Das Gipfelkreuz erkennt man auf unzähligen Social Media Posts sofort und allein durch diese tolle Gipfelmarkierung kann ich die magische Anziehungskraft dieses Berges in jeder Hinsicht nachvollziehen. Auf meinem Lieblingsberg im Berchtesgadener Land durfte ich schon viele Male stehen und das Gipfelgefühl genießen. Der Hohe Göll ist ein toller Aussichtsberg mit Panoramablick von Untersberg, Hochkalter und Watzmann über das Tennengebirge bis zum Dachstein. Die verschiedenen Aufstiegswege sind alle anspruchsvoll und lang – und trotzdem ist er ein sehr beliebtes Ziel für Bergsteiger.
Lohnt sich die Bergtour auf den Hohen Göll?





Wir wandern auf der Grenze zwischen Österreich und Deutschland, wobei aus allen Himmelsrichtungen unterschiedliche Aufstiegswege auf den Gipfel führen. Das Gipfelkreuz des Hohen Göll steht jedoch auf österreichischem Boden und ist mit 2.522 Metern einer der höchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Wenn ihr wissen wollt, ob sich die Bergtour auf den Hohen Göll lohnt, bin ich wohl selbst das Paradebeispiel für die fundierte Antwort.
Mehr als 10 Mal war ich schon am Gipfel und immer noch überkommt mich pures Gipfelglück. Oft herrscht Verwirrung, bzw. eine unklare Einschätzung der Schwierigkeit der Tour und es bedarf einiger Recherche, bis man die Wege auf den Hohen Göll versteht. Die wohl interessanteste Aufstiegsroute führt über den Mannlgrat zum Gipfel.
Fototipp: Ein Gipfelfoto ist natürlich ein Muss! Postioniert euch so, dass im Hintergrund in der Ferne das Tennengebirge und das Salzachtal zu sehen sind. Hier wirkt der Gipfel besonders exponiert und beeindruckend. Falls ihr die Möglichkeit habt, zu Sonnenaufgang am Gipfel zu stehen, ist ein Foto durch den Bergkristall mit der aufgehenden Sonne dahinter, der absolute Wahnsinn.
Anreise nach Berchtesgaden zum Ofnerboden
| Höhenmeter: | 1.430 m |
| Strecke: | 14,4 km |
| Gehzeit: | 8 Stunden |
| Schwierigkeit: | schwer (B) |
| Einkehrtipp: | Purtschellerhaus |
Von der Autobahn aus Richtung München kommend verlasst ihr die Autobahn bei Bad Reichenhall und fahrt über Bayerische Gmain und Bischofswiesen in Richtung Berchtesgaden. Der Beschilderung „Obersalzberg/Kehlstein“ folgt ihr bis zur Mautstelle Rossfeldstraße; dann geht es weiter bergauf bis zu einer Parkbucht, wo auf einem Gebäude groß „Ofnerboden“ steht.
Habt ihr eine öffentliche Anreise für die Bergtour auf den Hohen Göll vor, empfehle ich euch, mit dem Zug nach Berchtesgaden zu fahren und von dort mit dem Bus 838 weiterzufahren. Von der Haltestelle Klaushöhe, ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Parkplatzes Ofnerboden, kann man dann die Wanderung in gleicher Weise beginnen.
Wetter am Hohen Göll und Ausrüstung checken
Wer den Hohen Göll besteigen will, benötigt entsprechende Ausrüstung, Erfahrung und auch Kondition. Der Mannlgrat ist als leichter Klettersteig im Schwierigkeitsgrad C ausgewiesen und auch die Abstiegswege sind stellenweise mit Seilsicherungen versehen.
Also Klettersteigset, Helm und natürlich ausreichend Verpflegung und Getränke mitnehmen. Da es mit über 14 Kilometern und ca. 1.400 Höhenmetern eine ausgefüllte Tagestour wird, überprüft bitte auch den Wetterbericht genau und plant immer etwas mehr Zeit ein.
Wir starten sehr früh am Morgen am Ofnerboden und überqueren die Straße zu einem schmalen Waldweg mit dem gelben Wegweiser „Kehlstein“, der bald in eine Forststraße mündet. Ungewöhnlich für eine Wanderung geht es bald auf einer schmalen Asphaltstraße in vielen Serpentinen hinauf zum Kehlsteinhaus.
Hier beginnt die eigentliche Tour und ihr werdet wahrscheinlich schon einige Touristen treffen, die mit dem Bus vom Obersalzberg heraufgekommen sind. Ihr könnt natürlich auch diese Abkürzung wählen, solltet euch aber vorher über den Busfahrplan und die Rückfahrmöglichkeiten informieren.
Auch interessant: Untersberg-Überschreitung – Wunderschöne Wanderung






Ein langer Grat mit luftigen Kletterpassagen
Am Kehlsteinhaus angekommen, sehen wir den wunderschönen, langen Verbindungsgrat zum Hohen Göll. Vor uns liegen reizvolle, leichte Kletterpassagen, zahlreiche Felszacken und viele schmale Pfade im schroffen Fels. Auf ins interessante Vergnügen! Im leichten Auf und Ab wandern wir durch löchrige Höhlen und kommen auch zu den ersten Kletterpassagen mit Seilsicherung.
Der Helm macht sich gleich bezahlt, denn bei einer Höhlendurchquerung stoße ich mir den Kopf. Eine Plattenquerung auf der Südwestseite in der Mitte des Mannlgrats ist etwas überhängend, aber sehr gut mit zusätzlichen Eisenstiften abgesichert. Rastplätze oder Überholmöglichkeiten gibt es einige entlang des Steiges. Auch die herrlichen Tiefblicke nach Berchtesgaden und zum Watzmann solltet ihr euch nicht entgehen lassen!
Fast glaubt man, dass der Mannlgrat und die Seilpassagen in einer steilen Geröllrinne enden. Doch es kommt noch eine Art Kamin, den man mit Klettersteigausrüstung erklimmt. Danach beginnt jedoch ein breiter, lang gezogener Grat bis zur Weggabelung mit gelben Wegweisern, wo andere Routen heraufführen. Diese Abzweigung könnt ihr euch gleich für den Abstieg später über die sogenannte Schusterroute merken.
Ein echter Bergkristall mitten im Gipfelkreuz am Hohen Göll
Nun zieht sich der Gipfelanstieg über die letzten 300 Höhenmeter leider etwas. Aber in guter Gesellschaft und mit der Vorfreude auf den Gipfelsieg schafft man auch dieses Stück noch gut. Wenn man dann endlich das letzte Geröllfeld geschafft hat, kommt der Moment, den ich einfach immer wieder so magisch finde.
Das Gipfelkreuz des Hohen Göll in seiner ganzen Pracht. Der weiße, leicht durchsichtige Bergkristall in der Mitte des Kreuzes glitzert in der Sonne und wir verspüren pures Gipfelglück zusammen mit vielen anderen Bergsteigern. Jetzt haben wir uns eine Pause verdient! Wir setzen uns ein Stück vom Kreuz weg, damit jeder noch die Chance auf ein Gipfelfoto hat, und genießen unsere Jause mit 360-Grad-Bergpanoramablick.
Beim Gipfelgenuss sollte man aber auch etwas die Zeit im Auge behalten, denn der Abstieg über die Schusterroute zum Purtschellerhaus führt wieder durch alpines Gelände. Bei ausgesetzten Felspassagen und auch mit anderen Bergsteigern benötigt man oft etwas länger, als man denkt. Das Purtschellerhaus ist übrigens ein echt guter Tipp für eine Einkehr und bietet nach Voranmeldung auch Übernachtungsmöglichkeiten.
Auch interessant: Carl-von-Stahl-Haus – Schöne Wanderung vom Königssee
Fazit
Nach dem Abstieg über die Schusterroute zum Purtschellerhaus geht es über Holzstufen weniger anspruchsvoll hinunter zum Eggersattel und dann einfach auf dem Forstweg zurück zum Ofnerboden. Es ist später Nachmittag, als wir beim Auto ankommen und die Bergschuhe ausziehen. Voller Stolz und mit jeder Menge Zupfkuchen vom Purtschellerhaus im Bauch, blicken wir noch einmal hinauf zum Gipfel, auf dem wir vor wenigen Stunden noch gestanden haben. Einfach mega die Tour auf den Hohen Göll!
Weitere Gipfel in der Umgebung, die ihr euch unbedingt auf die Bucketlist setzen solltet, sind der Untersberg, der Hochkalter und natürlich der König Watzmann. Kleinere Wanderungen rund um den Königssee lohnen sich auch immer, besonders schön finde ich die Wanderung zur Archenkanzel mit Blick auf den malerischen Königssee.


Schreibe einen Kommentar