Zwischen dem Kopfsteinpflaster und den bunten Hausfassaden verbirgt sich in einer fast unscheinbaren Gasse in Malcesine ein schmaler Torbogen. Die massive Tür steht offen, und im Vorbeigehen werfe ich einen kurzen Blick hinein. Hinter einem großen Saal mit gewölbten Decken glitzert der Gardasee in der Sonne. Neugierig trete ich ein und finde mich plötzlich mitten in der Geschichte des Palazzo dei Capitani wieder. Tauch mit mir ein in eine versteckte Oase am Ufer von Malcesine.
Lohnt sich der Besuch des Palazzo dei Capitani in Malcesine?




Der Palazzo dei Capitani in Malcesine zählt zu den bedeutendsten historischen Gebäuden am Ufer des Gardasees und stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der Palast im venezianischen Stil umgestaltet, in dessen Form er bis heute erhalten ist. Das Monument galt einst als Amtssitz des Statthalters („Capitano del Lago“), der im Auftrag der Republik Venedig die Region überwachte.
Heute steht das Bauwerk unter Denkmalschutz; hinter der weißen Fassade befinden sich das Rathaus und die Bibliothek von Malcesine. Das Erdgeschoss und der idyllische Garten sind für Besucher öffentlich zugänglich und laden zu einer Mischung aus Geschichte, Architektur und mediterranem Flair ein.
Fototipp: Die schönste Perspektive bekommst du direkt am Eingang des Palazzo. Positioniere dich auf der steinernen Treppe hinter dem Eingangstor und richte den Fokus auf die Spitzbogenfenster – mit Blick durch den Torbogen in den Garten sowie auf den See mit den Bergen im Hintergrund. Die beste Zeit für das Foto ist im warmen Licht der Abendsonne.
Anreise zum Palazzo dei Capitani
| Lage: | Malcesine am Gardasee |
| Erbaut: | 13. Jahrhundert |
| Stil: | venezianisch-gotisch |
| Öffnungszeiten: | durchgängig |
| Eintritt: | kostenlos |
Wenn du bereits am Gardasee bist, erreichst du Malcesine bequem mit dem Auto, der Fähre oder dem Bus. Die Via Gardesana führt direkt durch den malerischen Ort, allerdings sind die Parkmöglichkeiten begrenzt.
Von Orten am Westufer wie Limone sul Garda oder Riva del Garda fahren stündlich Personenfähren nach Malcesine. Auch von Bardolino oder Garda gibt es Verbindungen – für mich die schönste und entspannteste Art der Anreise, mit herrlichem Blick auf den See.
Alternativ kannst du mit dem Bus der Linie 484 oder 483 entlang der Gardesana-Straße (SS249) fahren, die verschiedene Orte rund um den See miteinander verbindet. Sobald du in Malcesine angekommen bist, orientiere dich Richtung Altstadt am Seeufer. Der Palazzo dei Capitani liegt nur wenige Schritte vom kleinen Hafen entfernt, in der kleinen Seitengasse Via Capitanato.
Versteckt hinter einer schweren Holztür in der Altstadt
Die Gasse, in der sich der Palazzo dei Capitani befindet, ist von dem üblichen Kopfsteinpflaster gesäumt. Vorbei am kleinen Hafen von Malcesine und einigen Souvenirshops führt der Weg entlang der bunten Fassaden der alten Häuser. Nur ein schmaler steinerner Torbogen und ein unscheinbares Schild machen darauf aufmerksam, dass sich auf dieser Seite der Gasse etwas versteckt.
Von außen wirkt das gesamte Gebäude schlicht und unauffällig – fast wie ein vergessenes Stück Geschichte in der Altstadt von Malcesine. Doch sobald man durch die schwere Holztür tritt, verändert sich die Atmosphäre: Plötzlich ist es ruhig, fast geheimnisvoll, und der Trubel der kleinen Touristenstadt bleibt zurück. Mein erster Blick fällt auf die venezianischen Spitzbogenfenster am Ende des Raums, durch die der Gardasee in der Sonne malerisch glitzert und einen förmlich anzieht.
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Prunkvolle Freskenmalerei im Großen Saal
Direkt hinter der Eingangstür öffnet sich der sogenannte „Große Saal“. Die gewölbten Decken sind mit kunstvoller Freskenmalerei verziert. Im Inneren ist es kühl, und jeder Schritt hallt auf dem polierten Boden wider. Entlang der Wände sind Infoplakate einer Kunstausstellung aufgestellt, und vor dem Fenster steht eine Staffelei. Ich gehe durch die schmale Tür neben dem eisernen Fenster und gelange in einen kleinen Raum, in dem ein Künstler seine Werke ausstellt. Die wechselnde Ausstellung bietet Besuchern einen Einblick in lokale Kunst, die vor der geheimnisvollen Kulisse passend präsentiert wird.
Nur das Erdgeschoss ist durchgehend für Besucher geöffnet. Im ersten Stock befinden sich weitere prunkvolle Räume, die jedoch nur bei besonderen Veranstaltungen oder Hochzeiten der Öffentlichkeit zugänglich sind.
Garten als Ruheoase mit Gardasee-Blick
Ein großes, verziertes Eisentor bildet die Grenze zwischen Innen- und Außenbereich. Durch das Tor gelange ich in das Herzstück des Palazzo dei Capitani: den Garten. Früher befand sich hier die Anlegestelle für das Boot des Capitano. Heute breitet sich vor mir eine kleine Gartenanlage aus. Der von alten Mauern geschützte Innenhof ist mit Palmen, Oleander und bunten Blumenbeeten bepflanzt. Sie verleihen dem Ort mediterranes Flair, während sich hinter der niedrigen Steinmauer der Gardasee in seiner ganzen Pracht ausbreitet.
Ein Weg aus Kies führt die wenigen Schritte bis zum Seeufer. Hier lässt sich wunderbar eine kleine Pause einlegen. Die Bänke entlang der Hauswand und die Steinmauer am Ufer laden zum Verweilen ein. Mein Blick wandert über das Wasser bis hinüber zu den Bergen am Westufer. Links von mir kann ich die Boote im Hafen von Malcesine beobachten, und zu meiner Rechten befindet sich eine kleine Badestelle im seichten Wasser. Übrigens: Auf der kleinen Steinmauer hast du einen perfekten Platz für den Sonnenuntergang.
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Fazit
Auf den ersten Blick wirkt der Palazzo dei Capitani wie ein weiteres historisches Gebäude in dem Städtchen Malcesine. Doch dahinter steckt mehr: Der Ort ist ein stiller Zeuge vergangener Zeiten und zugleich eine kleine Oase mitten in der lebendigen Altstadt. Die Mischung aus venezianischer Architektur, historischem Flair und dem traumhaften Blick auf den Gardasee macht diesen Ort besonders.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Scaligerburg, das Wahrzeichen von Malcesine. Thronend auf einem Felsen über der Stadt, bietet sie einen grandiosen Rundumblick über den Gardasee, die Gassen von Malcesine und die umliegenden Berge. Anschließend laden die zahlreichen Cafés zu einem kühlen Aperitif oder einer Kugel Eis ein. Da ist es – das dolce vita!
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