Wir lassen den Unteren Gaisalpsee hinter uns und steigen weiter auf. Die Aussicht bleibt so genial wie die ganze Zeit schon. Wasserfälle haben wir bereits passiert, eine Pause am glasklaren Bergsee eingelegt und über den Weitblick in Richtung Tal gestaunt. Je höher wir nun Richtung Gipfel des Rubihorns kommen, umso mehr beeindruckt uns die umliegende Bergwelt. Da rückt die konditionelle Herausforderung ja schon fast in den Hintergrund.

Lohnt sich die Wanderung zum Rubihorn?

Das 1.957 Meter hohe Rubihorn liegt östlich von Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Genau wie das Nebelhorn gehört es zur Daumengruppe. Vor einigen Jahren, in 1987, kam es zu einem großen Felssturz. Dabei haben sich zwischen 10.000 und 15.000 m³ gelöst, die Richtung Tal gedonnert sind. Die Ausmaße des Felssturzes sind noch heute gut sichtbar.

Die Wanderung zum schroffen Gipfel des Rubihorns ist eine beliebte, mittelschwere Bergtour. Bis zum höchsten Punkt gilt es, vorbei an Wasserläufen, Almwiesen und dem Unteren Gaisalpsee, über 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Insgesamt solltet ihr für die Wanderung fünf Stunden einplanen.

Instatipp: Kurz vor dem Unteren Gaisalpsee seht ihr einen Absatz und einen Berghang. Dort donnert ein Wasserfall in die Tiefe. Gemeinsam mit dem Gaisalpsee im Hintergrund und der Bergkulisse rundherum, ist das ein Top-Fotospot.

Anreise nach Reichenbach

Ausgangspunkt der Wanderung ist Reichenbach bei Oberstdorf im Allgäu. Die Fahrzeit mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz beträgt aus München kommend etwas mehr als zwei Stunden. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig. Das Tagesticket kostet 2,50 Euro und der Parkscheinautomat wechselt nicht, sondern nimmt den Betrag nur passend. Außerdem sind die Parkplätze begrenzt. Gerade in der Ferienzeit solltet ihr also früh starten.

Ihr könnt den Ort aber auch öffentlich erreichen. Dazu fahrt ihr bis Oberstdorf mit der Bahn und steigt dann in den Bus nach Reichenbach um. Die Fahrzeit zwischen Oberstdorf und Reichenbach beträgt ca. 6 Minuten.

Wasserfälle, Bergseen und urige Hütten

Startpunkt:Parkplatz Reichenbach
Strecke:10,8 km
Höhenmeter:1.082 Meter
Gehzeit:5 Stunden
Beste Reisezeit:Juni bis Oktober

Vom Wanderparkplatz aus folgt ihr zuerst der Straße ein Stück weiter, bevor ihr auf den Tobelweg abbiegt. Im Dialekt wird ein enges Tal als „Tobel“ bezeichnet. Daher hat der Weg auch seinen Namen. Denn er führt am Gaisalpbach entlang. Immer wieder gibt es kleinere und größere Wasserfälle am Wegesrand zu bestaunen und über Stufen und Brücken geht es hinauf zur Gaisalpe.

Wenn der Weg im Winter oder bei Hochwasser gesperrt sein sollte, könnt ihr alternativ zur Gaisalpe über die Fahrstraße aufsteigen. Diese Variante ist auch mit Kinderwägen und elektrischen Rollstühlen zu meistern. Oder ihr überwindet das erste Stück mit dem Fahrrad. Auf der großen Almwiese gibt es gleich zwei Einkehrmöglichkeiten. Die Untere Richteralpe mit ihrer großen Sonnenterrasse und dahinter den Berggasthof Gaisalpe, der etwas größer ist und auch im Winter geöffnet hat. Es gibt selbstgebackene Kuchen und deftige Brotzeit.

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Kurze Pause am Unteren Gaisalpsee

Wir verschieben den Einkehrschwung auf später. Denn bis zur Gaisalpe sind wir zwar eingelaufen und genießen auch kurz den Blick über Kempten und Sonthofen, aber erst im Anschluss geht es richtig los. Wir folgen einem schmalen, aber sehr steilen Weg durch den Wald nach oben. Auf diesem Stück legen wir einige Höhenmeter zurück. Anstrengend ist es.

Die Belohnung folgt auf dem Fuß. Denn kaum verlassen wir den Wald, erblicken wir einen tollen Aussichtspunkt auf den Unteren Gaisalpsee mit dem Wasserfall, der über die steile Felsstufe davor in Richtung Tal donnert. Dahinter erhebt sich das Rubihorn. Der Wasserfall ist im Winter übrigens auch bei Eiskletterern beliebt.

Am See selbst legen wir eine kurze Pause ein. Lange halten wir uns aber nicht auf. Denn noch immer liegen 400 Höhenmeter bis zum Gipfel vor uns und die haben es noch mal in sich. Kehre um Kehre geht es über Geröll und losen Untergrund steil bergauf. An dieser Stelle ist Trittsicherheit erforderlich. Und auch konditionell fordert der steile Anstieg seinen Tribut. So bin ich dankbar, als es schließlich auf einem Wegweiser heißt, dass der Gipfel nur noch 15 Minuten entfernt ist.

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Einkehrtipp

Nach der Wanderung zum Rubihorn lohnt der Einkehrschwung in die Gaisalpe oder Untere Richteralpe. Auf der Karte stehen typisch bayerische Gerichte und Schmankerl.

Geniale Aussicht vom Gipfel

Auf den letzten Metern warten noch ein paar spannende Stellen, die zum Teil auch mit Drahtseil und Trittbügeln abgesichert sind. Unter uns geht es nämlich richtig steil nach unten. Dadurch haben wir auch einen genialen Tiefblick auf die Dächer von Oberstdorf hinab. Dann erblicken wir endlich das Gipfelkreuz.

Wir sind nicht alleine hier oben. Aber dadurch, dass man sich auch an einem Nebengipfel aufhalten kann, verteilen sich die Menschen etwas. Ich schnaufe durch und lasse dann den Blick über das herrliche Panorama schweifen. Neben Oberstdorf blicke ich im Tal auf Sonthofen und den bekannten Grünten. Auf der anderen Seite sehe ich den Hohen Ifen und die Kanzelwand, zwei Skiberge, die zum Skigebiet Oberstdorf-Kleinwalsertal gehören. Weiter schweift der Blick über den markanten Hochvogel, auch als das Matterhorn der Allgäuer Alpen bekannt, und das Nebelhorn mit der Bergstation am Gipfel. Darunter spiegelt sich die Sonne im Gaisalpsee. Es ist eine traumhafte Aussicht!

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Fazit

Die Tour zum Rubihorn ist eine Bergwanderung, die nicht sonderlich schwierig ist, aber gerade in den steilen Stücken dennoch Kondition und Trittsicherheit fordert. Wenn ihr beides mitbringt, lohnt sich der Aufstieg zum Gipfel auf jeden Fall. Und dadurch, dass die Tour nicht allzu lange ist, könnt ihr euch auch ausreichend Zeit für die Wanderung lassen. Solange das Wetter das zulässt, versteht sich. Den Wetterbericht solltet ihr nämlich im Auge halten. Bei Gewittergefahr solltet ihr besser umkehren. Auch Regen ist keine Option. Dann wird der Weg nämlich sehr rutschig.

Wer nicht bis zum Gipfel aufsteigen möchte, kann auch den Gaisalpsee als Ziel wählen. Dort kühlt sich der eine oder andere Wanderer im Hochsommer gerne ab und geht baden.

Weil die Wanderung zum Rubihorn so beliebt ist, solltet ihr außerdem früh starten, um vor den anderen Wanderern am Gipfel anzukommen. Außerdem empfiehlt es sich, die Ferienzeit und schöne Wochenendtage im Hochsommer zu meiden, wenn das machbar ist.

Das Rubihorn ist übrigens nur eine von vielen Wanderungen in der Umgebung. Vom selben Ausgangspunkt könnt ihr auch auf den Entschenkopf oder das Gaisalphorn aufsteigen. Lohnenswert ist der Aufstieg aufs bekannte Nebelhorn. Normalerweise erreicht ihr das Nebelhorn auch mit der Seilbahn. Die ist aber aktuell aufgrund von Erneuerungsarbeiten außer Betrieb und wird erst Ostern 2021 wieder eröffnet.

Lage

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