Es ist laut und bunt und ich sehe ein Meer von roten Gewändern vor meinen Augen. Der typische Geruch der Butterlampen zieht durch den gesamten Raum und Glocken der Mönche lassen mich fast in Trance verfallen. Mir ist ein wenig schwindlig, was bei einer Höhenlage von über 3.800 m vorkommen kann. Eine Rundreise durch Tibet, dem Dach der Welt, war kulturell und körperlich eine der interessantesten aber auch anstrengendsten meiner Reise.

Lohnt sich eine Rundreise durch Tibet?

Abgeschieden durch das Himalaya-Gebirge bezaubert Tibet durch freundliche Menschen und eine fremde aber faszinierende Kultur. Das Land erstreckt sich durchschnittlich auf einer Höhe von 4.500 m und gilt deswegen als höchstgelegene Region der Welt. Ich habe eine 10-tägige Reise durch Tibet unternommen und dabei die Städte Lhasa, Gyantse, Shigatse, Lhatse und Tingri besucht. In einem Minivan erkundet man zudem das tibetische Hochland, Siedlungsgebiete und Klöster.

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Instatipp: Der Yamdrok-Tso-See mit seinem magischen Türkisblau umringt vom 7.206 m hohen Noijinkangsang-Massiv gibt ein Fotomotiv ab, als wäre dies aus einer anderen Welt.

Anreise nach Lhasa

Ich bin während einer China-Rundreise mit der Qinghai-Tibet-Bahn von Peking nach Lhasa gefahren. In der 3-tägigen doch sehr angenehmen Zugfahrt, im 1. Klasse-Waggon mit geteilter Schlafkabine und Sauerstoff-Unterstützung, lässt es sich gut reisen. Bereits hier meistert die Bahn eine Höhenlage bis 5.072 m am Tango-la-Pass, dem höchsten Punkt der Strecke. Das Gute ist, dass man durch die Bahnfahrt langsam an die Höhe angepasst wird und die Anreise nach Tibet so erleichtert wird. Ab und zu kann man aussteigen und die frische Luft geniessen, trotzdem bin ich irgendwann froh, endlich meine Endstation zu erreichen.

Der Geruch von Butter

Geblendet von der Sonne versuche ich mir meinen Weg durch das Gedränge zu bahnen. Lhasa ist eine unwirkliche, lebendige und farbenfrohe Stadt. Die fremde Gerüche und die Menge der Einheimischen auf dem Markt lassen mich ins Trudeln geraten. Überall herrscht der Geruch von Butter, denn Butter wird hier als Tee getrunken oder als Opfergabe gespendet. Eine Einheimische dreht mich sanft um und drückt mich in die richtige Bahn. Ich bin in der Barkhorstraße, einem tibetischen Pilgerweg, den man nur im Uhrzeigersinn gehen darf. Ich fühle mich fremd, aber wie elektrisiert von diesen neuen Eindrücken. Ich bereue es nicht, die umfangreichen Vorbereitungen auf mich genommen zu haben.

Einreisegenehmigung beantragen

In China darf man nur mit einem gültigen Visum einreisen, welches man vorher bei der chinesischen Botschaft beantragen muss. Für Tibet als autonome Region braucht man ebenfalls eine spezielle Einreisegenehmigung. Je nachdem bei welchem Reiseveranstalter ihr diese Reise bucht, kann der euch mit der Einreisegenehmigung behilflich sein. Zusätzlich benötigt man vom Hausarzt eine Bestätigung über die körperliche Belastbarkeit. Warme Kleidung ist wichtig, da es in den höheren Regionen auch am Tage recht kalt ist. Magentabletten sind ebenso unabdingbar, da die tibetische Hygiene nicht der deutschen entspricht. Und schon ist man bereit, um ins Abenteuer Tibet hinabzutauchen.

Weiße Schönheit mit 1.000 Stufen

Vor allem der Potala-Palast, einst Sitz des Dalai Lamas, mit eigenen Augen zu sehen, war ein Kindheitstraum, seit ich das erste mal „7 Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt gesehen habe. 1.000 Stufen in der Höhenlage von 3.800 m lassen mich körperlich an meine Grenzen stoßen, aber dies ist es wert. Ich muss die Wand anfassen, um es selber zu glauben. Sie ist weiß und warm und ich schaue der Wand entlang gen Himmel. Für die Tibeter ist der Palast, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, ein heiliger und hoffnungsvoller Platz und wenn ich mir die bescheidend lächelnden Mönche in ihren roten Roben anschaue, begreife ich auch warum.

Fazit

Tibet war für mich eine der interessantesten Reisen überhaupt. Man muss Respekt und Ausdauer mitbringen, weil auf dem Programm des Reiseveranstalters (welches vom Staat China vorgeschrieben wird) viele Klöster besucht werden. Trotzdem ist die Landschaft unwirklich und zugleich magisch. Riesige Bergketten vor glasblauen Seen, gepaart mit einer zu Herzen gehenden Freundlichkeit der Tibeter, machen diese Rundreise unvergesslich. Man muss sich nur bewusst sein, dass dies kein Luxus- oder Erholungsurlaub ist, sondern Entbehrungen und körperliche Ertüchtigung voraussetzt.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Tibet war bis ins 20. Jahrhundert ein eigenes Land mit Regierung. Seit Tibet zu China gehört, welches völkerrechtlich umstritten ist, sind die Auswirkungen der tibetischen Exilregierung spürbar. Während der gesamten Reise und Aufenthalt in Tibet, ist es strengstens untersagt (auch Ausländern) über Politik zu reden. Wer dies doch tut, wird gemeldet und des Landes verwiesen. Das chinesische Militär ist allgegenwärtig und sorgt unter den friedlichen Tibetern für einen krassen Gegensatz. Wer sich dies auf seiner Reise durch Tibet bewusst ist, wird die Reise in eine andere Welt genießen können.

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