Du bist ganz allein fernab jeglicher Zivilisation. Weit und breit ist kein Mensch in Sicht. Plötzlich öffnet sich eine tiefe Schlucht vor dir und du schwimmst durch das kühle, blaue Wasser. Über dir ragen hundert Meter hohe Steilwände auf, während du tiefer und tiefer in den Schlund der Erde gleitest. Willkommen im Somoto Canyon, einem der spektakulärsten Naturwunder Nicaraguas. Hier erfährst du, wie du dieses einzigartige Abenteuer auf eigene Faust erleben kannst.
Lohnt sich die Wanderung durch den Somoto Canyon?





Direkt hinter der Grenze zu Honduras verbirgt sich der Somoto Canyon. Hierbei handelt es sich um eine der ältesten Gesteinsformationen Zentralamerikas, deren Alter auf fünf bis 13 Millionen Jahre geschätzt wird. Kaum zu glauben, dass die fünf Kilometer lange Schlucht erst 2004 von Wissenschaftlern entdeckt wurde. Heute ist das geschützte Nationalmonument ein echtes Abenteuer-Highlight in Nicaragua.
Hier schlängelt sich der Río Coco durch bis zu 100 Meter hohe Vulkanfelswände. Und das Beste? Es erwartet dich ein echtes Expeditionserlebnis, bei dem du schwimmen, klettern und von Klippen springen musst. Der Canyon ist ein echter Geheimtipp, der erst vor Kurzem unter Reisenden und Outdoor-Fans bekannt geworden ist.
Fototipp: Der beste Fotospot befindet sich am kleinen Wasserfall. Hier ragen die Felswände besonders majestätisch empor und das Licht ist wesentlich besser als an anderen Stellen. Für mich persönlich ist das auch der schönste Teil des Canyons.
Anreise nach Somoto
| Strecke: | 5 km |
| Anreise: | Bus oder zu Fuß |
| Gehzeit: | 3 bis 6 Stunden |
| Must-Do: | Schwimmen im Canyon |
| Schwierigkeit: | moderat/einfach |
Der Somoto Canyon liegt zwischen der Kleinstadt Somoto und der honduranischen Grenze. Viele Reisende besuchen ihn im Rahmen einer Tagestour von Estelí aus. Entlang des Highways findest du jedoch auch zahlreiche Unterkünfte, von denen du direkt zum Canyon laufen kannst. Wer in der Stadt Somoto übernachtet, hüpft einfach in den Bus Richtung Grenze. Obwohl fast alle Unterkünfte Touren anbieten, kannst du den Canyon auch komplett auf eigene Faust und kostenlos erkunden. Bedenke dabei jedoch, dass der Tourismus für viele lokale Familien eine der wenigen Einnahmequellen ist. Außerdem kannst du nur mit einer Tour den ganzen Canyon erkunden. Diese dauert etwa sechs bis acht Stunden.
Ohne Guide machst du die kürzere, etwa drei bis fünf Stunden lange Route, die flussabwärts verläuft. Die Wanderung startet zwischen La Playa und Valle de Sonis. Wer es gemütlicher mag, kann sich direkt in ein Boot setzen. Am anderen Ende des Canyons in Valle de Sonis werden Bootstouren zum schönsten Teil der Schlucht angeboten. Hier fallen Eintritt und Bootsgebühr an.
Pack unbedingt Schuhe ein, die nass werden dürfen, sowie einen Drybag für dein Handy und deine Wertsachen. Denk außerdem an genügend Wasser und Snacks. Ganz wichtig: Stell dich darauf ein, nass zu werden. Der Canyon ist stellenweise so tief, dass du schwimmen musst!
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Der Weg ins Nirgendwo
Der Tag ist endlich gekommen. Ich schnappe mir meinen Drybag und laufe wenige Meter den Highway entlang, bis der Pfad in die Wildnis abzweigt. Ich folge dem Weg, bis ich schließlich das Flussufer erreiche. Das ist der Start des eigentlichen Abenteuers. Die Landschaft ist jetzt schon wunderschön und zieht mich komplett in ihren Bann. Ich balanciere über riesige, wackelige Steinblöcke, bis ich schließlich ins Wasser steigen muss. Das Wasser ist angenehm kühl, doch plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen. Jetzt geht es richtig los. Ich schwimme, klettere über Felsen, rutsche aus, falle, springe und schwimme immer weiter. Um mich herum herrscht im Somoto Canyon absolute Wildnis. Schritt für Schritt verschlingt mich der Canyon immer tiefer.
Ich lasse mir Zeit, denn jede Ecke dieses Canyons ist absolut faszinierend. Je tiefer ich hineingleite, desto schöner wird die Kulisse. Die Felsen ragen inzwischen so steil empor, dass man kaum noch den Himmel sieht. Und plötzlich stehe ich am Abgrund: vor mir die Kante eines kleinen Wasserfalls und eine hohe Klippe. „Wie komme ich hier nur runter?“, frage ich mich. Da entdecke ich ein blaues Seil, das neben dem Wasserfall in die Tiefe hängt. Das muss der Weg sein! Ich greife nach dem Seil und springe mehr, als dass ich klettere, den Wasserfall hinunter.
Der Wasserfall im Somoto Canyon
Dieser Spot ist so magisch, dass ich mir erst einmal ein Picknick auf den Felsen ausbreite, die Wände erklimme und von den Klippen springe. Ich kann gar nicht glauben, dass ich diesen Ort ganz für mich allein habe. Doch die Idylle hält nicht ewig: Plötzlich biegt ein Boot um die Ecke, vollgepackt mit Touristen, die mich völlig perplex anstarren. Dahinter schlängeln sich sieben Leute in aufblasbaren Reifen, denn alle wollen zu diesem einen wunderschönen Spot. Für mich ist das der Weckruf: Zeit, den Somoto Canyon zu verlassen.
Ich schwimme weiter, bis die Felswände langsam kleiner werden und schließlich ganz verschwinden. Von hier aus könnte man mit einem Boot zurückfahren, aber ich entscheide mich dafür, die letzten Kilometer zu schwimmen. Dass man den Weg auch laufen kann, sehe ich erst zu spät, aber die Herausforderung hat sich längst in meinen Kopf gebrannt. Ich ziehe durch, bis ich den Bootssteg erreiche. Dreckig, außer Atem und klatschnass mache ich mich auf den Rückweg zu meiner Unterkunft. Ich kann gar nicht glauben, dass das alles wirklich passiert ist. Was für ein Abenteuer!
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Fazit
Der Somoto Canyon ist ein absolutes Abenteuer und definitiv einer meiner Lieblingsspots in Nicaragua. Da er abseits der üblichen Touristenroute liegt, lassen ihn viele aus, was meiner Meinung nach ein riesiger Fehler ist! Der Canyon gehört zu den Top-Attraktionen des Landes und die weite Anreise lohnt sich absolut. Wer Lust auf unberührte Natur hat und durch eine Schlucht klettern, schwimmen und von Klippen springen möchte, darf dieses Highlight nicht verpassen. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für einen Besuch, bevor der Massentourismus einsetzt. Mein Tipp: Besuche den Somoto Canyon früh morgens, um den Bootstouristen aus dem Weg zu gehen.
Wer bereits in Somoto ist, sollte Ocotal unbedingt mitnehmen. Der Ort punktet mit schönen Wasserfällen und ist näher am Cañón de los Cerros Pegados, einem Canyon, der sogar noch unberührter ist als der Somoto Canyon.


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