Das Dickicht öffnet sich und gibt den Blick frei auf die smaragdgrünen Pools mitten im Urwald von Guatemala. Wenig später stehe ich am Ufer, halte erst die Füße in einen der Pools und bin dann schon abgetaucht. Das Wasser ist kühl und klar. Über mir rascheln die Blätter, und das Rauschen des Flusses vermischt sich mit den Vogelstimmen, Brüllaffen-Geschrei und dem Summen des Dschungels.
Lohnt sich die Reise zu den Naturpools Semuc Champey?





Semuc Champey ist ein Naturwunder im Dschungel Guatemalas. Hier verschwindet der Cahabón-Fluss in der Erde unter einer natürlichen, etwa 300 Meter langen Kalksteinbrücke. Darüber befinden sich Naturpools, die zwischen ein und drei Metern tief sind. Ihre türkisgrüne oder azurblaue Farbe ändert sich im Laufe des Jahres je nach Wetter, Sonne und anderen natürlichen Faktoren.
Besucher können die natürlichen Pools erkunden, im kühlen Wasser schwimmen oder vom Mirador, einem Aussichtspunkt, das spektakuläre Panorama genießen. In der Umgebung locken Abenteuer wie die Erkundung wassergefüllter Höhlen und Tubing auf dem Cahabón-Fluss.
Fototipp: Wenn ihr den Nationalpark betretet, führt euch der Weg aufwärts zu einem Aussichtspunkt. Von hier aus gelingen euch spektakuläre Aufnahmen von den Naturpools aus der Vogelperspektive. Noch besser werden die Fotos, wenn ihr ein bisschen heranzoomt.
Anreise nach Semuc Champey
| Lage: | im Dschungel nahe Lanquín |
| Anreise: | Shuttlebus von Antigua oder Antitlán |
| Must-Do: | Baden in den Naturpools |
| Dauer: | min. 4 Stunden |
| Kalksteinbrücke: | 300 m lang |
Wer Semuc Champey besuchen möchte, muss erst einmal nach Lanquín reisen. Der unscheinbare und nicht besonders schöne Ort liegt im Dschungel versteckt, ganze acht Shuttlebus-Stunden entfernt von Antigua.
Es gibt auch Verbindungen von anderen Touristenspots im Süden, zum Beispiel habe ich das Shuttle von Panajachel am Atitlán-See genommen. Meistens fahren ein oder zwei Verbindungen am Tag, und meist geht es gleich in der Früh los. Das bedeutet: Ihr müsst für die Anreise und auch für die Abreise jeweils einen Reisetag opfern. Das ist ärgerlich. Die einzige Über-Nacht-Verbindung, von der ich leider erst zu spät gehört habe, legt in San Pedro ab, einem kleinen Städtchen am Lago Atitlán.
Reserviert euch in jedem Fall eure Verbindung vorher! Das Shuttle kostet etwa 40 Euro pro Strecke. Man kann natürlich auch mit einem Mietauto fahren. Wir haben uns aber aufgrund der langen Strecke und der Straßenverhältnisse (Dschungel!) dagegen entschieden.
Die Nacht in Semuc Champey: Ort oder Natur?
Auch das Hotel oder Hostel solltet ihr früh buchen, denn Lanquín ist, wie gesagt, sehr klein. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ihr schlaft direkt am Naturpark oder im Zentrum des Dorfes. Wir haben beides gemacht: Die erste Nacht am Park, die zweite im Dorf. Den stressigen Umzug empfehle ich nicht, aber so kenne ich jetzt beide Seiten, um euch die jeweiligen Vor- und Nachteile zu erzählen.
Wenn ihr euch für ein Hostel direkt neben dem Naturpark entscheidet, holen euch die Hostelangestellten in der Regel an der Bushaltestelle ab. Die Strecke zwischen Dorf und Naturpark dauert etwa eine halbe Stunde mit einem Geländewagen. Ihr verbringt die Nacht in kompletter Ruhe direkt am Flussufer, seid am Morgen die Ersten im Naturpark und könnt so lange baden, wie ihr wollt.
Der Nachteil: Ihr seid für Essen und Trinken komplett auf eure Unterkunft angewiesen. Die Rückfahrt müsst ihr selbst bezahlen, und die ist sehr früh, weil die Shuttles auch auf dem Rückweg gegen 8 Uhr morgens fahren. Wenn ihr im Ort übernachtet, habt ihr die Wahl zwischen mehreren kleinen Restaurants und Supermärkten.
Ihr seid nah bei der Shuttle-Station, wenn ihr ankommt oder abfahrt. Der Besuch des Parks wird von den Unterkünften meist als Paket und in der Gruppe angeboten, wodurch ihr euch unflexibel an deren Uhrzeiten halten müsst. Und leider ist es im Ort auch relativ laut, vor allem durch bellende Straßenhunde und krähende Hähne.
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Der Blick von oben
Wir schlafen die erste Nacht in einem Hostel, das nur fünf Gehminuten vom Eingang des Naturparks entfernt liegt. Wir haben ein kleines Bungalow für zwei Personen – einfach, aber schön. Am nächsten Morgen gehen wir ausgeruht und extra früh zum Parkeingang.
Die meisten Gruppen aus Lanquín kommen erst später, und so müssen wir uns Semuc Champey erstmal nicht mit zu vielen Leuten teilen. Wir bezahlen den Parkeintritt und gehen dann zum Aussichtspunkt, dem „Mirador“. Der Weg ist ausgeschildert.
Der Aufstieg ist steil und schweißtreibend, aber jeder Schritt lohnt sich, denn das hier ist ein Erlebnis für alle Sinne: Wir erfreuen uns an der üppigen Vegetation und der erfrischenden Feuchtigkeit des Morgens und lauschen den Klängen der mir fremden Vögel. Noch bevor wir oben sind, sehen wir sogar eine Gruppe Brüllaffen zwischen den Baumkronen herumturnen.
Oben angekommen, bietet sich ein atemberaubender Blick auf Semuc Champey. Der Cahabón-Fluss verschwindet unter den Pools, um einige hundert Meter später wieder an die Oberfläche zu sprudeln. Dazwischen liegen die türkisgrünen Pools terrassenartig in der Schlucht. Ein paar Leute schwimmen bereits. Ich kann es auch kaum erwarten.
Geführte Touren und Erlebnisse
Baden in den natürlichen Pools
Nach dem Abstieg vom Mirador führt der Weg direkt zu den Becken. Die Pools sind in Stufen angeordnet und mit kristallklarem, türkisfarbenem Wasser gefüllt. Die Badenden teilen sich auf mehrere Becken auf. Einige sind tiefer, ideal zum Tauchen, an anderen Stellen ist es flacher.
Das Gefühl, in einem der Pools zu schwimmen, ist unvergleichlich. Hier sollte man sich einen Tag Zeit nehmen. Ich habe ein Buch dabei, mache immer wieder Pausen am Ufer, lese und lausche dem Rauschen des Flusses. Wichtig ist nur, sich regelmäßig mit Sonnenschutz einzuschmieren, auch eine Kappe ist empfehlenswert.
Wer ein Vorhängeschloss mitbringt, kann umsonst Kleiderspinde unweit der Pools benutzen. Und natürlich macht Schwimmen hungrig! Snacks gehören auch ins Gepäck; wer keine dabei hat, findet erst wieder vor den Türen des Naturparks etwas zu essen.
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Fazit
Klar, die Anreise ist aufwendig, aber ein Besuch in Semuc Champey lohnt sich: Hier schwimmt ihr in türkisgrünen Naturbecken, umgeben vom guatemaltekischen Dschungel – definitiv eines der schönsten und eindrucksvollsten Reiseziele Guatemalas. Wer einmal im kühlen Wasser von Semuc Champey gebadet hat, während die Sonne durch die dichten Baumkronen blinzelt, wird diesen magischen Ort nie wieder vergessen!
Nimm dir mindestens zwei volle Tage Zeit, zum einen wegen der langen An- und Abreise, aber auch, um weitere Abenteuer in der Umgebung zu erleben. Ich bin zum Beispiel nur mit einer Kerze ausgerüstet durch eine mit Wasser gefüllte Höhle gewatet und habe mich mit einem Gummireifen auf dem Cahabón-Fluss hinuntertreiben lassen.
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