Stell dir vor, du stehst auf einer grasbewachsenen Klippe auf den Färöerinseln. Du kannst dich nicht entscheiden, wohin du zuerst schaust: zu den Papageitauchern, die schnell übers Meer fliegen, oder zum über 30 Meter hohen Múlafossur, der sich direkt neben dir in den Nordatlantik stürzt. Im Hintergrund verliert sich der Berg Árnafjall in den Wolken, während unten in Gásadalur kaum ein Dutzend Häuser an den Hang geschmiegt liegen. Doch wie erreichst du diesen abgelegenen Ort auf der Insel Vágar am besten?
Lohnt sich der Besuch am Múlafossur auf der Insel Vágar?





Gásadalur liegt im Westen der Insel Vágar auf den Färöerinseln und gehört mit rund 15 Einwohnern zu den kleinsten bewohnten Orten des Landes. Bis zur Eröffnung eines Straßentunnels im Jahr 2004 war das Dorf ausschließlich über einen steilen Bergpfad oder per Boot erreichbar.
Der Múlafossur stürzt direkt neben der Siedlung über eine mehr als 30 Meter hohe Klippe in den Atlantik. Im Hintergrund erheben sich die Berge Árnafjall und Eysturtindur, beide über 700 Meter hoch. Diese Kombination aus Wasserfall, Dorf und Bergkulisse macht den Ort zu einem der bekanntesten Fotomotive der Färöer.
Fototipp: Ich empfehle dir, den Aussichtspunkt am späten Nachmittag zu besuchen, wenn das Licht seitlich auf die Klippen fällt und den Wasserfall perfekt in Szene setzt. Geh den Hang neben dem Wasserfall entlang, bis du die Dächer von Gásadalur und den Berg Árnafjall im Hintergrund einfangen kannst. Starker Wind kann dein Foto auch begünstigen, da dann die Gischt seitlich verweht und der Wasserfall besonders dynamisch wirkt.
Anreise zum Múlafossur
| Lage: | Gásadalur, Vágar, Färöer Inseln |
| Einwohner: | knapp 15 |
| Beste Reisezeit: | Sommer (Juni bis August) |
| Fallhöhe Wasserfall: | 30 m |
| Besonderheit: | Wasserfall stürzt ins Meer |
Der nächste Flughafen ist Vágar (FAE), welcher der einzige internationale Flughafen der Färöer ist. Er liegt nur rund 11 Kilometer von Gásadalur entfernt. Mit dem Mietwagen erreichst du das Dorf über die gut ausgebaute Straße durch den Gásadalstunnilin in etwa 20 Minuten.
Alternativ verkehrt die Buslinie 300 zwischen Tórshavn, dem Flughafen und Sørvágur bis nach Gásadalur, allerdings nur mit wenigen Abfahrten pro Tag. Es lohnt sich ein Blick in den aktuellen Fahrplan, da saisonal auch die Buslinie 350 zum Dorf verkehrt. Der Tunnel ist mautfrei und ein kleiner kostenloser Parkplatz befindet sich vor dem Dorf. Von dort führt eine knapp 300 Meter lange Schotterstraße hinunter zum Aussichtspunkt über dem Wasserfall, den du zu Fuß in wenigen Minuten erreichst.
Unbedingt Wetter im Blick haben
Plane deinen Besuch am Aussichtspunkt am besten für die Sommermonate zwischen Juni und August, wenn das Wetter auf den Färöern am stabilsten ist und Nebel seltener die Sicht auf die Berge verdeckt. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Gras im Sommer saftiger grün ist als bei meinem Besuch Ende April. Der Wind an der Klippe kann selbst im Sommer kräftig sein, weshalb sich eine winddichte Jacke empfiehlt.
Sinnvoll sind außerdem festes Schuhwerk für die Schotterstraße oder weiterführende Wanderungen an den Klippen. Ein Stativ lohnt sich, falls du den Wasserfall mit längerer Belichtungszeit fotografieren möchtest. Das Wasser wirkt auf dem Foto dann wie feine, weiße Fäden, die sanft über die Klippe gleiten.
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Ankunft in Gásadalur
Vom Parkplatz in Gásadalur laufe ich die 300 Meter lange Schotterstraße in Richtung der Klippen. Das Gras ist noch braun vom Winter bei meinem Besuch Ende April. Rechts von mir ragt der Árnafjall steil in den Himmel, und links öffnet sich der Blick auf den Atlantik. Der Weg ist leicht abschüssig und stellenweise uneben, weshalb sich mein festes Schuhwerk hier auszahlt.
Schon von weitem höre ich das Rauschen des Wasserfalls, und in der Ferne fliegen die ersten Papageitaucher über die Wellen. Wind zieht mir entgegen, während ich den letzten kurzen Abschnitt hinauf zu einer Anhöhe gehe. Dort drehe ich mich und mein Blick trifft auf den eindrucksvollen Múlafossur, das Dorf und die Berge dahinter.
Panorama: Múlafossur-Wasserfall, Dorf und Árnafjall
Oben auf der kleinen Anhöhe öffnet sich der Blick, der Múlafossur so berühmt macht. Das Wasser stürzt über die Klippe und wird vom Wind seitlich verweht, bevor es in den Atlantik trifft. Hinter dem Wasserfall liegen die wenigen Häuser von Gásadalur, dicht an den Hang geschmiegt, während sich der Árnafjall dahinter wie eine graue Wand in den Himmel erhebt.
Ich setze mich auf einen Stein am Rand des Pfades und beobachte, wie sich Wolkenfetzen über den Gipfel schieben und den Berg mal freigeben, mal wieder verschlucken. Der Wind ist konstant und kühl, während das Rauschen der Klippe fast alles andere übertönt. Ein paar Schafe grasen ruhig am Hang neben mir, und in den Felsen daneben nisten einige Seevögel, wie Papageientaucher und Küstenseeschwalben. Nach einer Weile mache ich mich auf, die Klippen nördlich davon entlangzulaufen, bevor ich meinen Spaziergang im Dorf Gásadalur beende.
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Fazit
Der Aussichtspunkt über den Múlafossur gehört zu den eindrucksvollsten kurzen Stopps auf den Färöern. Mit wenig Aufwand liefert er ein Bild aus Wasserfall, Dorf und Bergkulisse, das man sonst nirgendwo auf den Inseln findet. Der Sommer ist die beste Jahreszeit, wenn das Wetter am stabilsten und das Gras am saftigsten ist. Der Weg dauert nur wenige Minuten, weshalb sich der Ort gut in eine größere Rundfahrt über die Insel Vágar einbauen lässt.
Wer mehr Zeit mitbringt, sollte den historischen Postman’s Trail von Bøur nach Gásadalur in Erwägung ziehen. Die anspruchsvolle Tagestour führt über den Bergpass, auf dem früher der Postbote unterwegs war. In der Umgebung lohnt sich außerdem ein Abstecher zur Trælanípa-Klippe am Sørvágsvatn, dessen Wasseroberfläche durch eine optische Täuschung über dem Meer zu schweben scheint.
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