Der Großvenediger wird auch die „weltalte Majestät“ genannt und wenn ich so auf diesen gewaltigen vergletscherten Hauptgipfel zugehe, kann ich diesen Beinamen voll und ganz verstehen. Die Nacht auf der Kürsingerhütte war eher kurz als erholsam, aber dafür fallen uns in den frühen Morgenstunden am Gletscher im Salzburger Land schon die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht. Am Vortag sind wir über den Gletscherlehrpfad zur Hütte aufgestiegen und haben schon mit etwas Ehrfurcht den langen Weg durch das Spaltenlabyrinth zum Gipfel erahnen können. Kommt mit zum fünfthöchsten Gipfel Österreichs.
Lohnt sich die Tour auf den Großvenediger?




Lange Zeit galt der Großvenediger als höchster Berg Salzburgs. Er liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern. Bei einer Neuvermessung im Jahr 2014 wurde jedoch festgestellt, dass er aufgrund des milderen Klimas und der damit einhergehenden Eis- und Schneeschmelze nur noch 3.657 Meter hoch ist und sein Hauptgipfel bereits auf Osttiroler Boden liegt.
Trotzdem zählt er nach wie vor zu den TOP 5 der höchsten Gipfel Österreichs und ist für viele eine der ersten großen Gletschertouren in ihrer Bergsteigerkarriere. Eher selten wird der Großvenediger als Tagestour begangen, da an allen drei Normalanstiegen aus unterschiedlichen Richtungen bewirtschaftete Schutzhütten Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Das Labyrinth aus Gletscherspalten im Venedigerkees ist außerdem ein wunderschöner und gleichzeitig etwas beängstigender Anblick beim Anstieg über die Nordseite.
Fototipp: Oft ist der Gipfel in dichten Nebel gehüllt. Im Aufstieg habt ihr aber sicher mehrere Möglichkeiten, auf dem Gletscher mit den beeindruckenden Felszacken im Hintergrund richtig coole Alpinfotos zu machen. Bleibt aber bitte immer in der Seilschaft und unterschätzt nicht die Gefahr der unzähligen Gletscherspalten!
Anreise nach Neukirchen am Großvenediger
| Besonderheit: | starke Vergletscherung |
| Lage: | Nationalpark Hohetauern |
| Höhenmeter: | 1.830 Höhenmeter |
| Strecke: | 19,3 Kilometer |
| Übernachtung: | Kürsinger Hütte |
Start der 2-Tagestour auf den Großvenediger ist in Neukirchen am gebührenpflichtigen Parkplatz Hopffeldboden (€ 5,–/Tag nur Münzen). Die Anreise aus dem Raum München erfolgt über Kufstein Süd nach Kitzbühel und über den Pass Thurn nach Mittersill. Von dort ist es noch eine knappe halbe Stunde Fahrt bis zum Parkplatz im Neukirchener Ortsteil Sulzau.
Den Shuttle zur Materialseilbahn der Kürsingerhütte solltet ihr auf jeden Fall vorher buchen! (€ 18,– pro Strecke) Er bringt euch die 10 km lange Forststraße mitten in den Nationalpark Hohe Tauern und erspart euch viel Zeit und Mühe. Euer Gepäck wird mit der Materialseilbahn gegen eine Gebühr von € 5,- zur Hütte transportiert und ihr wandert in der Zwischenzeit gemütlich über den Gletscherlehrpfad zur Hütte.
Lange Packliste für die Gletschertour
Bei der Vorbereitung auf eine Hochtour reicht die Standardausrüstung wie bei manchen Tagestouren leider nicht aus. Wer wenig oder keine damit Erfahrung hat, sollte sich für die Tour auf den Großvenediger unbedingt einen Bergführer nehmen. Er kennt den Gletscher mit all seinen Spalten und Gefahren seit vielen Jahren und führt euch sicher durch das Labyrinth.
Eure Packliste umfasst die Hochtourenausrüstung (Gletscherseil, Steigeisen, Eispickel, Gletscherbrille, Hochtourengurt, div. Karabiner und Eisschrauben, Reepschnüre und Bandschlingen, Stirnlampe, Stöcke, Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack), entsprechende Bekleidung (Hardshellhose und -jacke, dicke Handschuhe, Mütze, Daunenjacke, Funktionsunterwäsche) sowie Hüttenschlafsack, Hygienebeutel und Bekleidung für die Hüttenübernachtung. Natürlich braucht ihr auch steigeisenfeste Bergschuhe und einen entsprechend großen Rucksack, in dem das alles Platz hat.
Auch die Technik zur Orientierung muss vorbereitet sein, denn in diesen Höhen am Gletscher kann das Wetter so plötzlich umschlagen, dass man im Nebel nicht mehr weiß, in welcher Richtung der Gipfel liegt, geschweige denn, wie die Route verläuft. Die Wettervorhersage genau zu analysieren und demnach zu entscheiden, gehört zu den wichtigsten Dingen der Vorbereitung. Ihr seht also: Solch eine Gletschertour ist ziemlich aufwendig.
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Hüttenübernachtung beim Gletscherkees
Nachdem wir den schweren Rucksack in den Korb der Materialseilbahn gehievt haben, machen wir uns am ersten Tag an den Aufstieg zur Kürsingerhütte. Dafür gibt es zwei Varianten – entweder über den Klammlsteig oder über den Gletscherlehrpfad mit anschließendem kurzem Klettersteig direkt zur Hütte.
Beide Aufstiege umfassen ca. 600 Höhenmeter, wobei der Weg über den Gletscherlehrpfad mit 2:30h eine Stunde länger dauert. Meiner Meinung nach ist es aber der schönere Weg zur Hütte und meistens hat man am ersten Tag eh nicht viel mehr vor.
Wir wandern an kleinen Gletscherbächen entlang und steigen über riesige Felsplatten zum Obersulzbach-Gletschersee auf. Am Ende des Sees sehen wir die Gletschermoräne und die ersten riesigen Spalten, die sich im Gletscherkees auftun.
Bei der Hütte angekommen, verstauen wir erst einmal unsere Sachen im Schlaflager und ziehen uns für die Hüttenübernachtung gemütliche Sachen an. Rings um die Hütte erheben sich die höchsten Gipfel der Hohen Tauern und ich fühle mich so richtig winzig umgeben von so mächtigen Gletschern und Felsen.
Die Zeit bis zum Abend vergeht wie im Flug und nach dem 3-Gänge-Abendessen packen wir noch unsere Rucksäcke für den nächsten Tag und gehen dann früh schlafen.
Über den riesigen Gletscher auf den Großvenediger
Wir schnappen uns unsere gepackten Rucksäcke, schalten die Stirnlampe an und verlassen zeitgleich mit mehreren anderen Seilschaften die Hütte in Richtung Venedigerkees. Nach einer knappen Stunde betreten wir, in die Seilschaft eingebunden, das ewige Eis. Es knirscht unter unseren Schuhen. Die Steigeisen brauchen wir vorerst nicht und keine halbe Stunde später stapfen wir dem Sonnenaufgang auf dem riesigen Gletscher entgegen.
Natürlich ist es anstrengend, sich in dieser Höhe zu bewegen und man merkt deutlich, dass die Luft hier dünner ist. Weiter oben legen wir auch unsere Steigeisen an, um im immer steiler werdenden Gelände sicheren Halt zu haben. Schritt für Schritt nähern wir uns dem Gipfel des Großvenedigers und an diesem Tag leider auch dem Nebel.
Auch wenn die Wettervorhersage bis zum Mittag sonniges Wetter verspricht – hier oben sieht es anders aus. Wir steigen über den lang gezogenen Gletscher hinauf zur Venedigerscharte, wo sich Routen aus anderen Himmelsrichtungen kreuzen.
Gott sei Dank ist es von hier aus nicht mehr weit bis zum Gipfel, aber wegen der schlechten Sicht und dem relativ großen Gedränge auf dem luftigen Gipfelgrat benötigen wir noch eine gute Stunde. Dann endlich stehen wir vor dem Gipfelkreuz des Großvenedigers auf stolzen 3.657 Metern. Was für ein Gefühl! Was für eine mächtige, vergletscherte Majestät eines Dreitausenders!
Beim Abstieg kann man sich an der Aufstiegsroute orientieren. Hier war der GPX-Track wegen des dichten Nebels Gold wert! Immer wieder kommen wir ganz nah an große Gletscherspalten heran, wo wir kurz anhalten und in die Tiefe schauen. Zurück an der Kürsingerhütte machen wir eine große Pause mit leckerem Essen. Am frühen Nachmittag steigen wir dann ins Tal ab, wo uns der vorreservierte Shuttlebus zurück zum Auto bringt. Als ich so müde im schaukelnden Bus sitze, geht mir der lange Tag noch einmal durch den Kopf.
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Fazit
Was für eine Bergtour – was für eine beeindruckende Naturschönheit, diese Gletscher und die umliegenden Gipfel! Diese Gletschertour lohnt sich trotz aller Strapazen und gefährlichen Hindernissen auf dem Weg! Wer unsicher ist, sollte aber unbedingt einen Bergführer buchen.
Wer Gefallen an Gletschertouren gefunden hat, kann auch eine weitere Nacht auf der Kürsingerhütte verbringen und am nächsten Tag z. B. den Großen Geiger machen. Eine kleinere Tour ohne Gletscher ist der Keeskogel, der nur zwei Stunden von der Hütte entfernt ist. Von diesem Gipfel hat man einen perfekten Blick auf den zackigen Venediger Nordgrat und fast die gesamte Dimension von Venediger- und Obersulzbachkees.
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