Krämerbrücke: Eine Zeitreise über der Gera in Erfurt

Die Krämerbrücke in Erfurt ist ein Ort wie aus dem Märchen. Fachwerkhäuser schmiegen sich dicht aneinander, kleine Läden laden zum Stöbern ein, und unter den Bögen fließt leise die Gera. Bei meinem Städtetrip nach Erfurt fühle ich mich ein bisschen wie eine Disneyprinzessin – vor allem, als mir doch tatsächlich genau hier Schneewittchens böse Königin mit ihrem magischen Spiegel begegnet.

Lohnt sich ein Besuch der Krämerbrücke in Erfurt?

Die Krämerbrücke über der Gera ist das Herzstück der Erfurter Altstadt – und zugleich ein architektonisches Juwel. 32 Wohnhäuser aus Fachwerk reihen sich hier aneinander – damit ist sie die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas. Ihren Ursprung hat die Krämerbrücke im Jahr 1117, als Händler – die „Krämer“ – auf der damaligen Holzbrücke ihre Waren anboten. An beiden Brückenköpfen errichtete man steinerne Kirchen mit Tordurchfahrten: am westlichen Ende die Benediktikirche und am östlichen die Ägidienkirche.

Nach zahlreichen Bränden wurde aus der Holzbrücke im Jahr 1325 schließlich ein steinerner Neubau mit zunächst unbewohnten Fachwerkbuden auf beiden Seiten. Ein weiterer Brand folgte, und seit 1472 stehen hier die hübschen Wohnhäuser aus Fachwerk. Natürlich gab es seitdem noch einige Änderungen, etwa Gebäudevereinigungen und Neubauten. Auch die Benediktikirche wurde inzwischen abgerissen. Trotzdem: Wer hier unterwegs ist, fühlt sich direkt ins Mittelalter zurückversetzt.

Fototipp: Besonders schön ist eine Aufnahme von der kleinen Uferpromenade südlich der Gera. Wer ein Weitwinkelobjektiv nutzt, bekommt das gesamte Brückenensemble samt Spiegelung ins Bild.

Anreise zur Krämerbrücke in Erfurt

Lage:Altstadt, Erfurt
Ursprünge:bis ins Jahr 1117
Must-Do:Shopping-Tour durch kleine Lädchen
Einkehrtipp:Wirtshaus Christoffel
Besonderheit:Ein- oder Zwei-Euro-Münze bereithalten

Die Anreise zur Krämerbrücke ist unkompliziert – besonders für Zugreisende. Vom Hauptbahnhof Erfurt aus erreicht man sie zu Fuß in etwa 10 bis 15 Minuten. Der schönste Weg führt durch die Fußgängerzone über die Bahnhofstraße und den Anger. Wer es gemütlicher mag, kann auch die Straßenbahn nehmen: Die Linien 1, 2, 3, 5 und 6 bringen dich zur Haltestelle „Fischmarkt“ oder „Stadtmuseum“ – beide liegen nur wenige Schritte entfernt.

Wer mit dem Auto nach Erfurt kommt, parkt am besten in den nahegelegenen Parkhäusern „Domplatz“ oder „Anger 1“. Die Innenstadt ist autofrei. Noch bequemer: Übernachte direkt in der Altstadt – viele Hotels und Ferienwohnungen liegen nur einen Steinwurf von der Brücke entfernt.

Shopping in kleinen Manufakturen auf der Krämerbrücke

Schon beim ersten Schritt auf die Krämerbrücke zeigt sich: Hier geht es entspannt zu. Statt Straßenlärm hört man das leise Plätschern der Gera und das Stimmengewirr aus den vielen Geschäften. In den Fenstern spiegeln sich Fachwerkfassaden, handgemachte Produkte füllen die Schaufenster.

Ob Porzellanwerkstatt, Glasbläser oder Töpferei – noch heute sind viele Läden echte Familienbetriebe oder Ateliers, in denen man den Künstlern beim Arbeiten zuschauen kann. Vieles wirkt traditionell, persönlich, fast wie aus einer anderen Zeit. Spätestens wenn man über die Mitte der Brücke hinweg auf das alte Gemäuer der Ägidienkirche blickt, weiß man: Das ist kein Ort für schnellen Tourismus – sondern ein Stück gelebte Geschichte.

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Meine Highlights: Schneewittchen in Bewegung & Bohlenstube von 1578

Besonders faszinierend ist das „Theatrum Mundi“ im Schaufenster von Haus Nummer 2: Wer näher tritt, sieht zunächst nur die lebensechte Holzskulptur der bösen Königin aus dem Märchen Schneewittchen. Unter ihrem langen Mantel verbirgt sie ihren magischen Spiegel – und darunter ein mechanisches Theater mit 20 handgeschnitzten, beweglichen Figuren. Nach einem Münzeinwurf tanzt Schneewittchens Geschichte für ein oder zwei Minuten vor den Augen der Zuschauer. Der Erfurter Holzbildhauer Martin Gobsch hat diese zauberhafte Attraktion erschaffen – inspiriert von den tragbaren Schaustücken der Jahrmärkte vergangener Jahrhunderte.

Was man leicht übersieht: In Haus Nr. 31 zeigt eine kleine, sehenswerte und vor allem kostenlose Dauerausstellung die Geschichte der Krämerbrücke – vom mittelalterlichen Handelsplatz bis zur heutigen Kulturlandschaft. Drinnen seht ihr außerdem den Brückenkeller mit Blick auf das fließende Wasser der Gera und die originale Bohlenstube von 1578.

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Fazit

Die Krämerbrücke ist ein lebendiger Ort mit Geschichte, Kunst und Charakter. Wer durch Erfurt reist, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Zwischen Kopfsteinpflaster und Fachwerk spürt man noch heute den Geist der alten Händler – und entdeckt gleichzeitig kreative Menschen, die diesen besonderen Ort mit neuem Leben füllen. Am östlichen Ende der Brücke erhebt sich die Ägidienkirche aus dem Jahr 1324. Wer die schmale Wendeltreppe hinaufsteigt, wird mit einer tollen Aussicht über die Dächer der Altstadt belohnt. Kulinarischer Tipp: die Goldhelm Schokoladenmanufaktur. Hier duftet es nach Kakao und Vanille, und es gibt eine große Auswahl an Pralinen, Schokoladentafeln und Eis.

Kulturelle Höhepunkte gibt’s auch drumherum: Gleich neben der Brücke findet man das Haus zum Roten Ochsen – eine Kunstgalerie mit wechselnden Ausstellungen. Und jedes Jahr im Juni feiert Erfurt das Krämerbrückenfest – mit Musik, Straßenkunst und einem fröhlichen Mix aus Mittelalter und Moderne.

Lage

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