Jenner-Klettersteige: Luftige Kletterei über dem Königssee

Ich werfe einen kurzen Blick hinunter zum Königssee, hänge die Karabiner meines Klettersteigsets ins nächste Sicherungsseil und mache einen breiten Spreizschritt zur gegenüberliegenden Felswand. Die Jenner-Klettersteige sind nicht lang, aber unglaublich abwechslungsreich, direkt gegenüber dem mächtigen Watzmann. Zuerst klettert man den knackigen Laxersteig hinauf, danach folgt der verspielte Schützensteig mit Flying Fox und einer Hängebrücke. Mit jedem Griff und Tritt eröffnet sich ein bisschen mehr Aussicht, ein bisschen mehr Adrenalin, und ich genieße das Gefühl, mitten in den Berchtesgadener Alpen unterwegs zu sein.

Lohnen sich die Klettersteige am Jenner?

Die Jenner-Klettersteige bieten eine abwechslungsreiche und aussichtsreiche Klettersteigtour oberhalb des Königssees in den Berchtesgadener Alpen. Die Kombination aus dem anspruchsvolleren Laxersteig (Schwierigkeitsgrad C/D) und dem leichteren Schützensteig (Schwierigkeitsgrad B) ergibt eine Runde, die sowohl klettertechnisch als auch landschaftlich überzeugt.

Besonders beeindruckend sind die durchgehenden Ausblicke auf den Watzmann, während man am Felsen entlangklettert oder über die Hängebrücke balanciert. Auch wenn die beiden Klettersteige insgesamt nur 110 Höhenmeter überwinden, sind für den Laxersteig fortgeschrittene alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Wer möchte, kann den Zustieg mit der Jennerbahn verkürzen.

Fototipp: Im Klettersteig gut gesichert zu sein und gleichzeitig tolle Bilder zu machen, ist gar nicht so einfach. Achtet immer auf einen sicheren Stand und befestigt auch eure Kamera oder euer Handy. Die besten Spots gibt es im Schützensteig beim Flying Fox oder an der Hängebrücke. Durch die ausgesetzte Passage und den freien Blick Richtung Königssee und Watzmann entsteht hier eine richtig alpine Stimmung.

Anreise nach Schönau am Königssee

Start:Parkplatz Hinterbrand
Schwierigkeit:Schützensteig B
Laxersteig C/D
Höhenmeter:600 hm gesamt
Dauer:3,5 Stunden
Beste Zeit:Mai – Oktober

Der Zustieg zu den Jenner-Klettersteigen startet am Parkplatz Hinterbrand in Schönau am Königssee. Von München aus erreicht man den Tourismusort im Berchtesgadener Land in etwa zwei Stunden Fahrzeit. Auf der A8 fährt man Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Bad Reichenhall, anschließend weiter über Berchtesgaden nach Schönau am Königssee.

Eine österreichische Autobahnvignette wird auf dieser Strecke nicht benötigt, sofern man die Autobahn über die deutsche Seite nutzt. In Schönau folgt man der Beschilderung Richtung Jennerbahn. Die Straße führt in mehreren Kehren hinauf zum kostenpflichtigen Parkplatz Hinterbrand, der als idealer Ausgangspunkt für die Jenner-Klettersteige dient.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln könnt ihr von München mit Umstieg in Freilassing oder Salzburg bis zum Bahnhof in Berchtesgaden fahren. Dann empfehle ich euch den Bus zur Jennerbahn-Talstation und die Weiterfahrt mit der Bahn auf den Jenner, da es zum Parkplatz Hinterbrand keine direkte Busverbindung gibt.

Aufstieg auf den kleinen Jenner

Vom Parkplatz Hinterbrand aus wandern wir zunächst in Richtung Mittelstation der Jennerbahn. Kurz davor folgen wir links den Wegweisern zum Jenner-Gipfel. Der Aufstieg ist hier gleich ziemlich steil, und wir gelangen in vielen kleinen Serpentinen zum Forstweg hinauf, der uns weiter zur Mitterkaseralm bringt. Die ersten 400 Höhenmeter sind geschafft, es sind nur noch 150 bis zum Gipfel des Kleinen Jenners, wo die Klettersteige starten.

Es ist ungewöhnlich, dass man zuerst auf den Gipfel steigt und dann noch einmal absteigt, um zum Einstieg zu gelangen. Hier am Kleinen Jenner ist jedoch ein guter und sicherer Platz, um unsere Ausrüstung anzulegen. Klettergurt, Klettersteigset mit Selbstsicherung, Helm und Handschuhe sowie festes Schuhwerk sind Pflicht. An einer großen Infotafel sehen wir bereits die Topos des Laxer- und Schützensteigs. Wir beschließen, tatsächlich beide zu klettern, und beginnen, bis zum Einstieg des Laxersteigs durch den Wald abzusteigen.

Auch interessant: Klettersteig am Grünstein mit Watzmann-Blick

Knackiger Einstieg im Laxersteig

Als wir durch den Wald zu den Klettersteigen absteigen, bin ich froh, meine Klettersteigausrüstung bereits angelegt zu haben. Hier ist es steil und rutschig, weshalb ich mich gerne in das teilweise vorhandene Sicherungsseil einhänge. Nach etwa 100 Höhenmetern erreichen wir den Einstieg und blicken die steile Einstiegswand des Laxersteigs hinauf. Los geht’s! Die ersten Meter führen steil nach oben, und das Stahlseil zieht direkt in eine luftige Querung hinein.

Die Griffe sind gut gesetzt, aber vor allem in den C/D-Stellen sehr kräftig und fordern volle Konzentration. Bei einer Traverse muss ich einen großen Spreizschritt auf die gegenüberliegende Felsplatte machen. Hui, im Laxersteig geht es ganz schön zur Sache – für Anfänger ist das definitiv nichts! Die 70 Höhenmeter sind in einer knappen halben Stunde geschafft. Die Arme spüre ich schon – gut, dass der nächste Klettersteig einfacher ist.

Flying Fox und Hängebrücke im Schützensteig

Nach dem anspruchsvollen Laxersteig erscheint der Übergang in den Schützensteig mit den Schwierigkeitsgraden A und B fast spielerisch. Hier rückt der Genuss in den Vordergrund, und ich kann das Panorama hinunter zum Königssee und hinüber zum Watzmann richtig genießen. Ein echtes Highlight im Schützensteig ist der kleine Flying Fox. Wir hängen uns mit der fix installierten Seilrolle zusätzlich ein und schweben über die kurze Schlucht. Am liebsten würde ich das gleich noch einmal machen! Doch die Hängebrücke wartet schon auf uns und sorgt noch einmal für ein besonderes Klettersteig-Gefühl.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den Gipfelgrat des Schützensteigs und sehen das Gipfelkreuz des Kleinen Jenner wieder vor uns. Am Gipfel ist Platz für eine wohlverdiente Pause. Mit Blick auf den Watzmann genießen wir unsere Gipfeljause und haben damit einen perfekten Abschluss der Jenner-Klettersteige.

Auch interessant: Traum-Wanderung über Seeleinsee

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Bettina Brunauer (@bouncing_betti)

Fazit

Nach den Jenner-Klettersteigen wandern wir noch auf den 200 Meter höher gelegenen Hauptgipfel des Jenners, wo sich auch die Bergstation der Bahn befindet. Wer möchte, kann mit dieser den Auf- oder Abstieg bequem abkürzen. Dadurch ist auf dem Jenner-Gipfel aber natürlich auch viel mehr los. Umso stolzer bin ich, dass wir das Panorama vom Klettersteig aus eher für uns allein genießen durften.

Wenn ihr noch mehr Lust auf Klettersteige habt, könnt ihr vom Königssee aus verschiedene Routen auf den Grünstein machen. Wer eher Lust auf anspruchsvolle Bergtouren hat, findet in den Berchtesgadener Alpen mit Watzmann, Hohem Göll und Hochkalter ein wahres Bergparadies.

Lage

Praktische Links

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auch interessant

Wir benachrichtigen dich, sobald neue Beiträge erscheinen!

Entdecke mehr von HOME of TRAVEL

Wir benachrichtigen dich, sobald neue Beiträge erscheinen!

Weiterlesen