Ich schnaufe ganz schön vom steilen Aufstieg der Wanderung. Gerade will ich noch eine Pause machen, da lichtet sich der Wald – und vor mir liegt der tiefgrüne Reedsee. Ein Bergsee wie aus dem Bilderbuch: glasklar, ganz ruhig, umrahmt von den mächtigen Gletschergipfeln der Hohen Tauern und mit einer kleinen Hütte am Uferrand. Diese Wanderung im Gasteinertal vereint alles, was man an den Bergen liebt – Stille, Anstrengung und pure Naturidylle. Direkt am Parkplatz starten wir mit dem Bike und können so den langen Hatscher ganz entspannt abkürzen.
Lohnt sich die Wanderung zum Reedsee bei Bad Gastein?





Die Wanderung zum Reedsee zählt zweifellos zu den schönsten im Gasteinertal. Der smaragdgrüne Bergsee liegt idyllisch eingebettet zwischen Lärchen, Almwiesen und den schroffen Gletschergipfeln der Tischlergruppe. Wer den steilen Aufstieg vom Parkplatz zum See geschafft hat, wird mit einem beeindruckenden Panorama und angenehmer Ruhe belohnt – der Reedsee ist weit weniger frequentiert als andere Hotspots der Region, wie etwa der Gasteiner Wasserfall.
Besonders lohnend ist die Tour im Frühsommer, wenn die Almrosen entlang des Weges in leuchtendem Pink blühen. Aber auch im Herbst, wenn sich die Lärchen goldgelb färben und schon der erste Schnee zu sehen ist, lohnt sich die Wanderung – zum Staunen und Fotografieren.
Fototipp: Wenn sich die schroffen Gletschergipfel im klaren Wasser spiegeln und sich die Bäume ringsum bunt färben, ist das ein perfektes Fotomotiv. Besonders schön ist der Blick auf die kleine Hütte am gegenüberliegenden Ufer, wenn der See ganz ruhig daliegt. Auf der Nordseite kann man über flache Felsplatten direkt ans Ufer gehen und die malerische Landschaft fotografieren.
Anreise nach Gastein ins Kötschachtal
| Lage: | Kötschachtal, Bad Gastein |
| Höhenmeter: | 800 hm |
| Strecke: | 12,5 km |
| Gehzeit: | 4,5 Stunden |
| Schwierigkeit: | mittelschwer |
Startpunkt der Wanderung zum Reedsee ist der Parkplatz „Grüner Baum“ im Kötschachtal bei Bad Gastein. Wer mit dem Auto anreist, fährt von München aus über Salzburg auf der A10 Tauernautobahn (Vignettenpflicht!) bis Bischofshofen und dann auf der Landstraße weiter ins Gasteinertal. Direkt im Ortszentrum von Bad Gastein biegt man bei der Beschilderung „Kötschachtal“ scharf links ab und gelangt über eine schmale Straße zum Hoteldorf „Grüner Baum“. Hier gibt es einen großen öffentlichen (kostenlosen) Parkplatz. Die Fahrt ab Salzburg dauert etwa 1,5 Stunden.
Ziemlich bequem ist die Anreise auch mit den Öffis: Ab Salzburg Hauptbahnhof fährt regelmäßig ein Zug nach Bad Gastein. Von dort bringt einen der Linienbus 555 stündlich direkt ins Kötschachtal – perfekt also auch ohne Auto. Die Mitnahme von Fahrrädern ist bei entsprechender Kapazität möglich und sehr praktisch für die ersten drei Kilometer.
Start auf dem Mountainbike vom Parkplatz ins Kötschachtal
Um uns den langen Hatscher auf der Forststraße zu sparen, schwingen wir uns gleich zu Beginn auf die Mountainbikes. Vom Parkplatz „Grüner Baum“ geht’s auf breitem Schotterweg rund drei Kilometer weit hinein ins Kötschachtal – ganz ohne nennenswerte Steigungen. Der Weg führt idyllisch am Bach entlang, vorbei an Almwiesen und der urigen Himmelwandhütte, die wir uns für den Rückweg schon mal vormerken – sie ist bekannt für ihre süßen Strudelvariationen.
Im Rucksack haben wir genug zu trinken, eine kleine Jause und – wer will – Wanderstöcke für den steilen Aufstieg. Bei der Holzbrücke mit dem gelben Wegweiser „Zum Reedsee“, die direkt über den rauschenden Gebirgsbach führt, sperren wir die Räder ab. Ab hier geht es zu Fuß weiter – und jetzt wird es steiler.
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Steiler Aufstieg durch den Wald zum Reedsee
Nach der Brücke geht es gleich ordentlich zur Sache: In vielen Serpentinen führt der schmale Steig steil durch den Wald hinauf. Der Boden ist von Wurzeln durchzogen, es ist schattig und angenehm kühl – aber die Oberschenkel beginnen bald ein wenig zu brennen. Vor allem im Frühsommer lohnt sich der Blick nach rechts und links: Überall blühen pinke Alpenrosen und übersäen den Waldboden mit fast kitschigen Farbkleksen.
Die Wanderung ist zwar durchgehend steil, aber technisch nicht sehr anspruchsvoll. Obwohl wir die angegebenen 800 Höhenmeter schon fast überwunden haben, ist unser Ziel, der Reedsee, noch immer nicht in Sicht. Nach und nach lichtet sich der Wald, sodass wir wenigstens ein paar Berggipfel um uns herum sehen können. Auch hinter uns können wir nun an den Felswänden den engen Einschnitt des Kötschachtals erkennen, durch das wir zuvor mit den Bikes gefahren sind.
Naturidylle aus Reedsee und Gletscherwelt
Gerade will ich eine kurze Verschnaufpause einlegen – denn der Aufstieg zieht sich wirklich in die Länge – da liegt er plötzlich vor uns: der Reedsee. Glasklar, tiefgrün, umrahmt von Lärchen, Felsplatten und dahinter schneebedeckten Gletschergipfeln. Ein Anblick wie gemalt oder wie auf einer Postkarte. Spiegelglatt ruht das Wasser, in dem sich die gezackten Spitzen der Tischlergruppe und die kleine Holzhütte am gegenüberliegenden Ufer spiegeln.
Es ist erstaunlich ruhig hier. Ich setze mich auf eine Felsplatte ganz nah am Ufer und lausche dem Wind in den Baumwipfeln. Der Ort strahlt eine unglaubliche Ruhe aus – und kurz juckt es mich, in den See zu springen. Aber nachdem ich nur kurz meine Zehen eingetaucht habe, genieße ich die Naturidylle lieber doch vom Trockenen aus. Ganz umrunden kann man den See nicht, aber ein schmaler Pfad führt zumindest auf die andere Seite zur Hütte. Von hier aus starten auch anspruchsvolle Touren weiter in die hochalpine Gletscherwelt.
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Fazit
Der Abstieg vom Reedsee verläuft wie der Aufstieg – über die wurzeligen Waldwege zurück ins Kötschachtal. Als genussvolle Belohnung empfiehlt sich eine Einkehr in der Himmelwandhütte, wo man sich mit köstlichen Strudeln verwöhnen lassen kann. Die Wanderung zum malerischen Reedsee ist ideal für alle, die einen ruhigen, naturbelassenen Bergsee suchen und gute Kondition mitbringen – besonders lohnenswert im Frühsommer oder im goldenen Herbst.
Wer noch Zeit hat, sollte auch den Gasteiner Wasserfall oder die Hängebrücke bei der Stubnerkogelbahn besuchen. Für ambitionierte Bergsteiger gibt es am Ende des Gasteinertals, in Sportgastein, hochalpine Touren wie die Hohe Geißel oder das Schareck.
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