Der Wind pfeift mir um die Ohren, als ich versuche, unter meiner Regenjacke die Augen zu öffnen und die riesigen Vestmanna-Klippen erblicke. Mit jeder Welle, die gegen das kleine Ausflugsboot schlägt, wird die Natur wilder – die Klippen erheben sich aus dem Nebel wie geheimnisvolle Giganten. Taucht mit mir ein in die unberührte Landschaft der Färöer-Inseln, eine andere Welt, in der die vielen tausend Vögel das Sagen haben – ein wahres Naturwunder.
Lohnt sich die Bootstour zu den Vestmanna-Klippen?





Die Vestmanna-Vogelklippen zählen zu den Highlights und spektakulärsten Naturphänomenen der Inselgruppe der Färöer-Inseln im Nordatlantik. Die bis zu 700 Meter hohen Steilklippen sind nur vom Meer aus erreichbar und beeindrucken mit außergewöhnlichen geologischen Formationen sowie einer artenreichen Tierwelt.
Die von Wind und Wasser geformten Steilwände erheben sich majestätisch aus dem Ozean. Im Mai verwandeln sich die Felsen und Höhlen in ein Brutparadies für unzählige Seevögel – darunter die niedlichen Papageitaucher. Eine 90-minütige Bootstour bietet die Gelegenheit, der überwältigenden Natur ganz nahe zu kommen.
Fototipp: Regelmäßig spritzt Gischt ins Boot, daher ist ein Spritzschutz für die Kamera oder das Smartphone empfehlenswert. Ein Gimbal sorgt zudem für den Ausgleich der Schiffsbewegungen und erleichtert das Filmen. Mit einem Zoom-Objektiv und einer Brennweite von über 200 mm gelingen dir beeindruckende Nahaufnahmen der zahlreichen Vögel.
Anreise nach Vestmanna auf den Färöer–Inseln
| Lage: | West-Streymoy, Färöer–Inseln |
| Klippenhöhe: | 700 m |
| Start der Bootstour: | Vestmanna |
| Kosten: | ab 55 € |
| Einpacken: | Tabletten gegen Reisekrankheit |
Die Anreise zu den Vestmanna-Klippen beginnt mit einem Flug zum Flughafen Vágar (FAE). Die Pier in Vestmanna liegt 35 Kilometer entfernt und ist in etwa 35 Minuten Fahrtzeit mit dem Mietwagen zu erreichen.
Auf dem Weg muss der 4,9 Kilometer lange, mautpflichtige Tunnel durchquert werden. Von der Hauptstadt Tórshavn erreicht man Vestmanna in etwa 40 Minuten. Bus Nummer 100 bietet auf dieser Strecke eine gute Alternative zum Mietwagen. Die Straße führt über kurvige Abschnitte, vorbei an grünen Hügeln und steilen Küsten.
Im kleinen Dorf Vestmanna starten die Boote am Touristenzentrum. Eine mindestens 90-minütige Bootsfahrt ist die einzige Möglichkeit, die beeindruckenden Klippen aus nächster Nähe zu erleben.
Hast du alles für dein großes Abenteuer auf den Färöer–Inseln vorbereitet?
Für die 90-minütige Tour zu den Vestmanna-Klippen müsst ihr euch auf jede Wetterlage vorbereiten, da sich das Wetter im Nordatlantik mitunter im Minutentakt ändern kann. Ferngläser sind ideal, um die Vogelwelt aus nächster Nähe zu beobachten, während regenfeste Kleidung und Handschuhe Schutz vor der rauen Witterung auf dem offenen Meer bieten. Der Veranstalter stellt Helme bereit, die besonders bei der Durchfahrt von Felsbögen und Höhlen wichtig sind. Auch Seekrankheitstabletten können eine sinnvolle Vorsorge sein, falls du dazu neigst.
Ich habe mein Ticket ein paar Tage vor meinem Besuch direkt auf der Website des Veranstalters Sjóferðir reserviert. Das empfehle ich besonders in der Hauptreisezeit von Juni bis August. Die Touren finden generell zwischen dem 1. April und dem 30. Oktober statt, sind jedoch stets von den Wetterbedingungen abhängig.
Erste Papageitaucher weisen uns den Weg
Die ersten Minuten der Bootstour verlaufen ruhig, während wir das kleine Dorf Vestmanna langsam hinter uns lassen. Noch im Schutz des Hafens gibt der Kapitän Sicherheitshinweise, und die Helme werden verteilt – unverzichtbar für die späteren Passagen durch Felsbögen und Höhlen. Kaum haben wir Fahrt aufgenommen, entdecke ich die ersten kleinen Klippen an der Steuerbordseite.
Auf den grasbewachsenen Vorsprüngen sitzen einige Papageitaucher und blicken neugierig in unsere Richtung. Zunächst gleiten wir durch geschütztere Gewässer, doch je näher wir der offenen Atlantikseite kommen, desto stärker spüren wir die Bewegung des Meeres und die kühle, salzige Brise.

Majestätische Vestmanna-Klippen und der Elephant Rock
Wir fahren weiter durch enge Meerengen, und die Aussicht wird immer beeindruckender. Die Klippen erscheinen wie riesige Felsenwände, die sich bis zu 700 Meter in den Himmel erheben. Nach der Hälfte der Fahrt taucht auf der Steuerbordseite das Highlight unserer Tour auf: der Elephant Rock. Diese markante Felsformation sieht aus wie ein riesiger Elefantenkopf, der majestätisch aus dem Wasser ragt.
Der Kapitän steuert das Boot immer näher an die Klippen heran, sodass ich die brütenden Papageitaucher mit ihren bunten Schnäbeln deutlich erkennen kann. Die Vögel fliegen um uns herum, während sie auf schmalen Felsvorsprüngen sitzen und sich dem stürmischen Wind aussetzen. Zum Glück schützt uns der Helm vor kleineren Steinen, die aus den Klippen brechen. Neben den Papageitauchern entdecke ich auch andere Seevögel wie Zwergmöwen und Tordalken, die in den Ritzen und Spalten der Klippen nisten.
Die Geräusche der Flügelschläge und das Rufen der Vögel übertönen jedes Gespräch, während wir durch die erste kleine Höhle fahren. Der Anblick der unberührten Natur und die Nähe zu den Tieren sind unbeschreiblich. Immer wieder weist der Kapitän auf einzelne Schafe hin, die mühelos die steilen Felsen hinaufklettern, als wäre der Wind für sie nur eine leichte Brise.
Das Wetter ist heute jedoch nicht auf unserer Seite, denn aus den grauen Wolken entlädt sich ein kräftiger Regenschauer. Das Meer ist rau, und die unruhige Fahrt des Kapitäns trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Dennoch lenkt die dramatische Landschaft meine Gedanken mehr auf die Natur als auf meine aufkommende Reiseübelkeit. Trotz der Turbulenzen fühle ich mich zu keiner Zeit unsicher.
Nach etwa 45 Minuten dreht der Kapitän das Boot um 180 Grad, und wir machen uns auf den Rückweg zur Pier. Kurz bevor wir wieder anlegen, reißt der Himmel auf und gibt den Blick frei auf die siebtgrößte Stadt der Färöer-Inseln – mit ihren 1.270 Einwohnern ein charmantes Ende unserer Tour.
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Fazit
Die Bootstour zu den Vestmanna-Klippen ist ein Abenteuer, das mich tief in die wilde Schönheit der Färöer-Inseln eintauchen ließ. Der Anblick der gewaltigen Felsen, die faszinierende Vogelwelt und die Fahrt durch enge Meereskanäle machen diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis. Für mich persönlich sind neben der markanten Felsformation des Elephant Rock vor allem die unzähligen bunten Papageitaucher das absolute Highlight.
Wer die Färöer-Inseln besucht, sollte sich außerdem die beeindruckende Steilklippe Trælanípa sowie die bizarre Felsformation Dunnesdrangar nicht entgehen lassen. Auch das Nationalmuseum in Tórshavn ist ein lohnenswerter Abstecher für Kulturinteressierte. Für Naturfreunde sind der malerische Múlafossur-Wasserfall und der mit 140 Metern höchste Wasserfall der Inseln, der Fossá, echte Highlights. Die Färöer-Inseln bieten unberührte Natur und atemberaubende Ausblicke, die in jeder Ecke ein neues Abenteuer bereithalten.
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