrer mächtigsten Stelle eine Dicke von über 3.000 Metern. Die gesamte Eisplatte umfasst rund 1,7 Millionen Quadratkilometer, was fast dem Fünffachen der Fläche Deutschlands entspricht.
Der Ort verdankt seinen Namen seiner Lage auf 660 Metern über dem Meeresspiegel. Da das Gelände hier sanft ausläuft, ermöglicht Point 660 Besuchern über eine unbefestigte Piste einen direkten Zugang zum Eis. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen man den Rand eines Eisschildes ohne professionelle Bergsteigerausrüstung betreten und die unendliche Weite der arktischen Eiswüste erleben kann.
Fototipp: Mein wichtigster Fototipp ist, unbedingt eine Drohne mitzunehmen. Da sich das Eis ständig verändert, kann ich keinen exakten Punkt empfehlen, aber die Perspektive der Endlosigkeit des Eisschildes ist unschlagbar. Mein bestes Foto entstand, als ich direkt über einem Eisloch meinen Kumpel beim Eisklettern aufnahm. Ansonsten ist auch ein Foto eines Gletscherflusses spektakulär, der sich tief in das Eis arbeitet.
Anreise zum Point 660
| Lage: | Westgrönland |
| Anreise: | 35 km östlich von Kangerlussuaq |
| Must-Do: | geführte Tour |
| Beste Reisezeit: | Mai – September |
| Besonderheit: | Zweitgrößtes Eisfeld der Welt |
Die Anreise beginnt immer am internationalen Flughafen von Kangerlussuaq (SFJ). Da es nur wenige Direktverbindungen ab Kopenhagen gibt, erfolgt die Anreise in der Regel über die Hauptstadt Nuuk mit einem Inlandsflug. Von Kangerlussuaq aus trennen dich noch etwa 35 Kilometer vom ewigen Eis.
Die Strecke führt über eine raue, unbefestigte Schotterpiste Richtung Osten, vorbei an Gletschertälern und mit etwas Glück auch an Moschusochsen. Sie gilt zudem als längste Straße Grönlands. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und Mietwagen nur begrenzt verfügbar sowie teuer sind, empfiehlt sich eine geführte Tour. Aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse dauert die Fahrt rund 75 Minuten. Ein organisierter Hin- und Rücktransport sorgt außerdem für mehr Sicherheit in dem unberechenbaren Terrain und Wetter.
Sicher auf dem Eis: Buchung und Ausrüstungstipps
Um das Inlandeis sicher zu erkunden, solltest du deine Tour unbedingt vorab reservieren, beispielsweise über Reiseveranstalter wie Guide to Greenland. Dort findest du gut ausgebildete Guides, die das Gelände genau kennen. Bei der Kleidung gilt das Zwiebelprinzip: Trage unbedingt warme, winddichte Schichten, da die Fallwinde vom Eis sehr kühl sein können.
Festes Schuhwerk ist Pflicht. Zusätzliche Ausrüstungsgegenstände wie Steigeisen, die dir auf dem glatten Eis Halt geben, werden direkt am Treffpunkt in Kangerlussuaq zur Verfügung gestellt. Sollte deine Tour Eisklettern beinhalten, wird der Guide auch die entsprechenden Gurte und Seile bereitstellen.
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Mit dem Geländewagen in die weiße Unendlichkeit
Die 75-minütige Anfahrt im geländegängigen Auto gleicht einer Expedition. Die zwei Guides berichten von der holperigen Piste, die VW ursprünglich für geheime Reifentests unter Extrembedingungen anlegte. Vom Parkplatz am Ende der Straße trennt lediglich ein 20-minütiger Fußmarsch meine Gruppe vom eigentlichen Eisfeld.
Bei der Ankunft Anfang September herrschen 0 Grad unter einem strahlend blauen Himmel. Der erste Eindruck überwältigt: Statt eines flachen Feldes erstreckt sich vor mir eine hügelige Landschaft aus Eis, die teilweise schon von den ersten Schneefällen bedeckt ist. Wie erstarrte Wellen zieht sich das Eis in den unterschiedlichsten Blautönen bis zum Horizont.
Grenzerfahrung: 5 Stunden im ewigen Eis
Während viele Besucher nur die kurze Schnuppertour wählen, entscheide ich mich für die ganztägige Expedition und bereue keine Sekunde davon. Fünf Stunden bin ich auf dem Eis unterwegs und lege über zehn Kilometer durch diese surreale Landschaft zurück. Da nur mein Kumpel und ich die Tour gebucht haben, begleiten uns zwei erfahrene Guides ganz exklusiv. Dadurch fühlt sich die Tour persönlich und gleichzeitig absolut sicher an, in einem Terrain ohne vorgegebene Wege oder Beschilderung. Ohne Guide würde ich keinen Schritt auf das von Gletscherspalten durchzogene Eisfeld wagen. Wir wandern entlang glasklarer, tiefblauer Schmelzwasserflüsse, die sich ihren Weg durch das jahrtausendealte Eis bahnen.
Dann folgt das Highlight: das Eisklettern. Mit klopfendem Herzen seile ich mich in ein etwa zehn Meter tiefes Loch im Eis ab. Um mich herum leuchten die Wände in purem Blau. Anschließend kämpfe ich mich mit Eisaxt und Steigeisen aus eigener Kraft zurück ans Tageslicht. Dieser Kraftakt macht den Tag am Point 660 zu einer unvergesslichen Grenzerfahrung im Westen Grönlands. Wir begegnen an diesem Tag keiner weiteren Person, und ohne unsere Guides wäre ich in dem weißen Labyrinth orientierungslos aufgeschmissen. Die Guides führen uns wieder zum Ausgangspunkt zurück, und wir fahren mit dem Auto die gleiche Strecke zurück in das 500-Seelen-Dorf Kangerlussuaq.
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Fazit
Der Besuch am Point 660 ist weit mehr als nur ein Ausflug, denn er bietet die seltene Gelegenheit, einen der eindrucksvollsten Orte unseres Planeten zu erleben. Die Kombination aus der rauen Anfahrt über die alte VW-Piste und dem intensiven Erlebnis auf dem zerklüfteten, blau schimmernden Eis macht die Tour unvergleichlich. Wer über die nötige Fitness verfügt, sollte unbedingt die Ganztagstour wählen. Die exklusive Betreuung und das Adrenalin beim Eisklettern bleiben unvergesslich. Es ist ein Privileg, diese Wildnis im Westen der größten Insel der Welt so unmittelbar zu erleben.
Besuche auch den imposanten Russell-Gletscher in der Nähe und zelte, wenn sich die Möglichkeit ergibt, eine Nacht vor Ort. Beim Knacken des Gletschers einzuschlafen, hat etwas Magisches. Für echte Abenteurer ist der Arctic Circle Trail ein Muss. Dabei handelt es sich um eine legendäre zwölftägige Wanderung über 160 Kilometer durch die Wildnis bis an die Küste nach Sisimiut.
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