Calanques: Panorama-Wanderung bei Marseille

Tief unter mir liegt die Calanque d’En-Vau – ein flüssiger Smaragd, eingerahmt von steilen, weißen Felswänden des Massif des Calanques. Ich halte kurz inne, mache ein Foto und steige dann weiter ab, dem glitzernden Wasser entgegen. Nur das sanfte Plätschern der Wellen und das Zirpen der Zikaden durchbrechen die Stille. Kaum zu glauben, dass diese tolle Wanderung nur rund 45 Minuten von Marseille entfernt liegt.

Lohnt sich die Wanderung an der Küste der Calanques?

Die Calanques (auch Massif des Calanques) sind eine spektakuläre, etwa 20 Kilometer lange Küstenlandschaft zwischen Marseille und Cassis: schmale, fjordähnliche Buchten mit türkisblauem Wasser, umrahmt von senkrechten Kalkwänden. Die Calanque d’En-Vau gilt als die wildeste und beeindruckendste unter ihnen. Der Panoramaweg führt oberhalb der Calanque de Port-Pin entlang, mit Blicken auf die tief eingeschnittenen Buchten, das endlose Blau des Mittelmeers und die weißen Felsformationen, die je nach Tageszeit rosa, golden oder silbrig schimmern.

Trittsicherheit ist gefragt, ebenso wie gute Schuhe und ausreichend Wasser. Wer früh startet, hat nicht nur kühlere Temperaturen, sondern auch die Chance, dieses Naturwunder fast für sich allein zu erleben. Am Ende belohnt die Calanque d’En-Vau mit einem schmalen Kiesstrand und glasklarem Wasser – perfekt für eine Pause, ein Bad oder einfach nur zum Staunen.

Fototipp: Der perfekte Fotospot kommt direkt nach der kleinen, verlassenen Hütte des Refuge du Piolet und vor dem Plateau de Cadeiron. Von dort aus fotografierst du in nordwestliche Richtung in die Bucht hinein. Achte darauf, ein wenig Abstand zur Felskante zu halten – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch, um mit einem Vordergrund wie Zweigen, Steinen oder Pinien die Tiefe des Fotos zu betonen.

Anreise nach Cassis am Massif des Calanques

Strecke:8,1 km
Höhenmeter:323 hm
Dauer:2,5 Stunden
Schwierigkeit:mittel
Besonderheit:Keine Einkehrmöglichkeit

Von Marseille aus bringt dich die Buslinie M08 in rund 40 Minuten direkt nach Cassis zum Startpunkt der Wanderung. Die Fahrt startet am Busbahnhof Castellane oder Rond-Point du Prado und endet unweit des Hafens.

Wer mit dem Auto anreist, folgt der Autobahn A50 und nimmt nach etwa einer halben Stunde die Ausfahrt „Cassis“. Doch Vorsicht: Parkplätze sind in der Hochsaison rar und meist gebührenpflichtig – früh kommen lohnt sich.

Auch mit dem Zug ist Cassis gut erreichbar: Regionalzüge (TER) fahren regelmäßig von Marseille und benötigen nur etwa 20 Minuten. Der Bahnhof liegt allerdings knapp drei Kilometer außerhalb des Ortszentrums – von dort geht’s zu Fuß, per Shuttlebus oder mit dem Taxi weiter.

Die ersten Calanques Port-Miou und Port-Pin

Los geht es im malerischen Cassis: pastellfarbene Häuser, der Duft von Salz und Espresso, Boote im Hafen. Ich vertage die Erkundungstour auf nach der Wanderung und starte in westlicher Richtung. Schnell wird klar: Die Natur spielt hier alle Trümpfe aus. Weiße Kalkfelsen, steile Klippen und dazwischen das tiefste Blau des Mittelmeers. Der Weg schlängelt sich entlang der Küste – oft schmal, steinig und steil, aber nie ohne Aussicht. Es duftet nach Meer und Pinien, Zikaden begleiten jeden Schritt. Schon bald komme ich zur ersten Calanque – Port-Miou – mit ihren ruhig dümpelnden Segelbooten.

Etwa auf halber Strecke liegt die charmante Calanque de Port-Pin – eine der zugänglichsten und beliebtesten Buchten. Viele Wanderer machen hier eine erste Pause. Das Wasser ist glasklar. Ich nähere mich an und sehe große, violette Quallen an der Oberfläche, die manchmal an der französischen Mittelmeerküste auftauchen. Kein guter Tag zum Baden. Also weiter – die schönste Stelle liegt noch vor mir.

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Magisches Licht über der Calanque d’En Veau

Bis zur Calanque de Port-Pin ist die Wanderung entspannt, jetzt gibt es eine Abzweigung zum Panoramaweg, der links steil in den Pinienwald hinaufführt. Der Blick auf die schroffe Küste ist atemberaubend. Ich bleibe alle zwanzig Meter stehen und mache Fotos. Der beste Spot kommt aber noch – nach dem verlassenen Haus „Refuge du Piolet“: Von einem Felsvorsprung aus sieht man wie von einem natürlichen Balkon hinab in die Calanque d’En-Vau. Der Kontrast könnte dramatischer kaum sein – schroffe, fast senkrechte Felsen rahmen das schimmernde Wasser ein, das von Türkis bis Tiefblau reicht. Besonders mittags und am frühen Nachmittag leuchtet das Wasser intensiv.

Ich mache mein Foto schnell und mit gebührendem Abstand zur Felskante – hier geht es ganz schön hinunter. Menschen mit Höhenangst bekommen ein bisschen später noch einen zweiten Spot serviert: Auf dem Plateau de Cadeiron hat man genug Platz fürs zweite Picknick, für Selfies oder Gruppenfotos. Anschließend kann man entweder auf direkter Strecke wieder zur Calanque de Port-Pin wandern, denselben Weg zurücklaufen oder noch zur Bucht hinabsteigen.

Glasklares Wasser, meterhohe Felsen

Ich entscheide mich für Letzteres. Der Abstieg ist technisch etwas fordernd – rutschige Passagen, loses Gestein, enge Kurven – aber es lohnt sich. Unten angekommen, empfängt mich ein gut besuchter Kiesstrand, eingefasst von meterhohen Felswänden. Das Wasser ist glasklar. Wieder sichte ich eine Qualle, trotzdem baden einige Leute im eiskalten Wasser.

Andere kommen zum Klettern hierher – hier gibt es nämlich einige Routen. Ich mache es mir mit einer Decke bequem und genieße eine Weile die Aussicht. Zurück geht es auf direktem Weg nach Cassis. Dort freue ich mich auf die lebendige Hafenpromenade und einen gemütlichen Kaffee.

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Fazit

Die Wanderung von Cassis zur Calanque d’En-Vau vereint alles, was das Herz von Natur- und Küstenliebhabern höherschlagen lässt: eindrucksvolle Landschaften, türkisfarbenes Wasser, stille Buchten und spektakuläre Aussichten. Der Weg ist stellenweise fordernd, aber mit guten Schuhen und etwas Ausdauer problemlos machbar. Besonders lohnenswert ist ein früher Start, um den Massen zuvorzukommen und die Morgenstimmung zu genießen. Nehmt unbedingt genug Wasser und ein leckeres Picknick mit, denn unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeit.

Und plant genug Zeit ein, um nach der Tour noch etwas durch Cassis zu bummeln – der Ort bietet bestes südfranzösisches Flair und viele kleine Cafés und Restaurants.

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