Attersee-Klettersteig: Adrenalin pur im Salzkammergut

Ich ziehe mich am Stahlseil den sogenannten Schokoladenüberhang hinauf. Meine Hände schwitzen, der Puls ist hoch. Der Attersee-Klettersteig auf den Mahdlgupf ist eine echte alpine Herausforderung – aber mit Postkartenblick. Während ich über Eisenstifte die schroffe Wand bezwinge, schimmert der Attersee türkisblau tief unter meinen Füßen. Wer sich zutraut, den schweren Einstieg und die knackigen Schlüsselstellen zu klettern, wird mit einer der schönsten Klettersteigtouren im Salzkammergut belohnt. Ein Erlebnis voller Adrenalin – das bleibt: in Muskeln, Kopf und Herz.

Lohnt sich der Klettersteig am Attersee?

Der Attersee-Klettersteig ist nichts für Einsteiger – aber genau das macht ihn so besonders. Die Route über 600 Höhenmeter ist durchgehend mit Stahlseilen gesichert und erfordert alpine Erfahrung, Trittsicherheit sowie Armkraft. Mehrere Schlüsselstellen sind mit der Schwierigkeit D/E bewertet, insbesondere der direkte Einstieg sowie der sogenannte Schokoladenüberhang.

Auch in der Ausstiegswand befindet sich eine weitere schwierige Passage. Insgesamt ist der Steig sehr ausgesetzt, bietet aber durchgehend eine beeindruckende Aussicht auf den Attersee. Für die Tour sollte man rund fünf Stunden einplanen, wovon – je nach Erfahrung und Können – etwa drei Stunden für den Klettersteig veranschlagt werden sollten. Am Gipfel des Mahdlgupfs angekommen, wird man mit einem großartigen Rundblick über das Salzkammergut und seine Seen belohnt.

Fototipp: Im Klettersteig gibt es viele Stellen, an denen man actionreiche Fotos machen kann – mit ordentlich Tiefblick und dem Attersee im Rücken. Achtet dabei immer auf eine gute Selbstsicherung und befestigt euer Handy oder eure Kamera am besten zusätzlich. Ein besonders cooler Spot liegt beim kleinen Rastplatz etwa nach zwei Dritteln der Tour. Hier hat man nicht nur eine tolle Aussicht, sondern kann auch in Ruhe Fotos machen, während andere Kletterer euch überholen.

Anreise nach Weißenbach am Attersee

Ausgangspunkt:Weißenbach am Attersee
Höchster Punkt:Mahdlgupf 1.261 m
Höhenmeter:870 hm (Klettersteig: 600 hm)
Schwierigkeit:D/E
Dauer:5,5 Std.

Der Ausgangspunkt für den Attersee-Klettersteig befindet sich im Ortsteil Weißenbach der Gemeinde Steinbach am Attersee.

Wer aus München anreist, fährt am besten über die A8 Richtung Salzburg und weiter über die A1 Richtung Linz bis zur Ausfahrt Mondsee (Achtung: Vignettenpflicht). Von dort geht es entlang des Mondsees nach Unterach am Attersee und dann am Südufer entlang bis nach Weißenbach. Gleich nach der Ortseinfahrt befinden sich auf der rechten Straßenseite mehrere große, kostenpflichtige Parkplätze.

Eine öffentliche Anreise zum Klettersteig ist eher aufwändig und zeitintensiv. Es gibt Zugverbindungen nach Seewalchen, von wo aus man mit der Postbus-Linie 562 nach Weißenbach am Attersee weiterfährt. Je nachdem, woher man anreist und wohin man danach möchte, ist das Auto bei dieser Bergtour meiner Meinung nach die deutlich angenehmere und flexiblere Variante.

Was man für den Attersee-Klettersteig braucht

Der Attersee-Klettersteig auf den Mahdlgupf ist lang und anspruchsvoll – er ist nicht für das Projekt „Mein erster Klettersteig“ geeignet. Man sollte ihn wirklich nur gehen, wenn man bereits Erfahrung mit schweren Klettersteigen gesammelt hat und mit ausgesetzten Passagen sowie D/E-Stellen vertraut ist. Unverzichtbar ist eine vollständige Klettersteigausrüstung bestehend aus Helm, Gurt, Klettersteigset und Selbstsicherung. Für den schweren Einstieg empfiehlt sich zusätzlich ein kurzes Sicherungsseil, mit dem der Nachsteiger an besonders schwierigen Stellen nachgesichert werden kann.

In den möglicherweise nassen Passagen, wie etwa an der „Weißen Wand“, sind gute, rutschfeste Klettersteig- oder Zustiegsschuhe mit griffiger Sohle essenziell. Klettersteighandschuhe mit vollem Fingerschutz machen die vielen Seilmeter angenehmer. Eine Gipfeljause, energiereiche Snacks und ausreichend Wasser gehören natürlich in den Rucksack – denn sowohl der Rastplatz als auch der Gipfel selbst laden zur verdienten Pause mit Seeblick ein.

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Direkt zur Sache: Schlüsselstelle im Einstieg

Nach einem etwa 30-minütigen Zustieg durch den Wald erreichen wir den Einstieg und ziehen unsere Klettersteig-Ausrüstung an. Ich klinke meine Karabiner ins Stahlseil, klettere in den Überhang – und hänge keinen Meter weiter schon voll im Seil. Meine Muskeln sind noch zu kalt für einen so knackigen Einstieg, und auch für den Kopf ist es eine Herausforderung.

Die mit D/E bewertete Stelle ist keinesfalls leichter, und ich muss wirklich all meine Kraft zusammennehmen, um mich zum nächsten Punkt hochzuziehen. Geschafft! Ich verstehe, dass hier kleinere Personen oder weniger geübte Klettersteiggeher schnell an ihre Grenzen kommen. Sobald man den Einstieg gemeistert hat, wird der Steig zwar nicht unbedingt einfacher, aber man kann ihn flüssiger klettern – und einige Höhenmeter weiter oben kann man bereits den Ausblick auf den Attersee ein bisschen genießen.

Adrenalin und Schweiß statt Schokolade

Bis zur „Weißen Wand“ ist der Klettersteig mit überwiegend B- und einigen C-Stellen etwas weniger kräftezehrend. Hier finde ich meinen Rhythmus. Gleich danach geht es über die „Hühnerleiter“ auf sehr ausgesetzten Eisenstiften die Wand entlang zur nächsten Schlüsselstelle – dem „Schokoladenüberhang“. Der Name täuscht: Süß ist hier nichts – zumindest nicht körperlich. Ich muss mich ziemlich nach außen in den Überhang lehnen, sauber treten und mutig ziehen, um darüber zu steigen.

Meine Hände sind schwitzig und ich spüre den Pump in den Unterarmen. Danach geht es direkt weiter ins „Waschbrett“, eine Kletterpassage, die mit etwas Geschick sogar ziemlich lustig zu meistern ist. Hinter mir leuchtet der Attersee türkisblau herauf. Spätestens beim Rastplatz nehme ich mir endlich Zeit, diesen unglaublichen Ausblick zu genießen.

Zwei Drittel liegen nun hinter uns! Im Vergleich zu dem, was wir schon gemacht haben, empfinde ich den weiteren Zackengrat als relativ einfach. In der Schlusswand gibt es noch einmal eine D-Stelle, die jedoch weniger überhängend ist. Nach dem Ausstieg klinken wir die Karabiner aus und gehen die letzten Meter zum Gipfelkreuz am 1.261 Meter hohen Mahdlgupf. Der Attersee-Klettersteig ist geschafft!

Auch interessant: Klettersteig an der Drachenwand über dem Mondsee

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Fazit

Im Abstieg vom Mahdlgupf kommen wir am Schoberstein vorbei. Der beliebte Aussichtsberg ist vor allem zum Sonnenuntergang ein toller Spot – allerdings stark frequentiert. Nach dem Klettersteig kann man sich am besten gleich im Attersee abkühlen und den Tag entspannt ausklingen lassen. Vom selben Parkplatz aus führt auch eine angenehme Wanderung zum idyllischen Nixenfall, einem schönen Wasserfall, der sich auch für Familien mit Kindern eignet.

Wer noch nicht genug hat oder nach Alternativen sucht: In der Nähe wartet die Drachenwand am Mondsee mit einem etwas einfacheren, aber nicht weniger luftigen Klettersteig samt Hängebrücke. Auch der Traunstein oder der Erlakogel am Traunsee sind lohnende Ziele für ambitionierte Bergsteiger. Das Salzkammergut hat für jedes Level das passende Abenteuer parat – und der Attersee-Klettersteig ist definitiv eines der eindrucksvollsten.

Lage

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