Irgendwo am Himmel muss sie sein, die Sonne. Als wir uns auf den Weg ins Zittauer Gebirge machen, hängt dichter Sahara-Staub in der Luft und taucht die Landschaft in ein geheimnisvolles Licht. Die kegelförmigen Bergspitzen erzählen von der vulkanischen Vergangenheit der Region, während der Dunst die bizarren Felsen noch mystischer wirken lässt. Willkommen in Jonsdorf – einem Ort voller Naturwunder, Geschichte und Abenteuer!
Lohnt sich ein Besuch der Jonsdorfer Felsenstadt?








Mit nur 50 km² ist das Zittauer Gebirge das kleinste Mittelgebirge Deutschlands, doch seine Vielfalt überrascht. Über 430 Kilometer Wanderwege führen durch die malerische Region mit Sandsteinformationen, Vulkanbergen und urtümlichen Fachwerkdörfern. Einer dieser Orte ist Jonsdorf, das direkt an der tschechischen Grenze liegt und als perfekter Ausgangspunkt für Entdeckungen dient.
Ob zu Fuß oder auf einem der gut ausgeschilderten Wanderwege – die Jonsdorfer Felsenstadt bietet spektakuläre Natur und spannende Geschichten. Man kann sich treiben lassen, Felsformationen erkunden oder auf den Spuren der alten Bergleute wandeln. Hier gibt es keine Sackgassen – irgendwann stößt man immer wieder auf einen Wegweiser. Das macht Jonsdorf zu einem Paradies für Naturliebhaber und Abenteuerlustige!
Fototipp: Besonders bei Sonnenuntergang entfaltet die Landschaft ihren ganzen Zauber. Von den höher gelegenen Felsen aus lassen sich die vulkanischen Kegel im warmen Licht perfekt einfangen.
Anreise nach Jonsdorf
| Lage: | Zittauer Gebirge, Sachsen |
| Must-See: | Steinerner Zoo |
| Anreise: | PKW/ÖPNV |
| Beste Reisezeit: | Frühjahr bis Herbst |
| Kulinarischer Tipp: | Böhmische Knoblauchsuppe |
Mit der Bahn erreicht man Zittau bequem über Dresden bzw. von Norden kommend über Görlitz. Ab Zittau geht es mit der Buslinie 15 schließlich weiter bis zum Kurhaus Jonsdorf. Von da aus kann man in dem kleinen Ort alles bequem fußläufig erreichen. Von Dresden solltet ihr aber rund 2 Stunden planen.
Mit dem Auto fährt man auf der A4 bis zur Abfahrt Zittau und von dort aus über die Landstraßen bis nach Jonsdorf. Auf dem Weg erkennt man bereits aus der Ferne die Vulkankegel und bekommt einen guten Eindruck der Landschaft des Zittauer Gebirges, welche durch Wald, Wiesen und kleine Ortschaften und Gehöfte geprägt ist. In Jonsdorf gibt es verschiedene Parkmöglichkeiten, wobei die großen Parkplätze an der Waldbühne/Gondelteich oder am Schmetterlingshaus gebührenpflichtig sind.
Auf den Spuren der Bergleute: Die Mühlsteinbrüche
Mehr als 350 Jahre lang war Jonsdorf ein Zentrum der Mühlsteinproduktion. Bereits 1560 wurde der erste Steinbruch eröffnet, und über die Jahrhunderte entstanden mehrere Abbaustellen. Der bedeutendste von ihnen war das Schwarze Loch, das bis 1915 aktiv war.
Heute können Besucher in die Geschichte eintauchen: Führungen durch das Schaubergwerk zeigen eindrucksvoll, unter welchen Bedingungen die Bergleute hier einst arbeiteten. Auf dem Weg dorthin passiert man die Scheitelsteine, eine hohe Felsspalte, durch die das Licht beeindruckend funkelt. Von einer kleinen Aussicht aus eröffnet sich ein Blick auf Jonsdorf, die Nonnenfelsen und den höchsten Gipfel des Zittauer Gebirges – die Lausche.
Neben den Steinbrüchen stehen noch einige historische Gebäude, wie die Pulverkammer oder die Steinbruch-Schmiede. Letztere diente nicht nur zur Werkzeugherstellung, sondern war auch der geheime Lagerort für den Schnaps der Bergmänner.
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Steinerner Zoo: Fantasie aus Felsen
Taube, Nashorn, Löwe – die Jonsdorfer Felsenwelt hält einige Überraschungen bereit. Im Steinernen Zoo können Besucher mit etwas Fantasie Tiergestalten in den Felsformationen entdecken. Besonders beliebt ist der Bernhardiner, auf dessen Kopf man sogar klettern kann. Aber Vorsicht: Wer nicht aufpasst, landet womöglich in der Mausefalle!
Neben den faszinierenden Steinformationen bietet der Naturpark auch eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt. Zwischen Heidekraut und Heidelbeersträuchern sonnen sich mit etwas Glück Kreuzottern oder Salamander.
Tipp für Kletterfreunde: Während große Kletterfelsen am Nonnensteig alpines Können erfordern, bieten kleinere Blöcke auch Anfängern die Möglichkeit, sich auszuprobieren.
Puppenstuben-Idylle im Kurort Jonsdorf
Jonsdorf ist nicht nur für seine Felsen bekannt, sondern auch für seine traditionellen Umgebindehäuser. Diese bis zu 600 Jahre alten Fachwerkhäuser prägen das Bild des Ortes und verleihen ihm eine märchenhafte Atmosphäre. Ein gemütlicher Spaziergang durch den Ortskern führt vorbei an liebevoll geschmückten Gärten und malerischen Holzhäusern.
Ein echtes Highlight ist das wohl kleinste Umgebindehaus der Welt, von den Einheimischen liebevoll „Krache“ genannt. Wer es entdecken möchte, sollte sich am Ortsausgang in Richtung Hain umsehen.
Nach einem erlebnisreichen Tag lohnt sich eine kulinarische Stärkung: Die böhmische Küche, die hier stark vertreten ist, bietet herzhafte Spezialitäten wie die berühmte Knoblauchsuppe – perfekt für eine wohlige Wärme nach einer langen Wanderung.
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Fazit
Als wir am Abend in der Berghütte sitzen, zeigt uns der Wirt plötzlich aufgeregt eine seltene Himmelserscheinung: Eine breite, orange-rote Lichtsäule steht am Himmel – ein beeindruckendes Halo-Phänomen. Es ist, als würde die Landschaft mit einem letzten Lichtzauber verabschieden. Ein unvergesslicher Moment und der perfekte Abschluss einer Reise in das Jonsdorfer Wunderland.
Das Zittauer Gebirge mag zwar klein sein, doch es steckt voller Überraschungen. Die Jonsdorfer Felsenstadt begeistert mit beeindruckenden Sandsteinformationen, alten Steinbrüchen und einer Natur, die zum Erkunden einlädt. Der idyllische Kurort bietet eine charmante Atmosphäre, und die gut ausgeschilderten Wanderwege machen das Gebiet zu einem Paradies für Outdoor-Fans.
Ob Wandern, Klettern oder einfach die Schönheit der Natur genießen – in Jonsdorf gibt es für jeden etwas zu entdecken. Ein Ort, den man einmal besucht haben sollte – und bestimmt nicht zum letzten Mal!
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