Im Inneren meiner Fäustlinge streichen meine Fingerkuppen nervös über die feuchten Handflächen. Ich versuche, die Hände zu beruhigen, indem ich den Gurt vor meiner Brust fest umklammere. Langsam hebe ich den Kopf und lasse den Blick über die lange Sprungschanze gleiten, die sich vor meinen Füßen abzeichnet. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Ich stehe mit Skiern auf dem Bun-J Ride im französischen Skigebiet Tignes. Und gleich werde ich springen.
Lohnt sich der Sprung von der Bungy-Sprungschanze in Tignes?
Der Bun J Ride im französischen Skigebiet Tignes ist seit 2014 eine Attraktion für Adrenalin-Junkies. Denn wer es sich zutraut, stürzt sich mit dem Snowboard oder den Skiern an den Füßen die knapp 30 Meter lange Schanze hinunter. Am Ende des Schanzentischs sind es 40 Meter bis zum Boden. Doch keine Sorge: Die Landung wird nicht hart, und ihr müsst dafür auch kein Profi sein.
Denn ihr werdet mit einem Bungee-Seil gesichert und könnt nach dem Sprung gemütlich auspendeln, bevor es dann wieder sanft in Richtung Boden geht. So hebt ihr zwar ab und spürt das schwindelerregende Gefühl im Magen, aber euch kann nichts passieren. Wenn ihr besonders mutig seid, könnt ihr sogar einen Trick ausprobieren und beispielsweise einen Rückwärtssalto machen.
Fototipp: Euer Sprung wird von unten gefilmt. Für eine weitere Perspektive könnt ihr euch eine GoPro auf dem Helm montieren. Das sieht wirklich super spektakulär aus.
Anreise ins Skigebiet Tignes
| Länge: | 30 m |
| Höhe: | 40 m |
| Eröffnet: | 2014 |
| Mindestalter: | 13 Jahre |
| Skisaison: | Dezember – April |
Das französische Skigebiet Tignes liegt südlich des Mont Blancs in der Nähe der italienischen Grenze. Skifahrer reisen oftmals mit dem Flugzeug an. Von Frankfurt nach Lyon beträgt die Flugzeit beispielsweise 1:15 Stunden. Eine Alternative ist der Flughafen Genf.
Anschließend geht’s entweder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit einem Mietwagen weiter. Wir düsen mit dem Auto ins Skigebiet. Das ist allerdings eine lange Reise. Ab München sind es somit neun Stunden Fahrt.
Im Skigebiet selbst befindet sich die riesige Schanze in der Nähe des Snowparks. Um dorthin zu kommen, fahren wir mit dem Merles-Lift nach oben. Ihr könnt auch die Grattalu-Sesselbahn nehmen. Dann folgen wir der blauen Abfahrt „Lac“ nach unten. Dort befindet sich die Bungee-Sprungschanze.
Slot reservieren, um Anstehen zu vermeiden
Springen könnt ihr immer mittwochs bis freitags, von 10:00 bis 16:00 Uhr, während der Wintersaison, also von Dezember bis April. Um Anstehzeiten zu vermeiden, empfehle ich, vorab online ein Zeitfenster zu reservieren. Der Sprung selbst kostet 75 Euro pro Person. Zudem benötigt ihr einen Skipass, um die Schanze zu erreichen. Für größere Gruppen werden auf Anfrage auch Rabatte angeboten.
Es gibt jedoch Alters- und Gewichtsgrenzen: Kinder müssen mindestens 13 Jahre alt sein, und das Mindestgewicht liegt bei 40 kg. Je nach Wetter kann es bei starkem Wind oder Sturmböen auch sein, dass die Schanze aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben muss.
Auch interessant: Alpe d’Huez – Gefährlichste Ski-Abfahrt der Alpen Le Tunnel




Volles Vertrauen in das Material
Meine Stöcke lasse ich am Häuschen stehen, an dem ich mich anmelde. Zwei Mitarbeiter begleiten mich zum Schanzentisch, und ich nehme auf einer Art Gartenstuhl Platz. Die Ski habe ich bereits angeschnallt. Ich werde in ein Gestell gepackt, das an einen Klettergurt für Kinder erinnert. So bin ich nicht nur im Hüftbereich gesichert, sondern die Träger reichen auch über meine Schultern. Instinktiv greife ich schon jetzt nach den stabilen Riemen, die wie Rucksackträger über meine Brust verlaufen.
Währenddessen werden rechts und links auf Hüfthöhe die beiden Bungee-Seile befestigt. Ich bin ja froh, dass man nicht wie beim „normalen“ Bungee-Jumping an den Knöcheln gesichert ist. So verleiht mir das schon etwas mehr Sicherheit. Karabiner rasten ein. Die beiden Männer schauen sich jeweils noch mal die Arbeit des anderen an. Und ich muss gestehen, dass mich das Vier-Augen-Prinzip an dieser Stelle beruhigt.
Dann schiebt man mich vorsichtig zum Ausgangspunkt. Ich taste mich langsam heran, darauf bemüht, nicht zu weit nach vorne zu gleiten. Nicht, dass ich aus Versehen schon bergab rutsche, bevor es losgeht.
Auf los geht’s los!
Auf Nachfrage bestätige ich, dass ich bereit bin. Dann geht alles sehr schnell. Der Countdown beginnt bei der Zahl drei. 3 – 2 – 1 … schon spüre ich einen festen Stoß am Rücken. Ich rutsche nach vorne. Achte bewusst darauf, nicht zu bremsen, sondern lasse mich darauf ein, mit Top-Speed auf die Schanze zuzufahren. Dazu gehe ich leicht in die Knie und stoße mich am Schluss so gut es geht ab. So sollte ich das machen.
All das passiert bei mir allerdings sehr unbewusst. An die Anfahrt kann ich mich kaum erinnern. Schon bin ich schwerelos. Ich fliege durch die Luft. Meine Finger krampfen sich an den Gurten fest. Meine Ski überholen mich und schweben kurzzeitig über mir in der Luft. Dann geht es bergab. Ich falle.
Nur Sekundenbruchteile später schleudern mich die elastischen Bänder allerdings wieder in die Höhe. Und dort erlebe ich einen ganz komischen Moment. Am höchsten Punkt angekommen, gibt es einen Augenblick der Schwerelosigkeit. Das ist genau der Moment, an dem ich nicht mehr nach oben fliege, aber auch noch nicht falle. Gefühlt stehe ich ganz kurz in der Luft. Das geht aber schnell wieder vorbei, und stattdessen wiederholt sich das Spiel noch zwei- bis dreimal. Wieder falle ich in die Seile. Wieder werde ich nach oben geschleudert. Allerdings nicht mehr ganz so weit.
Das bedeutet, dass ich beim dritten Mal schon deutlich kürzer falle. Und so pendle ich langsam aus. Meine Füße hängen unter mir. Meine Hände schwitzen. Mein Herz rast. Puh, das war rasant. Jetzt bin ich aber auch wieder bereit für festen Boden.
Auch interessant: Skipasspreise 2025 – So viel kostet Skifahren
Fazit
Nach der Aktion war ich ganz schön erschöpft. Eigentlich habe ich ja gar nichts getan, aber das Adrenalin verbraucht wohl einiges an Energie. Es ist eine Extremsituation. Trotzdem würde ich es wieder machen. Es war ein spannendes Gefühl, es hat Überwindung gekostet, aber letztendlich hat es sich gelohnt.
Von unten wird euer Sprung übrigens automatisch gefilmt. Wenn ihr eine SD-Karte mitbringt, könnt ihr das Material direkt mitnehmen und habt somit eine Erinnerung an den Sprung. Im Vergleich zum Bungee-Springen von einer Brücke fand ich es sogar angenehmer. Schließlich steht man am oberen Ende der Schanze nicht direkt am Abgrund. Man hat am Einstieg nicht diesen Blick in die Tiefe, der die Beine schon zu Pudding werden lässt.
Zur Erkundung des Skigebiets hatte ich an diesem Tag nicht mehr genug Nerven. Wenn ihr schon dort seid, solltet ihr euch das allerdings nicht entgehen lassen. Denn vor allem die Abfahrt vom Gletscher hinab ist super schön, und es gibt in Tignes auch leckere Einkehrmöglichkeiten. Wenn ihr hingegen noch mehr Action sucht, ist vielleicht ein Flug mit dem Ultraleichtflugzeug etwas für euch. Das könnt ihr in dem Skigebiet auch erleben.
Schreibe einen Kommentar