Auf der Tour durch den Rosengarten in Trentino-Südtirol muss ich mich beherrschen, konzentriert zu bleiben. Viel zu sehr lasse ich mich von der beeindruckenden Landschaft der Dolomiten ablenken. Kein Wunder, ich bin schließlich mittendrin zwischen mächtigen Gesteinstürmen und steil aufragenden Felswänden. Dennoch mahne ich mich selbst zur Vorsicht. Denn vor allem im Santnerpass-Klettersteig möchte ich keinen falschen Schritt riskieren.

Lohnt sich die Rosengarten-Umrundung in den Dolomiten?

Der Rosengarten ist ein Bergmassiv in den Dolomiten, das zur Hälfte in Südtirol und zur anderen Hälfte in Trentino liegt. Die höchste Erhebung ist der Kesselkogel mit 3.004 m. Durch das Felsmassiv, das auch als Schauplatz für Sagen und Legenden bekannt ist, schlängeln sich etliche Wanderwege und Klettersteige. Die meisten Touren sind eher für fortgeschrittene, trittsichere Wanderer vorbehalten. Denn es geht oftmals an steil abfallenden Flanken entlang oder zumindest durch loses Geröll.

Die Rosengarten-Umrundung führt teilweise durch einen Klettersteig hinauf. Dafür solltet ihr also unbedingt schwindelfrei sein. Zudem sind einige Passagen ungesichert im I. und II. Schwierigkeitsgrad zu begehen. Es werden insgesamt zwar „nur“ 1.000 Höhenmeter überwunden, ihr solltet aber dennoch Kondition für eine 8-stündige Bergtour haben.

Instatipp: Besonders spektakulär sieht es aus, wenn sich der Fotograf oberhalb der Schlüsselstelle positioniert. Dann liegt die Felswand zu Füßen, einige Spitzen ragen wie Türme auf & die Eisrinne ist ganz unten noch zu sehen. Ein Bild wie aus dem Hochgebirge. Vor allem, wenn dann in diesem Moment noch jemand hochklettert.

Anreise nach Welschnofen im Eggental

Von München kommend sind es knapp vier Stunden Fahrzeit bis nach Welschnofen in Südtirol. Auf dem Weg dorthin benötigen wir eine Vignette für die österreichische Autobahn und müssen an der Europabrücke zusätzlich Maut bezahlen. In Italien wird die Mautgebühr auf der Autobahn je nach gefahrener Strecke berechnet.

In Welschnofen selbst solltet ihr der Straße bis zum Parkplatz vor der Laurin-Bahn folgen. Dort könnt ihr das Auto kostenlos stehen lassen. Von dort geht es mit der Seilbahn nach oben. Dort lösen wir das Seilbahn-Ticket. Die Einzelfahrt kostet für einen Erwachsenen 18 Euro. Um später wieder hinabzufahren, solltet ihr jedoch besser direkt eine Berg- und Talfahrt lösen.

Mit der neuen König-Laurin-Bahn zum Einstieg

Höhenmeter:1.310 m
Kilometer:15 km
Gehzeit:ca. 8 Std
Einkehrtipp:Rotwandhütte
Beste Reisezeit:Mai-Okt

Mit der neuen Gondelbahn düsen wir immer näher an die schroffen Felswände des Rosengartens heran. Und dann sogar in den Berg hinein. Denn die Bergstation der Seilbahn ist ein wenig in die Felswand eingelassen. So soll sich die Station in das Gesamtbild integrieren.

Im Inneren geht es dann mit der Rolltreppe hinauf zu einer Aussichtsterrasse. Auf der einen Seite blicken wir ins Eggental hinab, auf der anderen Seite ragen direkt die Felsen auf. Und dort geht’s nun hin. Direkt das erste Stück der Tour führt über einen Klettersteig nach oben. Deshalb legen wir uns an der Bergstation die Ausrüstung an. Wir haben Klettergurt, Klettersteigset, Helm und Handschuhe dabei. Außerdem solltet ihr darauf achten, dass ihr feste Schuhe mit einer rutschfesten Sohle anhabt.

Santnerpass-Klettersteig auf 2.745 m Höhe

Das erste Stück ist recht harmlos. Direkt auf den ersten Metern gibt es einige versicherte Abschnitte. Die Schwierigkeit bewegt sich bei A/B. Das finde ich perfekt. So kann man sich auf den ersten Metern bereits ein bisschen an die Anforderung gewöhnen, ohne überfordert zu werden.

Anschließend folgt nochmals eine lange Querung. Die nutzen wir zum Ausruhen und Kraft sammeln. Denn anschließend wird es anspruchsvoller. Ich muss schon bald die Hände zur Hilfe nehmen. Der Stein unter meinen Fingern fühlt sich kühl an. Nun bin ich konzentriert. Ein Drahtseil ist noch nicht zusehen. Stattdessen geht es ungesichert am Fels entlang. Die Kletterschwierigkeit liegt im I. und II. Schwierigkeitsgrad.

So geht es eine ganze Weile entlang. Wir klettern an der Wand entlang, um filigrane Türmen herum und überwinden einige Eisentritte. Später können wir uns wieder einhängen. Und dann kommen wir im oberen Drittel zur Eisrinne. Zwischen den mächtigen Bergflanken zieht sich ein Schneefeld hinab. Im Frühsommer ist das besonders stark ausgeprägt. Wir hängen uns in dem Fixseil ein, das über die Eisrinne führt und meistern die rutschige Passage. Damit haben wir es allerdings noch nicht geschafft. Denn die Schlüsselstelle der Tour folgt auf dem Fuß.

Es geht steil die Wand hinauf. Mit den Sohlen, die durchs Schneefeld nass geworden sind, ist das gar nicht so einfach. Doch nach fünf Metern ist der Spuk vorbei. Kurz darauf stehen wir oben.

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Hütten-Tipp

Die Rotwandhütte liegt auf dem Ciampaz Sattel, auf einer Höhe von 2.283 Metern, inmitten der Rosengartengruppe. Probiert unbedingt den Kaiserschmarrn und die Polenta.

Hotel-Tipp

Die einmalig ruhige Lage machen die Moseralm zu einem echten Hideaway. Zu einem Wohlfühl-Hotel in den Dolomiten, das Naturerlebnis und Wellness perfekt verbindet.

Kann es denn noch besser werden?

Ich breite die Arme aus. Genieße die Aussicht über weite Teile des Rosengartens mit der König Laurin-Wand, blicke auf den Schlern, hinter dem sich die Seiser Alm befindet, kann am Horizont die Stubaier Alpen ausmachen und sehe eindrucksvoll den Latemar aufragen. Der Klettersteig selbst war schon genial, der Ausblick ist zusätzlich spektakulär. Besser kann’s eigentlich gar nicht mehr werden, denke ich noch und wandere weiter.

Kurz darauf revidiere ich den Gedanken direkt wieder. Denn kaum habe ich den Pass überschritten und die ersten Schritte auf der anderen Seite bergab bewältigt, muss ich schon wieder stehen bleiben. Vor mir ragen die mächtigen Vajolettürme auf. Wie die Finger einer Hand erheben sie sich hinter der Gartlhütte. Das schaut von hier schon gigantisch aus und wirkt noch besser, je näher man herankommt.

Gefühlte 100 Fotos später kann ich von dem Anblick schließlich losreißen. Wir steigen über einen steilen Steig weiter ab. Und halten uns noch vor der Vajolethütte rechts. Über einen langen Höhenweg geht es weiter bis zur Rotwandhütte und schließlich mit dem Paolinalift bergab.

Fazit

Mit der Tour bringe ich Muskelkater und tolle Erinnerungen mit nach Hause. Teilt euch unbedingt die Kraft richtig ein. Ich dachte, nach dem Klettersteig sei das schwierigste Stück geschafft. Technisch war das auch so. Konditionell allerdings nicht. Denn vor allem der Höhenweg zieht sich sehr. Startet also unbedingt morgens mit der ersten Bahn, um die letzte Bahn wieder gen Tal zu kriegen. Ansonsten müsst ihr zu Fuß absteigen.

Falls ihr abends noch Zeit habt, würde ich empfehlen, vom Paolinalift noch zum Karersee zu wandern. Bei Sonnenuntergang sieht der See richtig schön aus. Und ist zu dieser Tageszeit in der Regel auch nicht mehr allzu stark besucht.

Lage

Praktische Links

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