Spannagel-Höhle: Spektakuläres Höhlentrekking

Die Spannung ist fast greifbar – wir schalten die Stirnlampen aus, und plötzlich umgibt uns eine tiefschwarze Stille. Doch schon im nächsten Moment leuchten die starken Lampen wieder auf, und wir bewegen uns vorsichtig, kriechend und mit angehaltenem Atem, tiefer und tiefer in die faszinierende Spannagelhöhle am Hintertuxer Gletscher. Die Wände glitzern, bunte Marmoradern leuchten – und vor uns liegt noch ein Stück Klettersteig! Höhlentrekking ist nicht einfach ein Abenteuer – es ist viel aufregender, als du es dir vorstellen kannst!

Lohnt sich Höhlentrekking in der Spannagel-Höhle?

Am Fuße des Hintertuxer Gletschers liegt ein noch wenig bekanntes Naturjuwel – im wahrsten Sinne des Wortes gut versteckt und zwar unter der Erde. Die Spannagelhöhle gilt mit einer derzeit vermessenen Länge von rund 13 km als größte Felshöhle der Zentralalpen und befindet sich mitten in einer Marmorader.

Bei einer Schauhöhlenführung oder auch einer Trekkingtour kann man die Tuxer Alpen sozusagen von innen erkunden und dabei wirklich beeindruckende Gesteinsschichten, eiskalte Seen und wundersame Felsformationen bewundern. Ein spektakulärer Ort für Höhlenforscher und alle, die es werden wollen. Bei Trekkingtouren sind Bauch einziehen und am Boden kriechen inklusive; daher sollte man Platzangst besser nicht mit in die Höhle bringen.

Fototipp: Das Fotografieren in der Höhle ist nicht ganz einfach. Am besten arbeitet man mit Langzeitbelichtungen. Videos eignen sich jedoch noch besser, um die gewünschten Höhlenszenen eindrucksvoll einzufangen. Große Kameras sind nicht zu empfehlen, da man beim Höhlentrekking durch sehr enge Gänge kriecht und sonst schnell etwas kaputtgehen kann.

Anreise nach Hintertux im Tuxer Tal

Lage:Hintertuxer Gletscher
Wichtig:keine Platzangst haben
Dauer:2-3 Stunden
Preis:€ 75,00 – 100,00
Geöffnet:ganzjährig

Von München aus erreichst du Hintertux mit dem Auto in etwa 2,5 bis 3 Stunden. Wenn du über Rosenheim fährst, benötigst du ab der österreichischen Grenze bei Kufstein eine Autobahnvignette für die A12 Inntalautobahn. Eine mautfreie Alternative führt dich über den Tegernsee und den Achensee. Ab der Ausfahrt Zillertal sind es noch knapp 50 Kilometer durch das gesamte Zillertal bis nach Hintertux.

Mit dem Zug nimmst du den Railjet ab München und erreichst in etwa 1,5 Stunden Jenbach in Tirol. Dort steigst du in den Regionalzug (Zillertalbahn) nach Mayrhofen um. Von Mayrhofen aus bringt dich der Bus in etwa 30 Minuten nach Hintertux. Von dort geht es mit den Gletscherbussen 1 und 2 hinauf zum Tuxer Fernerhaus, knapp unterhalb des Spannagelhauses, wo sich der Eingang zur Höhle befindet.

Eingekleidet wie echte Höhlenforscher

Im Spannagelhaus erhalten wir Helme, sehr robuste Schutzkleidung, Stirnlampen sowie ein Klettersteigset – sofort fühlen wir uns wie echte Höhlenforscher. Selbst mitzubringen sind nur warme Kleidung und wirklich gute Bergschuhe. Christoph, unser Guide, ist ein echter Zillertaler Local und erklärt uns, was uns in der Höhle erwartet. Die Vorfreude steigt prompt, aber auch ein bisschen Nervosität macht sich bemerkbar!

Durch das Eisengittertor am Höhleneingang steigen wir ein paar Stufen hinunter und stehen kurze Zeit später in der Schauhöhle. Hier ist noch vieles beleuchtet, kleine Wege sind angelegt, und Seile sind gespannt. Überall rinnt Wasser an den Wänden herab, und es wirkt unglaublich schroff, naturbelassen, aber auch irgendwie surreal. Dann zeigt Christoph auf ein Loch schräg am Boden – hier sollen wir durchkriechen, denn hier beginnt die eigentliche Trekkingtour. Wirklich? Da soll ich mich durchzwängen?

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Es wird eng in der Spannagel-Höhle

Nach kurzem Zögern zwänge ich mich durch die Felsspalte. Zuerst krieche ich auf allen Vieren, dann sogar auf dem Bauch vorwärts. Gott sei Dank wird es nach ein paar Metern wieder etwas breiter. An einigen Stellen ähnelt die Tour einem Klettersteig der Schwierigkeit B/C, wo das Klettersteigset zum Einsatz kommt.

In der Dunkelheit können wir nicht erkennen, wie tief der Schacht unter unseren Füßen ist – vielleicht ist das auch gut so. Der Fels unter unseren Händen ist glatt und feucht, aber unsere Handschuhe sind wasserdicht und rutschfest am Seil.

Marmorader und Gletscherfloh im verzweigten Höhlensystem

Es geht tiefer und tiefer; fast unmerklich verlieren wir an Höhe, bis wir schließlich einen verborgenen unterirdischen See erreichen. „Die Wasseroberfläche hat die Form eines Herzens. Wer daraus trinkt, dem wird die Schönheit der ewigen Jugend geschenkt“, erklärt uns Christoph mit einem Schmunzeln. Man kann es ja mal versuchen!

Der Rückweg der Trekkingtour durch die Spannagelhöhle führt an einer auffällig bunten Marmorader vorbei. Hier sieht man besonders gut, wie sich die Gesteinsschichten vor Urzeiten verschoben haben. Außerdem wachsen hier auch viele Stalaktiten von der Decke.

Nun geht es über eine 18 Meter hohe, leicht überhängende Leiter wieder nach oben. Kurz vor dem Ausgang machen wir noch eine Entdeckung, die ich immer für einen Scherz gehalten habe: Christoph zeigt uns einen Gletscherfloh – das einzige Tier, das ganzjährig auf dem Gletscher leben kann. Da er es auch gerne feucht und kalt hat, fühlt er sich in der Spannagelhöhle pudelwohl.

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Fazit

Ich bin überwältigt vom Höhlentrekking in der Spannagelhöhle. Es ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte – viel spektakulärer, viel mehr Wow! Ein unvergessliches Erlebnis für Abenteurer, die keine Angst vor engen Räumen haben. Wer sich auf diese Expedition einlässt, entdeckt bei den Klettereien in den faszinierenden Felsformationen eine beeindruckende unterirdische Welt.

Am Hintertuxer Gletscher kann man auch den Natureispalast besuchen und die faszinierende Eiswelt sogar beim Stand-up-Paddling oder Eisschwimmen erleben. Außerdem ist das Zillertal ein wahres Bergsteigerparadies: Von der Hochtour auf den Olperer über den Gerlostein-Klettersteig bis hin zur Wanderung zur Bergkapelle am Kellerjoch kann ich nur empfehlen, hier auf Entdeckertour zu gehen.

Lage

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