Es gibt nur sehr SEHR wenig, was mich zu Hause in Europa dazu bringen würde, um vier Uhr morgens aufzustehen. Und schon gar kein Sonnenaufgang. Aber irgendwie scheint es auf Reisen eine Art Kodex zu sein, dass man sich da an den weniger als fünf Stunden Schlaf nicht stört. Besonders wenn es sich dabei um einen Sonnenaufgang über der berühmten Angkor Tempelanlage in Siem Reap in Kambodscha handelt.

Lohnt sich ein Besuch in den Tempeln von Angkor Wat?

Ankor Wat zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes und gilt als nationales Symbol in Kambodscha. Deswegen ist es auch auf der Landesflagge zu sehen. Mehrere Tempel, aus der Zeit des 9. bis 15. Jahrhunderts, zum Teil Ruinen oder in einem schlechten baulichen Zustand, stehen auf dem Gelände nördlich von Siem Reap und bilden den größten Tempelkomplex der Welt. Sozusagen ein Freiluftmuseum, das jeder Besucher auf seine ganz eigene Weise erkunden kann.

Weil in unmittelbarer Umgebung auch ein internationaler Flughafen steht, ist die Anreise sogar per Flugzeug aus zahlreichen Großstädten in Asien möglich. Zahlreiche Reisende verbringen aber tatsächlich auch nur wenige Tage in Kambodscha, eben gerade, weil Angkor Wat so praktisch liegt und zur Not auch in einem Tag besichtigt werden kann. Deswegen ist der Besucherandrang oftmals entsprechend groß.

Schon am Ticketschalter staut es sich. Wenn es bei den ganzen Minibussen vor dem Gebäude noch nicht klar war, dann spätestens jetzt. Die Wahl besteht zwischen einem 1-Tages-Ticket und einem 3-Tage-Ticket. Beide völlig überteuert, wenn man das Preisniveau in Betracht zieht, das sonst so in Kambodscha herrscht. Da ich aber möglichst viel von der Tempelanlage sehen möchte, entscheide ich mich für das 3-Tage-Ticket.

Ich mache es kurz: Bei Ankunft am Angkor Wat Tempel steht eine große Masse von Menschen vor dem See, den es zu fotografieren gilt, wenn die aufgehende Sonne einen Schatten auf die Oberfläche wirft. Das ist der Ort, wo ich nicht bin. Als sich der Himmel dann endlich verfärbt, kommt Bewegung in die Menge und im aggressiven Ton wird über die Köpfe gebrüllt, sich gefälligst wieder hinzusetzen.

Nach dem Sonnenaufgang wird es besser

LageSiem Reap
Preis37 USD (Tagesticket)
Anzahl TempelMehr als 1000
Entstehung9. bis 15. Jahrhundert
Must-SeeTempel Preah Khan

Zu der geführten Vormittagstour inklusive Sonnenuntergang gehört neben einer Führung durch Angkor Wat auch die Besichtigung der benachbarten Tempel von Bayon und Ta Prohm. Und ganz ehrlich, ich verstehe den Hype um Angkor Wat nicht. In Ta Prohm wachsen gigantische Bäume aus dem Tempel in den Himmel, so dass ich (wenig intelligent) wirklich mit offenem Mund dastehe.

Die Atmosphäre dieses Ortes, alte Kulturen, vergangene Jahrhunderte, Geschichte und Vergänglichkeit quillt aus jedem Stein, aus jeder Fuge, aus jedem eingefallenem Gang. Die gelben Blätter fallen von den Bäumen als wäre es Herbst, reflektieren die Sonne und die Zeit steht ein bisschen still. So stelle ich mir Geschichte vor. Hier lebt, was eigentlich schon lange tot und vergangen ist.

Auf Expedition im Bayon-Tempel

Und ebenso ewig ist der Blick. Diese Gesichter, die in Stein gehauen von den Türmen des Bayon-Tempels schauen, haben schon viele Seelen kommen und gehen gesehen. Warum sollte meine da eine Ausnahme sein?

Die Sonne brennt, Affen dösen im Schatten, ich verlasse die Gruppe. Völlig hingerissen bleibe ich an jeder Ecke stehen, starre die Säulen hinauf, schiebe mich durch enge Durchgänge und gehe verloren. In dem Tempel, in der Ruine, in einem Meisterwerk, das überdauert. Hier offenbart sich die Magie des Ortes, die beim Ansturm beim Sonnenaufgang keine Chance gehabt hat. Für Abenteurer, Träumer und Romantiker.

Zur goldenen Stunde ganz allein im Tempel Preah Khan

Die Grillen in den Bäumen sind derart laut, dass man schon von Gebrüll sprechen kann. Meine Ohren sind also völlig überlastet, während ich mich mit dem (viel zu kleinen) Leihfahrrad die kurvige Straße hinaufkämpfe. Es sind nämlich immer noch knapp 30 Grad, obwohl es schon nach 5 Uhr am Nachmittag ist. Der Tempel schließt aber um halb 6, also muss ich mich beeilen.

Preah Khan ist eine der Anlagen, die am weitesten entfernt ist und daher ist die Besucherzahl entsprechend gering. Ich bin die letzte, die noch in den Tempel gelassen wird, während der Aufseher schon auf seine Armbanduhr tippt.

Die Sonne ist nur noch knapp über dem Horizont, das Licht ist golden, aber viele Gänge des Tempels liegen schon in der Dunkelheit. Teile davon sind eingestürzt, Lianen und Baumwurzeln graben sich durch das Gemäuer und klammern sich an die Wände.

Fazit

Auch wenn alles friedlich ist, so stehen die feinen Härchen auf meinem Arm trotzdem zu Berge. Dieser Moment ist besonders unbeschreiblich, weil ich einen klitzekleinen Einblick von dem bekomme, was die Ewigkeit dieses Ortes bedeutet. Es gibt keine Geräusche außer meine Schritte, keinen Herzschlag hier außer meinem und die kompromisslose Atmopshäre dieses Tempels, die alles auszufüllen scheint.

Das ist ein Highlight, selbst für Menschen wie mich, die null Sinn für Spiritualität haben. Denn hier in der Stille, mitten im Wald, in Abwesenheit anderer Menschen passiert etwas, das sich beim Sonnenaufgang oder auch Sonnenuntergang über Angkor Wat sicher nicht finden lässt.

Lage

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