Steil, viel Luft unter den Füßen und der perfekte Blick auf den Watzmann – gepaart mit einer gehörigen Portion Adrenalin erlebe ich ein echtes Klettersteig-Abenteuer. Stolze 390 Klettermeter bis zum Schwierigkeitsgrad C/D geht es hier im Untersberg-Klettersteig in den Berchtesgadener Alpen fast durchgehend knackig bergauf. Erfahrene Klettersteiggeher, aufgepasst – der Berchtesgadener Hochthronsteig ist grandios!
Lohnt sich der Hochthron-Klettersteig?





Der Hochthron-Klettersteig auf den höchsten Punkt des Untersbergs gehört sicherlich zu den anspruchsvollsten Klettersteigen in den Berchtesgadener Alpen. Wer sich der Herausforderung stellt, wird mit einer spektakulären Route und grandiosen Ausblicken belohnt. Der Steig führt durch die Südwand des Untersbergs auf bayerischer Seite und bietet eine luftige Kletterei bis zum Schwierigkeitsgrad C/D.
Die Tour erfordert schon im langen Zustieg eine sehr gute Kondition, Kraft in Armen und Beinen und vor allem eine sichere Klettersteigtechnik. Wer also die sportliche Herausforderung sucht und keine Angst vor ausgesetzten Passagen hat, wird diesen Klettersteig sehr wahrscheinlich lieben!
Fototipp: Ein Blick auf die Klettersteig-Topo verrät schon, wo der beste Fotospot dieser Tour ist: der „Fotoquergang“. Diese Passage ist einfach spektakulär! Wer hier ein Bild machen möchte, sollte sich unbedingt mit der Rastschlinge sicher einhängen und am besten auch Handy oder Kamera gut am Rucksack befestigen. Der Kletterer im Bild wirkt atemberaubend luftig in der Felswand – mit den markanten Gipfeln des Watzmanns direkt im Hintergrund.
Anreise nach Marktschellenberg bei Berchtesgaden
| Höhenmeter: | 1.250 hm |
| Strecke: | 10,7 km |
| Gehzeit: | 7,5 Stunden |
| Schwierigkeit: | C/D |
| Einkehrtipp: | Störhaus |
Unsere Tour beginnt in Marktschellenberg, einem kleinen Ort zwischen Berchtesgaden und Salzburg. Von München aus fährt man mit dem Auto ca. 1,5 Stunden auf der A8 bis zur Ausfahrt Bad Reichenhall und dann auf der B305 in Richtung Berchtesgaden.
Achtung: Wenn ihr doch über die Grenze nach Österreich und über Salzburg nach Marktschellenberg fahrt, ist eine Autobahnvignette erforderlich. In Marktschellenberg zweigt mitten im Ort eine schmale, aber beschilderte Straße zum Wanderparkplatz Ettenberg ab, wo kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist meiner Meinung nach zu umständlich. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Tour eine tagefüllende Aktivität ist und man nie genau weiß, wann man wirklich wieder am Ausgangspunkt ist, kann ich die öffentliche Anreise diesmal leider nicht empfehlen.
Ausrüstung und Wetter checken
Der Hochthron-Klettersteig am Untersberg darf zu Recht als anspruchsvolle Tour auch für geübte Klettersteiggeher bezeichnet werden. Wir stellen uns auf einen langen Zustieg und ziemlich kräftezehrende Passagen ein, doch die Motivation ist riesig. Im Rucksack haben wir natürlich die komplette Klettersteigausrüstung mit Helm, Klettergurt und Klettersteigset sowie eine Rastschlinge mit Karabiner.
Da wir noch relativ früh in der Saison unterwegs sind, rechnen wir mit einigen Altschneefeldern im Zustieg. Doch die Route ist offiziell geöffnet und die Drahtseile wurden bereits geprüft – beste Voraussetzungen also! Ein letzter Blick auf den Wetterbericht am Morgen gibt uns das finale GO. Die Vorfreude aufs Klettern steigt, als wir nach dem Frühstück vom Wanderparkplatz losstarten und Richtung Scheibenkaser-Hütte aufsteigen.
Auch interessant: Untersberg-Überschreitung – Wunderschöne Wanderung






Knackiger Einstieg in den Klettersteig
Nach dem ziemlich anstrengenden Aufstieg zur Hütte und weiter durch steiles Schuttgelände stehen wir endlich am Einstieg des Hochthron-Klettersteigs. Zeit, die Klettersteigsets anzulegen und einmal tief durchzuatmen. Vor uns erhebt sich die steile Südwand des Untersbergs – es geht direkt knackig los. Die ersten Meter sind mit B/C bewertet, aber schon hier spürt man: Der Steig hat es in sich. Wer schon beim Einstieg Schwierigkeiten hat, sollte sich gut überlegen, ob er weitergeht, denn ein Umkehren ist später nicht mehr möglich.
Konzentriert klicke ich Karabiner um Karabiner ins Stahlseil, während ich immer höher am Fels hinaufklettere. Die erste lustige Herausforderung folgt wenig später: das senkrechte „Genusswandl“ mit vielen Eisensprossen, die uns hoch in die Wand ziehen. Die Luft unter den Füßen wird mehr – das Abenteuer beginnt nun so richtig!
Luftiger Fotoquergang mit Watzmann-Blick
Die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter spektakulärer. Wir queren die Schluchtrampe, und dann sehen wir auch schon die berühmte Stelle des Klettersteigs: den Fotoquergang. Der leicht überhängende Teil der Route bietet hier einen unglaublich tollen Blick direkt auf die Gipfel des Watzmanns. Mein Klettersteigherz schlägt augenblicklich höher! Gezielt stelle ich meine Füße nacheinander auf die wenigen Eisentritte und hänge die Karabiner um.
„Ganz schön viel Luft unterm Hintern“, denke ich mir und wage einen kurzen Blick in die Tiefe. Lieber schaue ich wieder nach oben und konzentriere mich auf den weiteren Verlauf der Route. Was für ein Adrenalinkick! Aber es ist noch nicht vorbei. Vor mir liegt die schwierigste Stelle (C/D). Meine Arme werden schon etwas müde, aber ich kämpfe mich tapfer Meter für Meter am Stahlseil voran. Ich bin trotzdem froh, dass es ab hier bis zum Ausstiegskamin deutlich leichter wird.
Auch interessant: Hoher Göll – Bergtour zum beliebten Gipfel über den Mannlgrat
Fazit
Endlich stehen wir auf dem Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons (1.972 m) – dem höchsten Punkt des Untersbergs. Wir genießen den Gipfelmoment mit einem fantastischen 360°-Bergpanorama. Am Stöhrhaus stärken wir uns mit Kaffee und Kuchen, bevor uns der Stöhrweg zurück zur Scheibenkaserhütte führt, von wo aus wir schließlich zum Parkplatz absteigen.
Der Hochthron-Klettersteig am Untersberg ist eine absolute Empfehlung für geübte Klettersteiggeher! Die Kombination aus durchgehend anspruchsvoller Kletterei und einer eindrucksvollen Kulisse macht ihn zu einem echten Highlight. Noch nicht genug Abenteuer? Die Schellenberger Eishöhle am Untersberg ist die größte Eisschauhöhle Deutschlands und kann von Ende Mai bis Oktober bei Führungen erkundet werden. Rund um Berchtesgaden warten unzählige weitere Bergtouren – darunter der Grünstein-Klettersteig oder natürlich die legendäre Watzmannüberschreitung.
Schreibe einen Kommentar