Schroff ragt die Rosengartengruppe in den Dolomiten in die Höhe. Das krasse Bergmassiv ist bereits von Bozen aus gut sichtbar. Je näher man herankommt, umso imposanter wirkt die Szenerie. Richtig bewusst wird man sich über die Dimensionen aber erst, wenn man mittendrin unterwegs ist. Zahlreiche sehenswerte Wanderungen, herausfordernde Bergtouren und schwindelerregende Klettersteige führen quer durch den Rosengarten in Südtirol und in Trentino.

Wandern im Rosengarten in Südtirol und Trentino

Die Rosengartengruppe (ital. Gruppo del Catinaccio) erstreckt sich von Südtirol bis nach Trentino und ist Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten. Zirka 8 km misst die Länge der Bergkette, die aus mehreren bedeutenden Gipfeln besteht. Wer hier zwischen der mächtigen Rosengartenspitze (2.981 m), der berühmten Laurinswand (2.821 m) und den einzigartigen Vajolet-Türmen (2.821 m) wandernd unterwegs ist, kann sich auf geniale Aussichten, urige Hütten und spektakuläre Felsformationen freuen.

Die Welt im Rosengarten wirkt schroff, wild und ursprünglich. Und ich hätte anfänglich nicht gedacht, dass die Berggruppe solch ein Eldorado für Wanderer und Kletterer darstellt. Immerhin gibt es weit über 700 verschiedene Wanderungen im Rosengarten und zahlreiche Weitwanderwege. Die beste Zeit zum Wandern im Rosengarten ist übrigens je nach Wetterlage zwischen Juni und September. Dann sind die Klettersteige vorwiegend schneefrei und die Hütten sind allesamt geöffnet.

#dolomiten

Instatipp: Besonders schön ist es im Rosengarten in den Abendstunden, wenn die Sonne untergeht. Dann beginnen die Felstürme feuerrot zu leuchten. Bekannt ist dieses Phänomen als „Burning Dolomites“ und vor allem im Herbst ein wunderbares Naturschauspiel.

Anreise in die Dolomiten

Die Rosengartengruppe ist aus München kommend in unter vier Stunden mit dem Auto zu erreichen. Die besten Ausgangsorte für Wanderungen im und am Rosengarten sind Vigo di Fassa in Trentino sowie Welschnofen und Carezza in Südtirol. Hier befinden sich die Talstationen der Seilbahnen, die euch die ersten Höhenmeter nach oben und damit mitten ins UNESCO-Welterbe bringen.

In Carezza liegt außerdem der malerische Karersee. Wenn ihr noch Zeit habt, solltet ihr dort eine Pause einlegen. Denn der türkisblaue See, in dem sich die markanten Felswände des Latemar spiegeln, ist ein wahrer Kraftplatz. Allerdings ist er auch gut besucht. Am besten kommt ihr in den frühen Morgenstunden, gegen Abend oder unter der Woche, um die glasklare Naturschönheit zu bestaunen.

Schier unbezwingbare Felswände

An der Talstation der Paolinabahn in Carezza stellen wir das Auto ab. Ich steige aus und staune über den Blick auf den Rosengarten, der sich direkt vor mir erhebt. Imposant ragt die Rotwand (2.806 m) über mir gen Himmel. Die Felswand ist das einzige, das man deutlich erkennen kann. Der Rest wird von Nebelschwaden umspielt. Das tut der Schönheit aber keinen Abbruch. Denn dadurch sieht die schroffe Bergkulisse vielmehr noch wilder und regelrecht hochalpin aus.

Bereits von unten lässt sich erahnen, dass Alpinkletterer in der Region ihre helle Freude haben werden. Ich als Nicht-Kletterer fühle mich vor diesen Felstürmen unheimlich klein. Außerdem schießt mir die Frage in den Kopf, ob der Rosengarten wohl auch ein Paradies für Wanderer ist. Denn gefühlt sind die steil abfallenden Gipfel ohne die nötige Klettertechnik und Ausrüstung unerreichbar.

Die Rotwand ist doch bezwingbar

Die leichten Zweifel erweisen sich schon kurzzeitig später als unbegründet. Denn meine erste Tour im Rosengarten ist der Aufstieg zu eben jener Wand, die nahezu senkrecht in den Himmel ragt. Und obwohl Klettergurt und Steinschlaghelm im Rucksack sind, geht es natürlich nicht über die vertikale, direkte Linie nach oben.

Start:Carezza
Länge:6 km
Höhenmeter:750 hm
Gehzeit:5 Std.
Hütten-Tipp:Rotwandhütte

Stattdessen führt ein aussichtsreicher Klettersteig am Nordgrat hinauf. Mit einer Schwierigkeit von A/B ist der Steig auch für Nicht-Kletterer und bergerfahrene, schwindelfreie und trittsichere Klettersteig-Anfänger gut begehbar. So könnt ihr die Rotwand sogar überschreiten. Denn auf der Ostseite führt ein Klettersteig wieder bergab. Dort wartet dann auch die Schlüsselstelle der Tour: Eine luftige C-Stelle.

Aber ganz ehrlich: Es ist genial, durch die schroffe Dolomitenlandschaft zu kraxeln. Umgeben von Felstürmen und skurillen Gebilden aufzusteigen und immer mal wieder zur Ruhe zu kommen und die Aussicht zu genießen. Besonders sensationell ist der Blick auf den Latemar.

Klettervergnügen am Masaré-Klettersteig

Wenn ihr noch nicht zurückgehen wollt, könnt ihr die Klettersteig-Tour sogar erweitern. Nach der Überschreitung gelangt ihr zum Einstieg des Masaré-Klettersteigs. Der Steig führt die meiste Zeit am ausgesetzten Bergkamm entlang und ist deshalb nichts für schwache Nerven. Doch technisch wird es für erfahrene Klettersteiggeher nie so richtig schwer. Die Schwierigkeit liegt maximal bei C.

Es geht dabei aber ja auch nicht um die ultimative Herausforderung, sondern vielmehr um den Genuss, zwischen den einzelnen Türmen hindurchzusteigen. Der Masaré-Klettersteig und der Rotwand-Klettersteig sind deshalb super beliebt. An sonnigen Wochenendtagen seid ihr bestimmt nicht einsam unterwegs.

Wanderung auf dem Paolina-Höhenweg

© IDM Südtirol/Valentin Pardeller

Zurück geht es über den wunderschönen Paolina-Weg. Der Höhenweg eignet sich auch als eigenständige Wandertour. Denn manchmal muss es gar nicht nach ganz oben gehen. Unterhalb der Rotwand und der Tscheiner Spitze führt der aussichtsreiche Weg vorwiegend eben hin. Die Wanderung ist für Familien mit Kindern empfehlenswert, da der Zu- und Abstieg mit der Seilbahn aus Carezza bzw. Welschnofen erfolgt.

Ein beliebtes Ziel ist die Rotwandhütte. Dort werden Südtiroler Spezialitäten aufgetischt. Direkt nebenan gibt es noch eine kleinere, urige Hütte mit einer ausladenden Sonnenterrasse. Wir hatten also die Qual der Wahl und haben uns für die kleinere der beiden, für die Baita Marino Pederiva entschieden und haben die Entscheidung nicht bereut. Im Schatten der Rotwand Südtiroler Knödel zu futtern, ist definitiv einen Einkehrschwung wert. Da schmeckt das Essen doppelt so gut!

Kesselkogel: Höchster Gipfel im Rosengarten

© Stillkost

So imposant die Rotwand auch scheinen mag, sie ist nicht der höchste Punkt im Rosengarten. Das ist nämlich der 3.004 m hohe Kesselkogel. Und wenn ihr Freude am Kraxeln habt, gelangt ihr auch bis ganz nach oben. Zum Start der Tour eignet sich die Hochebene Ciampedie, die ihr aus Vigo di Fassa per Seilbahn erreicht.

Start:Vigo di Fassa
Länge:11,7 km
Höhenmeter:1.232 hm
Gehzeit:7 Std.
Hütten-Tipp:Grasleitenpasshütte

Allein die Wanderung zum Klettersteig lädt zum Staunen ein. Es herrscht ein Gefühl von „Mittendrin statt nur dabei“. Denn ihr wandert im wahrsten Sinne des Wortes mitten durch den Rosengarten. Und das zeigt sich an jeder Ecke. Immer wieder ragen neue, steile Wände empor. Am beeindruckendsten finde ich unterwegs die Ausblicke auf die mächtige Wand der Rosengartenspitze.

Das Sahnehäubchen der Tour kommt allerdings erst am Schluss. Dann nämlich, wenn wieder das Klettersteigset zum Einsatz kommt. Die letzten Meter führen am Drahtseil entlang. Solange es trocken und schneefrei ist, ist der Aufstieg nicht schwierig und bereitet mit seinen Ausblicken schon unterwegs auf den Höhenpunkt vor, der euch oben erwarten wird. Das Panorama ist einmalig.

Von oben könnt die komplette Rosengartengruppe überblicken und eine geniale Fernsicht in Richtung Ortlergruppe, Stubaier Alpen und Zillertaler Alpen genießen. Oder ihr lasst den Blick über namhafte Nachbargipfel wie die Geislerspitzen, den Langkofel, die Sellagruppe und die Marmolada schweifen.

Kletterparadies Vajolettürme

Die Vajolettürme, die man vom Kesselkogel aus bestaunen kann, sind ebenfalls ein beliebtes Ziel im Rosengarten. Doch die Gipfel der fingerähnlichen Türme, die wie eine Hand angeordnet sind, sind tatsächlich nur Kletterern vorbehalten. Allerdings muss man nicht zwangsläufig ganz nach oben, um über die erstaunlich schlanken Felsen zu staunen.

Start:Vigo di Fassa
Länge:6,6 km
Höhenmeter:955 hm
Gehzeit:4,5 Std.
Hütten-Tipp:Gartlhütte

Ziel der Bergtour ist die Gartlhütte, die malerisch eingebettet neben einen kleinen, idyllischen Bergsee und zwischen den steil aufragenden Türmen und der sagenumwobenen Laurinswand liegt. Genau an dieser Stelle soll Zwergenkönig Laurin der Legende nach seinen geliebten Rosengarten gepflegt haben.

Zu denn eindrucksvollen Türmen gelangt ihr von Südtiroler Seite und aus Trentino. Zum einen könnt ihr genau wie zum Kesselkogel von der Ciampedia-Hochebene starten und gemütlich zu den Vajolet-Türmen wandern oder aber ihr überschreitet von Welschnofen aus den Santnerpass. Letzteres ist die lohnenswerte Alternative für Klettersteigliebhaber und konditionsstarke Bergwanderer.

Mehrtägige Hüttenwanderung im Rosengarten

© Rifugio Antermoia

Wenn ihr viel Zeit habt, lohnt es sich, die verschiedenen Touren zu kombinieren und eine mehrtägige Hüttentour durch den Rosengarten zu erleben. So könnt ihr beinahe alle bekannten Felsmassive sehen. Unsere Empfehlung für eine 4-tägige Wanderung lautet wie folgt:

Startet am Paolina-Lift in Welschnofen, überschreitet die Rotwand und wandert anschließend zurück in Richtung Ausgangspunkt über den Paolina-Höhenweg zur Kölner Hütte. Am nächsten Tag geht es von der Kölner Hütte über den Klettersteig am Santnerpass (Kategorie B) zur Gartlhütte, die neben den eindrucksvollen Vajolettürmen liegt. Auch dort gibt es Schlafplätze.

Tag drei führt dann von den Vajolettürmen weiter zum Kesselkogel. Da könnt ihr entweder den Gipfel mitnehmen, oder den Kesselkogel über den Antermoia-Pass umgehen, wenn ihr einen gemütlicheren Wandertag haben möchtet. Ziel ist die idyllisch gelegene Antermoia-Hütte. Sie befindet sich direkt neben dem herzförmigen Antermoia-See, einem der schönsten Bergseen in den Dolomiten.

Am vierten Tag könnt ihr noch einen kurzen Abstecher auf den naheliegenden Bergrücken machen und die Aussicht auf das Sellamassiv, den Langkofel und die Marmolada genießen. Vor allem zum Sonnenaufgang ist dieser Platz ein Traum. Von dort geht es dann nur noch bergab durch das idyllische Donatal nach Campitello di Fassa. Das klingt erstmal wenig schwierig, allerdings ist der Weg teilweise super steil und gerade mit Gepäck auf dem Rücken eine Herausforderung für die Knie.

Es empfiehlt sich die Schlafplätze in den Hütten vorab zu reservieren. Vor allem an den Wochenenden und in der Hauptsaison sind die oftmals ausgebucht. Eine zweitägige Hüttenwanderung von Vigo di Fassa zu den Vajolettürmen und zum Antermoia-See in Trentino zeigen wir euch in diesem Video.

Fazit

Ich persönlich zähle den Rosengarten zu den schönsten Wandergebieten der Alpen. Einige Wege sind für Wanderanfänger und sogar für Familien mit Kindern gut machbar. Um die Bergwelt möglichst intensiv zu erleben, solltet ihr jedoch schon bergerfahren sein und im besten Fall sogar Klettersteigerfahrung mitbringen. So könnt ihr die Felswände nicht nur von unten bewundern, sondern gelangt auch auf den einen oder anderen Gipfel hinauf und dürft euch an ganz anderen Perspektiven erfreuen.

Gemeinsam mit einem Bergführer oder einem erfahrenen Guide könnt ihr den Rosengarten aber auch nutzen, um euch an Klettersteige erstmals heranzutasten. Denn viele bewegen sich im unteren und mittleren Schwierigkeitsgrad.

Auch eure Packliste sollte auf die Klettersteigpassagen abgestimmt sein. Gerade bei der Hüttenwanderung spart man ja gerne mal jedes unnötige Gramm ein, weil man mehrere Tage alles mitschleppen muss. Zusätzlich zu Wechselklamotten, Hüttenschlafsack, Erste-Hilfe-Set und Waschzeug müssen also auch noch Klettersteigset, Klettergurt und Steinschlaghelm im Rucksack Platz finden.

Aber das lohnt sich! Da werdet ihr uns bestimmt zustimmen, wenn ihr die eindrucksvolle Bergwelt hautnah erlebt habt.

Lage

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