Wir bahnen uns den Weg durch eine tiefe Schlucht mitten in Saudi-Arabien, klettern über gewaltige Felsbrocken, während Paviane durch die grünen Baumkronen springen. Durch die Schlucht schlängelt sich ein Bach, der tiefe, türkisblaue Naturpools geformt hat. Der perfekte Ort für einen Sprung ins erfrischende Wasser. Wer hätte gedacht, dass ein solches Paradies in den Schluchten Saudi-Arabiens existiert? Willkommen im Wadi Lajab, Saudi-Arabiens verstecktem Naturwunder.
Lohnt sich der Besuch von Wadi Lajab in Saudi-Arabien?





Das Wadi Lajab ist ein rund elf Kilometer langer, bis zu 300 Meter tiefer Canyon in der südsaudischen Provinz Jazan. Die gewaltige Schlucht entstand vor Millionen von Jahren durch tektonische Verschiebungen und stetige Wassererosion. Historisch diente das Süßwasservorkommen den lokalen Beduinenstämmen der Al-Reeth-Region als überlebenswichtige Oase.
Heute gilt das Wadi als eines der bedeutendsten Naturwunder des Landes. Zehntausende Reisende und vor allem Einheimische besuchen die Schlucht jährlich für Trekking, Canyoning und Abkühlung in den wunderschönen Naturpools. Da Saudi-Arabien erst vor Kurzem seine Grenzen für Touristen öffnete, ist die Schlucht bisher wenig besucht. Für eine Erkundung benötigen Wanderer je nach Strecke drei bis acht Stunden mit Kletter- und Schwimmpassagen. Wie weit ihr letztlich in die Schlucht wandert, hängt also vor allem von euch selbst ab. Umkehren ist schließlich jederzeit möglich.
Anreise nach Wadi Lajab
| Lage: | Jazan |
| Anreise: | Mietwagen |
| Must-Do: | Schwimmen/Klettern |
| Hinweis: | Passt auf die Affen auf |
| Must-See: | türkisblaue Naturpools |
Die Anreise zum Wadi Lajab erfordert etwas Planung, da der Canyon im Süden des Landes liegt. Die meisten Reisenden kommen in Riad oder Dschidda an. Für das Wadi Lajab lohnt sich der Flughafen in Dschidda (Jeddah) meist mehr, da von dort aus der Weg entlang der Küste extrem gut angebunden ist.
Man leiht sich am besten einen Mietwagen direkt am Flughafen. Öffentliche Verkehrsmittel in die abgelegene Al-Reeth-Region gibt es praktisch nicht. Die gut ausgebauten Straßen sind mautfrei, allerdings empfiehlt sich für die letzten Kilometer ein Auto mit etwas Bodenfreiheit. Am Eingang des Canyons befindet sich ein gebührenfreier Schotterparkplatz.
Wichtig: Passt hier gut auf eure Wertsachen und Lebensmittel auf! Die dort heimischen Mantelpaviane sind extrem neugierig, agil und schlau. Sie werden versuchen, euer Essen zu stehlen, und können aggressiv werden.
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Klettern, Pools & Paviane
Wir parken das Auto und steigen aus. Vor uns ragt bereits der gigantische Eingang zum Canyon empor. Ich bin absolut begeistert, denn schon die Anfahrt hierher war landschaftlich ein absoluter Traum! Ich fühle mich augenblicklich wie Indiana Jones auf der Suche nach einem verborgenen Schatz. Die Felswände ragen steil in den Himmel, und auf einem der Felsvorsprünge sitzt eine Pavianfamilie. Man glaubt es kaum, aber Saudi-Arabien beheimatet unglaublich viele Affen! Wir machen uns startklar und marschieren los. Zunächst bahnen wir uns den Weg zwischen den Bäumen hindurch. Immer wieder huscht eine Gruppe Affen über die Felswände oder springt durch das Geäst. Schnell wird klar, dass uns hier keine gewöhnliche Wanderung erwartet, denn der Weg führt größtenteils über riesige Felsbrocken, die es zu überwinden gilt. Dann versperrt uns ein besonders mächtiger Brocken den Weg. Zum Glück ist genau hier eine Leiter befestigt, die uns den Aufstieg erleichtert. Das eigentliche Kletterabenteuer beginnt!
Vor uns tun sich bereits die ersten kleinen Naturpools auf. Nach etwa 30 bis 45 Minuten Klettern erreichen wir schließlich die ersten tiefen, türkisblauen Wasserbecken. Was für ein Anblick! Doch wir wollen weiter, denn wer weiß schon, welch atemberaubender Anblick hinter dem nächsten Felsen auf uns wartet? Wer noch tiefer in den Canyon vordringen möchte, muss an manchen Stellen sogar schwimmen, um weiterzukommen. Wie weit man die Schlucht erkundet, bleibt jedem selbst überlassen. Abenteuerlustige können hier bis zu acht Stunden verbringen, während die meisten Wanderer nach etwa zwei Stunden wieder umkehren. Verlaufen kann man sich dabei kaum, denn die Route ist selbsterklärend und führt immer weiter in den Canyon hinein. Zurück geht es schließlich auf demselben Weg bis zum Parkplatz.
Unsere kleine Oase im Wadi Lajab
Vor uns liegt ein absoluter Traum: Umgeben von riesigen Felsen tut sich ein spektakulärer Naturpool auf, so türkisblau, wie man sich sonst nur die Malediven vorstellt. Wir befinden uns mitten in der trockenen Landschaft Saudi-Arabiens und doch erscheint es einem wie in den Tropen. Das Wasser ist tief genug zum Baden, und es ist sogar ein Seil befestigt, mit dem man direkt ins Wasser schwingen kann. Was für ein wunderschöner Ort, um der Hitze zu entkommen!
Wir überlegen, ob wir noch weiterlaufen sollen, aber dieser Ort ist so schön, dass wir hier länger verweilen wollen und beschließen daher, später von hier aus umzukehren. Und so springen, schwimmen und lachen wir einfach, bevor wir uns schließlich mit einem breiten Grinsen auf den Rückweg machen.
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Fazit
Das Wadi Lajab ist ein Ort für echte Abenteurer. Man klettert über Felsen und schwimmt durch türkisblaues Wasser, nicht um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern weil der Weg selbst das Abenteuer ist. Die Paviane verleihen dem Canyon eine wilde, unberührte Atmosphäre. Nach sechs Monaten im Land kann ich auf jeden Fall sagen, dass dieser Canyon mein absoluter Lieblingsort in Saudi-Arabien ist. Er beweist zudem: Saudi-Arabien ist weit mehr als nur Sand und Wüste.
Wer Lust auf weitere Canyon-Abenteuer hat, sollte unbedingt das berühmte Wadi Al Disah im Norden erkunden. Diesen Ort kann man super mit einem Besuch in AlUla, dem wohl bekanntesten Ort in Saudi-Arabien, verbinden. Wer mehr Urlaubsfeeling bevorzugt, sollte zur Farasan-Insel im Süden weiterreisen. Oder doch Abenteuer im Empty Quarter?
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