Taucherbrille auf, Schutzanzug an, Board steht bereit. Wenige Sekunden später rase ich einen der jüngsten Vulkane Nicaraguas, den Cerro Negro, hinunter. Adrenalin breitet sich in meinem Körper aus. Vulkanboarding auf dem Cerro Negro ist eine beliebte und mit die bekannteste Outdooraktivität im Land der tausend Vulkane. Hierbei können Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h erreicht werden. Daher stellt sich die berechtigte Frage: Ist das Abenteuer in der Vulkanlandschaft sicher?
Lohnt sich Vulkanboarding am Cerro Negro in Nicaragua?





Vulkanboarding in Nicaragua erfreut sich zunehmender Beliebtheit unter Reisenden. Der Abenteuersport entstand in den 2000er-Jahren und zieht jährlich tausende Adrenalinsuchende an. Sitzend auf einem Board, ähnlich zu einem Snowboard, rast man den Hang des Vulkans Cerro Negro in der Nähe von León hinunter.
Der Cerro Negro entstand erst 1850 und gilt damit als der jüngste Vulkan Zentralamerikas. Es handelt sich zwar um den aktivsten Vulkan Nicaraguas, der letzte Ausbruch war jedoch 1999. Je nach Technik kann man Geschwindigkeiten im Bereich von 20 km/h bis über 100 km/h erreichen. Die Abfahrt dauert je nach Tempo in der Regel ein bis zwei Minuten, kann aber beliebig verlangsamt werden. Die Aktivität startet meist mittags und endet am frühen Abend gegen 19 Uhr. Die Kosten variieren je nach Anbieter, starten jedoch bei 35 USD.
Fototipp: Bei Sonnenuntergang fällt das warme Licht auf die schwarze Vulkanlandschaft besonders dramatisch. Unten an der Piste oder oben am Kraterrand kann man sowohl die Landschaft als auch die verschiedenen Farben sehr gut einfangen.
Anreise zum Cerro Negro
| Lage: | In der Nähe v. León, Nicaragua |
| Anreise: | Touranbieter |
| Reisezeit: | November bis April |
| Empfehlung: | Mundschutz, lange Socken |
| Fitnesslevel: | Normale Grundkondition |
Der Cerro Negro liegt etwa 25 km östlich von León, einer bunten Kolonialstadt im Nordwesten Nicaraguas. Von hier gibt es tägliche Touren zum Cerro Negro. Ohne Touranbieter ist Vulkanboarding übrigens garnicht möglich. Wir haben uns für eine Tour über das BigFoot Hostel entschieden, den ältesten Anbieter für den Abenteuersport. Für eine Buchung muss man kein Gast des Hostels sein. Mit einem typisch US-amerikanischen Schulbus fahren wir von León etwa eine Stunde zum Vulkan.
Bei der Buchung gilt es zu beachten: Die Busfahrt ist besonders unter Backpackern sehr bekannt. Nicht nur aufgrund der beeindruckenden Vulkanlandschaft, die am Fenster vorbeizieht, sondern vor allem aufgrund der Partystimmung im Bus. Hin- und Rückfahrt werden als Party verstanden: Partyspiele, laute Musik und inkludierte alkoholische Getränke. Wer darauf verzichten möchte, sollte sich vorab über die verschiedenen Anbieter ausreichend informieren.
Bevor der Adrenalinkick beginnt
Die Ausrüstung wird vorab von den Touranbietern bereitgestellt. Zu dieser gehört ein kleiner Rucksack mit einem Ganzkörperanzug, einer Taucherbrille und natürlich das Wichtigste: das Board. Darüber hinaus sind Abendessen, Snacks sowie ein T-Shirt als Souvenir inbegriffen. Um einen passenden Mundschutz muss sich selbst gekümmert werden. Eine Skimaske ist besonders empfehlenswert, um sowohl Mund als auch Nase und Ohren ausreichend vor dem Vulkanstaub zu schützen. Darüber hinaus sind lange Socken sinnvoll. Helme oder Handschuhe gibt es nicht. Umgezogen wird sich erst auf dem Gipfel.
Bevor das Vulkanboarding tatsächlich losgehen kann, wandert man den Cerro Negro etwa 45 Minuten bis zu einer Stunde hoch. Die Wanderung hat einen einfachen Schwierigkeitsgrad. Das eigentlich Anstrengende am Aufstieg ist die Hitze sowie starker Wind, insbesondere in Kraternähe. Darüber hinaus trägt man das Board selbst, kann jedoch auch einen Porter bezahlen, der es dann für einen auf den Gipfel trägt. Während der Wanderung werden einige Stopps eingelegt und unser Guide versorgt uns mit Informationen zum Cerro Negro sowie der umliegenden Vulkanlandschaft.
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Ist Vulkanboarding in Nicaragua sicher?
Oben angekommen, ziehen wir uns zunächst um und erhalten anschließend Einweisungen von Guides für die Abfahrt. Der Hang ist recht steil und wirkt etwas einschüchternd. Je nach Sitzposition und Technik kann man jedoch die Geschwindigkeit selbst beeinflussen. Jeder rast aus Sicherheitsgründen die Piste einzeln hinunter. Wer sich an die Sicherheitsanweisungen hält, hat in der Regel nichts zu befürchten.
Bei der Abfahrt werden für unsere 30-köpfige Gruppe drei Startbereiche durch die Guides festgelegt. Außerhalb dieser vorgegebenen Pistenabschnitte ist kein Vulkanboarding möglich. Selbstverständlich ist die Adrenalinaktivität im Körper nicht für jeden geeignet. Schwangere, Personen mit Rücken- oder Knieproblemen, Reisende mit frischen Verletzungen oder Gleichgewichtsproblemen sollten von der Abenteuersportart absehen.
Purer Adrenalinrausch in schwarzer Vulkanlandschaft
Während der Abfahrt ist es empfehlenswert, sich langsam an eine Geschwindigkeit hochzuarbeiten, mit der man sich wohlfühlt, so die Guides. Also los. Ich setze mich auf das Brett und beginne mit der Abfahrt. Hat man einmal ein gewisses Tempo erreicht, gibt es kein Zurück mehr: Wer bremst, wird sich überschlagen. Diese Worte habe ich die ganze Zeit im Kopf und taste mich deshalb wirklich langsam heran, um ein Gefühl für Board und Bedingungen zu bekommen.
Irgendwann verfliegt die Angst und ich genieße den Geschwindigkeitsrausch! Die Kulisse ist wirklich einmalig: Schwarze Vulkanlandschaft, so weit das Auge reicht, während wir Adrenalinjunkies in bunten Anzügen die Piste hinabrasen. Ein richtiger Once-in-a-lifetime-Moment. Anschließend genießen wir ein paar Snacks auf dem Dach des Schulbusses und sehen der Sonne beim Untergehen zu. Auf der Rückfahrt ist außerdem das Abendessen in einem kleinen lokalen Restaurant inkludiert.
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Fazit
Das Vulkanboarding am Cerro Negro lohnt sich meiner Meinung nach zu 100 % und ist eines meiner Highlights im Land der tausend Vulkane. Ich habe mich sicher gefühlt und den Adrenalinrausch definitiv genießen können. Wichtig ist jedoch die Wahl eines passenden Touranbieters, um Partytourismus gegebenenfalls zu vermeiden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch in Ordnung, da neben der Aktivität auch Snacks, Getränke, Abendessen und ein T-Shirt inkludiert sind. Vulkanboarding am Cerro Negro ist also durchaus empfehlenswert und sollte bei einem Besuch in Nicaragua nicht verpasst werden.
Wer noch etwas Zeit in León hat, dem würde ich eine Free Walking Tour mit Besuch auf dem Dach der Kathedrale empfehlen. Man lernt viel über die Kolonialgeschichte und Politik der Stadt und des Landes und kann im Anschluss den Sonnenuntergang über den Dächern des kleinen Städtchens genießen. Wer mehr Lust auf Vulkane hat, sollte den aktiven Telica erwandern. Auch dabei ist Leon ein guter Ausgangspunkt.
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