Der Schrecksee im Allgäu zählt zu den schönsten Bergseen Deutschlands. Blau leuchtet er aus der umliegenden Berglandschaft hervor. Rundherum wird er von grünen Wiesen eingerahmt und in der Mitte gibt es sogar eine Insel. Das haben mir die Bilder auf Instagram gezeigt. Doch um dort hinzukommen, müsst ihr zuerst eine dreieinhalbstündige Wanderung in Kauf nehmen. Lohnt sich die Wandertour das wirklich?

Lohnt sich die Wanderung zum Schrecksee im Allgäu?

Der Schrecksee liegt in den Allgäuer Alpen auf 1.813 m. Rund herum ragen die Berge Knappenkopf, Kirchendach, Kälbelespitze sowie Kastenkopf, Lahnerkopf im Süden und Älpelekopf in die Höhe. Der Gebirgssee liegt in Bayern. Die Grenze zum Nachbarland ist jedoch nicht weit. Nur 300 m weiter auf dem Sattel des Kirchendachs geht es nach Tirol hinüber.

In den 1950er Jahren wurde der Wasserpegel des Sees durch Aufstauen um 8 Meter erhöht. Das gezielte Stauen von Wasser wurde wegen des weiter unten gelegenen Elektrizitätswerks vorgenommen. Die Insel, die heute aus dem Wasser ragt, ist dadurch entstanden. Vor der Erhöhung des Pegels war es lediglich eine Halbinsel.

Auch wenn die Umgebung beliebt ist und man an diesem Ort am liebsten Aufwachen würde, ist Zelten am Schrecksee ausdrücklich verboten. Die Polizei kontrolliert die Einhaltung des Verbots regelmäßig. Auch Baden im See mit Duschgel oder zu viel Sonnencreme schadet der Natur. Also achtet darauf, keinen Müll im Naturschutzgebiet zu hinterlassen und nehmt gegebenenfalls auch fremden Müll mit ins Tal, um diesen Ort so wunderschön zu erhalten.

Instatipp: Der See wirkt von oben am eindrucksvollsten. Dann leuchtet er in sattem Blau. Dafür müsst ihr noch einen kurzen Zusatzanstieg zum Kirchendachsattel in Angriff nehmen.

Anreise nach Hinterstein

Wir reisen mit dem Auto von München nach Hinterstein, einem Ortsteil von Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu. Die Fahrzeit beträgt knapp zwei Stunden. In Hinterstein (856 m) erinnert eine Innschrift an einem Haus an den Aufenthalt von Konrad Zuse und seiner Frau im Jahr 1945. Hier hielt der bekannte Bauingenieur und Erfinder seine Zuse Z4 vor den alliierten Truppen in einem Schuppen versteckt. Die Z4 wurde 1950 zum ersten kommerziellen Computer weltweit.

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz „Auf der Höhe“ am Rande von Hinterstein. Die Parkgebühr kostet 4 Euro pro Tag. Es ist aber nicht erlaubt, mehrere Tage den PKW stehenzulassen.

Mit dem Wanderbus könnt ihr noch etwas weiter ins Tal hineinfahren. Dort gibt es eine Haltestelle am Wasserkraftwerkt Auele. Dadurch spart ihr euch zwar nur knapp 100 Höhenmeter, aber einiges an Wegstrecke. Allerdings fährt der Bus nicht regelmäßig.

Hier geht’s zum Fahrplan>

Mit leichtem Rucksack zum Bergsee

Start:Parkplatz „Auf der Höhe“
Strecke:17 km
Höhenmeter:1.241 m
Gehzeit:7 Stunden
Beste Reisezeit:Juni bis September

Wir schnüren die Wanderschuhe und schultern den Rucksack. Bei der Wanderung zum Schrecksee handelt es sich um eine lange, aber technisch einfache Bergtour. Die Ausrüstung ist dementsprechend leicht. Für den langen Aufstieg haben wir ausreichend Wasser dabei. Außerdem sind ein paar Energieriegel im Gepäck und weil es während des Aufstiegs im Frühling noch recht frisch ist, auch warme Kleidung. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten unterwegs.

Die Wanderung ist mit 3,5 Stunden bis zum See ausgeschrieben und es müssen insgesamt über 1.200 Höhenmeter zurückgelegt werden. Dabei steigen wir zuerst steil über Wiesen und später schottrig durch einen Waldhang hindurch auf. Ein kleiner Stausee liegt am Wegesrand. Im Sommer ist das Gewässer bestimmt eine erste willkommene Abkühlung. Während wir aufsteigen, ist der See abgelassen und wird von Schlamm und Dreck gereinigt. Erst beim Abstieg läuft er langsam voll.

An der Taufersalpe auf 1.338 m erwartet uns die Ruine einer ehemaligen Hütte und es wird kurzzeitig flacher. Nebelschwaden hängen in den umliegenden Berghängen. Dieser Platz eignet sich für eine kurze Pause. Die Felsen, die überall verstreut sind, sind die idealen Sitzgelegenheiten. Außerdem braucht ihr die Energie, denn anschließend wird es wieder steiler.

Oh nein! Es liegt noch Schnee

Über den Schotter und durch Schlamm ist der folgende Aufstieg teilweise gar nicht so einfach. Immer wieder münden kleine Wasserfälle auf dem Weg und machen den Untergrund noch rutschiger. Da setzen wir vorsichtig einen Schritt vor den anderen und erreichen schließlich eine Hochebene. Damit sind wir aber noch nicht am Ziel. Jetzt gilt es noch 30 Minuten Schneefelder zu queren.

Richtig gelesen. Wir stapfen durch Schneefelder. Und die sind gar nicht so klein. Wenn ich den Kopf hebe, blicke ich ringsum ebenfalls auf schneebedeckte Hänge. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich dachte auf 1.800 m Höhe sei es schon frühlingshafter. In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Der Schrecksee wird ja wohl nicht auch noch schneebedeckt sein. Oder etwa doch?

Tja. Ist er wohl. Eine Eisschicht überzieht den kompletten See. Ein bisschen macht sich bei mir die Enttäuschung breit. Aber nur, weil die Erwartungshaltung so ganz anders war. Ich habe mich auf einen tiefblauen See mit einer kleinen Insel in einer eindrucksvollen Bergwelt eingestellt. Doch obwohl es nicht nach Bergsee aussieht, sieht es dennoch richtig schön aus. So wirkt die Landschaft hochalpin. Als liege ein Gletscher vor uns. Und wenn sich hin und wieder die Nebelschwaden ein bisschen verziehen und Sonnenstrahlen durchlassen, glitzern Teile des Eises hellblau in der Sonne. Das schaut richtig schön aus.

Beste Aussicht vom Kirchendachsattel

Den besten Blick auf den See habt ihr übrigens vom Kirchendachsattel aus. Dafür müsst ihr zwar noch mal etwa 100 Höhenmeter aufsteigen, aber das lohnt sich. Denn so seid ihr nicht mehr im Talkessel, sondern auf einem Grat und könnt auf beide Seiten blicken. Dort oben verläuft die Staatsgrenze. So stehe ich wenig später mit einem Fuß in Deutschland und mit einem in Österreich.

Ich genieße die Aussicht auf den Schrecksee und stelle ihn mir gedanklich an einem heißen Sommertag vor. Dann liegt er da zwischen den grünen Wiesen und glitzert im herabfallenden Licht. Die Sonne brutzelt von oben hinunter. Und nach dem anstrengenden Anstieg sucht der eine oder andere Wanderer eine kurze Erfrischung im kühlen Nass. Ja, so könnte das hier aussehen.

Auf der anderen Seite blicke ich nach Österreich. Dort unten liegt der Vilsalpsee. Von Tannheim kommend könnt ihr über den See ebenfalls in Richtung Kirchendachsattel aufsteigen und dann weiter zum Schrecksee hinunter. Das dauert kaum länger als aus Hinterstein.

Auch interessant: Die 10 schönsten Bergseen der Alpen

Fazit

Der Aufstieg zum Schrecksee hat sich auch bei diesen winterlichen Verhältninssen gelohnt. Denn die Wanderung selbst ist schon richtig schön. Abwechslungsreich geht es zuerst durch den Wald, dann über Felder und schließlich steiler mit Aussicht im Talschluss hinauf. Durch die verschiedenen Abschnitte kam mir die Tour am Ende gar nicht so lang vor.

Wenn ihr den See jedoch in seiner vollen Pracht sehen wollt, solltet ihr eher im Hochsommer gehen. Ab Juni sei der See normalerweise frei, hat man mir später gesagt. Dann könnte es aber auch sein, dass deutlich mehr Wanderer auf dem Weg sind. Denn während wir Anfang Mai nahezu alleine unterwegs waren, ist der See im Hochsommer ein beliebter Spot für Wanderer und vor allem für Fotografen. Also plant euren Ausflug besser nicht an einem Wochenende in der Ferienzeit.

Ein bisschen Kondition solltet ihr außerdem auch mitbringen. Technisch ist es nicht schwierig, aber am Ende des Tages hatten wir eine Strecke von 18 km zurückgelegt. Gemeinsam mit den Höhenmetern ist das schon recht fordernd. Aber da der See nicht mit dem Auto oder einer Seilbahn erreichbar ist, habt ihr euch den Blick am Ende auch im wahrsten Sinne des Wortes „verdient“.

Lage

Praktische Links

Kommentar verfassen