Skifahren mitten in Lappland mit Blick über die endlos weite Tunturi-Landschaft. In dieser Kulisse im Norden Finnlands, knapp oberhalb des Polarkreises, liegt Levi. Das Skigebiet Levi Ski Resort ist das größte des Landes. Bei Temperaturen bis zu -20 Grad erwarten einen hier Skitage der besonderen Art. Denn was wegfällt, sind das gewohnte Bergpanorama der Alpen, Pistenkilometer ohne Limit oder die geliebte Hüttenkultur. Stattdessen verbirgt sich im arktischen Flair ein Skierlebnis, das authentischer und ruhiger kaum sein könnte.
Lohnt sich Skifahren im Levi Ski Resort in Finnland?






| Pistenkilometer: | 45 km |
| Höchster Punkt: | 531 m (Levitunturi) |
| Längste Abfahrt: | 2,5 km |
| Einkehrtipp: | Restaurant Tuikku |
| Skisaison: | Oktober – Mai |
Das Levi Ski Resort ist das größte und bekannteste Wintersportgebiet Finnlands. Rund um den Fjell Levitunturi erwarten Skifahrer insgesamt über 40 Abfahrten und 45 Pistenkilometer. Hier oben lässt sich die Skisaison bis aufs Maximum auskosten, denn es gibt eine fast achtmonatige Schneegarantie. Die Lifte starten bereits Anfang Oktober und schließen oft erst im Mai. Beachtet aber, dass in den tiefen Wintermonaten nicht alle Pisten geöffnet sind. Durch die extreme Dunkelheit bleiben nur jene durchgehend zugänglich, die mit Flutlicht beleuchtet sind.
Im Vergleich zu Skiregionen in den Alpen ist Levi mit einer Höhe von 531 Metern ein niedriges Skigebiet und bietet weniger steile Abfahrten. Durch die zahlreichen blauen Pisten gilt das Levi Ski Resort als familien- und anfängerfreundliches Skigebiet. Diese befinden sich vor allem im Bereich der South Slopes, die extra als Kategorie „Family“ im Skiplan eingeteilt sind. Doch auch sportlich ambitionierte Skifahrer kommen hier auf ihre Kosten. Rund 20 rote Pisten und der Snow Park bieten viel Abwechslung und finden sich im Bereich „Superior“. Unter den schwarzen Abfahrten ist die berühmte „Levi Black“ das Highlight. Auf ihr wird jedes Jahr das Lappland-Rennen im Rahmen des Weltcup-Slaloms der Damen ausgetragen.
Pistenplan
Alle Abfahrten und Liftanlagen im Levi Ski Resort im Überblick. Zum Vergrößern des Pistenplans bitte auf das Bild klicken.
Fototipp: Kurz vor dem Sonnenuntergang könnt ihr die arktische Weite besonders gut einfangen. Sucht euch hierfür einen höheren Punkt (zum Beispiel bei der Bergstation des Express) und fotografiert die letzten Sonnenstrahlen über den Pisten und den verschneiten Wäldern. Im Winter verfärbt sich der Himmel in Lappland oft in Rosatönen, was für ein besonders klassisches Foto sorgt. Ein beliebtes Motiv sind die tief verschneiten Bäume neben der Piste.
Anreise nach Levi in Lappland
Levi liegt etwa 15 km vom nächstgelegenen Flughafen in Kittilä entfernt. Diese Nähe macht die Anreise mit dem Flugzeug besonders attraktiv. Finnair bietet ganzjährig Flüge von Helsinki nach Kittilä an, und seit 2025 könnt ihr auch von München direkt in den finnischen Norden fliegen. Vom Flughafen geht es dann mit dem Shuttlebus, Taxi oder privaten Minibussen nach Sirkka, dem kleinen Ort direkt am Skigebiet Levi. Gerade bei Ankunft im Dunkeln oder bei winterlichen Straßenverhältnissen wird empfohlen, diesen Transfer vorab zu organisieren.
Wer lieber mit der Bahn reist, kann mit dem berühmten Santa Claus Express vom Süden Finnlands bis nach Kolari fahren. Der Ort liegt etwa 80 km von Levi entfernt und ist durch einen Bus an den Skiort angebunden. Dieser fährt jedoch unregelmäßig, daher sollten aktuelle Fahrpläne stets überprüft werden.
Vor Ort in Levi kommt ihr prima mit Shuttles und dem Taxi zurecht. Wer direkt in Sirkka wohnt, kann die Talstation bequem zu Fuß erreichen. Für kleinere Gruppen sind die Taxipreise in der Gegend erschwinglich. Hierbei handelt es sich meist um Minibusse, die extra auf den Transport von Skiequipment ausgelegt sind.
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In der Morgendämmerung auf die Piste
Ein Skitag in Levi beginnt ruhig und in der Dämmerung des Morgens. Je nach Reisezeit kann es gut sein, dass ihr in vollkommener Dunkelheit die Ski sattelt, denn im tiefen Winter geht die Sonne erst zwischen 11 und 12 Uhr mittags auf. Wir sind im März im Skigebiet unterwegs und dürfen somit etwas mehr Tageslicht genießen. Die Temperaturen sind in dieser Zeit zwar nicht an ihrem Tiefpunkt, aber mit -12 Grad zum Start in den Skitag dennoch erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Von unserer Unterkunft aus geht es durch den noch halb schlafenden Skiort Sirkka zum Zero Point, der Talstation. Wer sich seine Ausrüstung für das Skiabenteuer in Finnland leihen möchte, kann das direkt beim Zero Point tun. Hier gibt es eine große Auswahl und umfassende Beratung. Anschließend geht es mit der Express-Gondel hinauf in Richtung Levitunturi. Die Kabinenbahn startet direkt am Zero Point und bringt uns auf die Mittelstation des Fjells.
Auf die Spitze des Levitunturi
Nach den ersten Einheiten mit Warm-up auf den blauen Abfahrten der Front Slopes geht es an die Liftkombinationen zur Spitze. Die schnellste Route führt über den South Chair Lift oder den North Chair. Wir möchten den Weg nach oben gut ausnutzen und nehmen daher noch ein paar Schwünge auf den roten Pisten der North East Slopes mit, die von der Mittelstation nach oben führen. Auf dem höchsten Punkt des Levitunturi angekommen, bläst uns die klare, kalte Polarluft entgegen. Die Anzeige neben der Gipfelstation zeigt -14 Grad.
Aber nicht nur die Kälte lässt diesen Moment unvergesslich werden: Vor uns liegt die endlose Weite des finnischen Lapplands. Anders als in den Alpen gibt es hier keine steilen, schroffen Gipfel, die uns umgeben. Stattdessen liegen sanfte, weite Hänge unter uns. Von dem Aussichtspunkt hier oben können wir in alle Richtungen blicken und sehen verschneite Wälder, vereiste Seen und kleine Hügel in der Ferne. Es wirkt fast ein wenig surreal, dass sich in dieser flachen Landschaft der Levitunturi erhebt.
Und flach sind auch zunächst die Pisten, die vom Levitunturi nach unten führen. Steile Abfahrten sucht man hier oben vergeblich. Stattdessen gleiten wir über breite Pisten und sanfte Hügel. Hier oben wirkt alles wie ein riesiges Plateau. Blaue und rote Pisten wechseln sich ab, schwarze Herausforderungen warten deutlich weiter unten.
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Schwarze Piste Levi-Black
Vom höchsten Punkt Levis erreichen wir über einige rote Abfahrten das Highlight des Levi-Skigebiets: die Levi Black. Sie ist die wohl bekannteste und anspruchsvollste Piste im gesamten Gebiet, denn hier findet einmal im Jahr der Weltcup-Slalom statt. Auch wir stehen jetzt oben am Start der Strecke – und der Blick hinab sorgt für einen echten Adrenalinschub. So steil war es in Finnland bisher noch nie.
Der Hang fällt vor uns ab, und bis zum Ende der Strecke gilt es, 180 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Bei der Kälte ist die Schneedecke teilweise etwas härter oder eisig. Wer hier fährt, sollte seine Geschwindigkeit gut kontrollieren, denn die Abfahrt lässt wenig Raum für Ausgleich. Schnell haben wir den Dreh raus und fahren immer wieder zum Star des Skigebiets zurück, um uns weiter zu challengen. Vielleicht ist es der Reiz als Weltcup-Piste oder einfach der Fakt, dass die Abfahrt im Vergleich zu den anderen Strecken in Levi sportliche Skifahrer zum Experimentieren einlädt.
Eine weitere Challenge wartet im Levi Snowpark. Hier können sich sowohl Einsteiger als auch erfahrene Rider versuchen. Besonders schön: Durch die ruhige Atmosphäre in Levi hat man viel Platz und kann sich austoben, ohne ständig auf andere achten zu müssen.
Finnische Hüttenkulinarik am Rande der Piste
Wer in Levi eine Hüttenkultur wie in den Alpen erwartet, muss lange suchen. Nicht nur finden sich hier deutlich seltener Einkehrmöglichkeiten, auch deren Charakter unterscheidet sich stark von dem, was man aus den Alpen kennt. Statt der gemütlichen Stuben findet man eher richtige Restaurants am Rand der Piste. Serviert wird eine fleischlastige nordische Küche, auf dem Speiseplan stehen unter anderem eine Rentiersuppe.
Insgesamt hat das Levi Ski Resort acht dieser Restaurants zur Auswahl. Wir machen im Tuikku eine wohlverdiente Pause. Das Restaurant bietet einen grandiosen Blick auf die verschneite Landschaft und serviert neben arktischen Spezialitäten auch klassische Pizza. Wenn sich die Sonne zeigt, kann man die Atmosphäre auch auf der großen Terrasse genießen.
Skifahren bis 19 Uhr und Polarlichter
Wenn im finnischen Winter bereits früh die Dunkelheit einsetzt, lässt sich das Levi Ski Resort in einem ganz besonderen Licht erleben – oder besser gesagt: im Flutlicht. Viele Pisten des Skigebiets sind beleuchtet, sodass wir auch noch bis in den Abend hinein fahren können. Die meisten Lifte schließen erst um 19 Uhr, sodass uns einige Zeit bleibt, um das Flutlichtfahren auszukosten.
Mit ganz viel Glück tanzen dabei die Polarlichter über euch. Diese sind zwar meist durch die helle Beleuchtung der Pisten schwer zu erkennen, aber wenn sie sich zeigen, ist euer Lappland-Abenteuer komplett.
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Fazit
Skifahren in Levi bedeutet, den Winter in seiner ursprünglichsten Form zu erleben. Hier herrschen herausfordernde Kälte, Dunkelheit und tief verschneite Landschaften. Die hohe Schneesicherheit im hohen Norden macht das Skigebiet zur idealen Anlaufstelle für alle, die vor oder nach dem Saisonschluss in den Alpen nicht genug bekommen oder einfach mal etwas anderes erleben möchten. Die Pisten sind breit und übersichtlich und somit ideal für Genießer, Anfänger und Familien. Aber in Levi finden auch sportliche Fahrer anspruchsvolle Strecken.
Was uns direkt am ersten Tag auffällt: Im Vergleich zu den Alpen geht es hier spürbar ruhiger zu. In Levi finden wir keine überfüllten Gondeln, keine Après-Ski-Hotspots und keine vollen Pisten. Selbst in der Hauptsaison kommt man sich auf der Piste kaum in die Quere, und das gesamte Skigebiet wirkt auf uns angenehm entschleunigt. Etwas, das in den Alpen immer seltener wird – und vielleicht genau deshalb das Skifahren in Finnland so attraktiv macht.

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