Der Rosengarten wirkt von unten schroff und unbezwingbar. So, als müsste man zwangsläufig Klettern können, um das Bergmassiv zu erklimmen. Aus der Nähe ist er immer noch wild und abenteuerlich, aber es gibt Wanderwege mitten hindurch. So haben wir eine Tour unternommen, die einmal mitten hindurch führt. Diese Wanderung im Rosengarten ist ein Must-Do in Südtirol.
Lohnt sich die Rosengarten-Durchquerung von St. Zyprian?
Auf dieser Wanderung durch den Rosengarten warten rund 17 km Strecke und 840 Höhenmeter auf uns. Das ist keine kurze Tour, aber mit einem frühen Start durchaus gut zu bewältigen. Trittsicherheit ist unerlässlich. Denn es geht immer wieder durch loses Geröll hindurch und es gilt auch die eine oder andere Passage zu meistern, wo wir mal kurz mit den Händen beipacken müssen.
Dafür sind wir wirklich mittendrin in der imposanten Felsenwelt unterwegs. Es geht über das steile Tschager Joch hinauf, vorbei an den Vajolettürmen und der Rosengartenspitze und hinauf zum Grasleitenpass am Fuße des Kesselkogels. Anschließend führt die Tour durch eines der schönsten Täler Südtirols, durch das Tschamintal, zurück zum Ausgangspunkt.
Fototipp: Ich liebe den Ausblick am Tschager Joch. Dieses Fotomotiv ist mein liebstes auf der gesamten Tour. Mit dem Kesselkogel und der schneebedeckten Marmolada im Hintergrund hat man hier einen tollen bildlichen Kontrast.
Anreise nach St. Zyprian am Rosengarten
| Strecke: | 16,7 km |
| Höhenmeter: | 842 m |
| Tiefenmeter: | 2.034 m |
| Gehzeit: | 6:45 Stunden |
| Einkehrtipp: | Grasleitenhütte |
Wir parken das Auto in St. Zyprian im Tierser Tal am großen Parkplatz an der Seilbahn, die zum Rosengarten hinaufführt. Es ist eine Cabrio-Gondel. Das heißt, hier kann man auf dem Dach der Kabinenbahn mitfahren, wenn man das möchte.
Dazu solltet ihr euch warm anziehen, denn ihr seid dem Fahrtwind ausgesetzt. Aber gleichzeitig find ich es ziemlich cool, denn es entsteht das Gefühl, dass man schon jetzt mittendrin in der Natur ist und wie ein Vogel der imposanten Felswand des Rosengartens entgegenschwebt. Noch mehr Höhenmeter nimmt euch dann die König Laurin II Gondel ab, die euch direkt zum Fuße der Kölner Hütte und zur Laurins Lounge hinaufbringt. Die große Sonnenterrasse lädt zu einem kurzen italienischen Espresso ein, während wir den Blick ins Eggental, auf den Schlern und auf den Latemar genießen.
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Ausgesetzter Anstieg zum Tschager Joch
Man kann zumindest nicht sagen, dass die Tour langweilig startet. Der Weg geht direkt steil nach oben. Und schon wenig später befinden wir uns an der ersten Drahtseilversicherung. Es gleicht fast dem Einstieg eines Klettersteigs, wird aber technisch auch nicht mehr schwieriger. Wenn ihr diese Passage also gut meistert, sollte auch der weitere Aufstieg zum Tschager Joch kein Problem darstellen.
So sind die ersten 300 Höhenmeter im Handumdrehen gemeistert. Am sogenannten Pas de la Coronele, auf 2.630 m Höhe, blicken wir erstmals auf die andere Seite. Am Horizont ist die schneebedeckte Marmolada zu sehen. Und wir sehen von hier auch schon den Kesselkogel, den höchsten Punkt des Rosengartens. In diese Richtung geht’s jetzt weiter. Hinauf, zum Grasleitenpass.
Vorbei an der Vajolet Hütte zum Grasleitenpass
Wir folgen einem wunderschönen Höhenweg über saftig grüne Bergwiesen hinweg, die einen wunderschönen Kontrast zur schroffen Felslandschaft abgeben. Es ist, als spazieren wir durch eine Bilderbuchkulisse hindurch. An der Vajolet Hütte könnt ihr euch eine kurze Pause gönnen. Denn anschließend geht es noch mal stetig ansteigend zum Pass nach oben. Immer auf die imposante, schier senkrechte Wand des Kesselkogels zu.
Am Grasleitenpass selbst lohnt ebenfalls ein kurzer Aufenthalt. Denn der Blick zurück ist der Hammer. Von hier sieht es aus, als liege schon ein ewig langer Wanderweg hinter uns. Wir sehen ziemlich genau, wo wir herkommen. Und auch von hier wirkt die Landschaft wieder so unwegsam, dass es verrückt erscheint, dass wir da eben durchgelaufen sind. Genau das macht die Faszination des Rosengartens aus.
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Traumhaft schönes Tschamintal
Auf der anderen Seite führt der Wanderweg wieder bergab – durch loses Geröll hin zur Grasleitenhütte. Hier lohnt sich ein Einkehrschwung. Die Hütte liegt super idyllisch und den Kaiserschmarren kann ich sehr empfehlen. Die Rast tut gut, denn anschließend folgen noch ein paar Kilometerchen durchs malerische Tschamintal hindurch. Dieses gilt als eines der schönsten Täler in Südtirol und das kann ich bestätigen.
Neben uns rauscht das Wasser, während wir durch friedlich grasende Kuhherden auf der Wiese wandern. Kaum ein anderer Wanderer ist unterwegs, und so kann man die Stille der Natur in vollen Zügen genießen. Blickt man zurück, ragen beeindruckende Felsformationen in den Himmel. Es ist wirklich wunderschön, aber ehrlich gesagt, zieht sich der Weg mit der Zeit ein wenig. Und auch Abstieg ist mit über 2.000 Tiefenmetern für die Knie nicht zu unterschätzen.
Fazit
Insgesamt ist die Bergtour für alle fitten Wanderer geeignet. Wer sich die Route wegen der Streckenlänge nicht zutraut, kann sie auch auf zwei oder drei Tage aufteilen und in der Vajolethütte, oben am Grasleitenpass oder in der Grasleitenhütte übernachten. Oder ihr macht dabei noch einen Abstecher zur Gartlhütte, ganz nah an die Vajolettürme ran, was ich sehr empfehlen kann. Dann sind es allerdings auch noch mal rund 300 hm mehr.
Am Rosengarten lohnen sich generell noch viele weitere Touren. Auch Klettersteigliebhaber kommen hier bei Touren über den Rotwand- und Masarè-Klettersteig oder zum Santnerpass auf ihre Kosten. Und auch der Kesselkogel kann über einen Klettersteig bezwungen werden.
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