Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man meinen, man sei in einem Nationalpark in den USA. Bizarre Felsformationen ragen auf. Schluchten müssen überwunden werden. Diese spektakuläre Landschaft liegt nicht irgendwo in Nordamerika, sondern im östlichsten Südosten von Sachsen. Das Zittauer Gebirge ist ein echtes, bei Touristen eher unentdecktes Reiseziel. Besonders beeindruckend ist der Berg Oybin. Wir nehmen euch mit auf die Wanderung zur Burg- und Klosterruine.

Lohnt sich die Wanderung am Berg Oybin im Zittauer Gebirge?

Es ist ein bisschen, wie in einer anderen Welt, wenn man im Naturpark Zittauer Gebirge ankommt. Zunächst kommt einem die Landschaft recht unspektakulär vor. Später folgen sanfte Hügel. Die ersten Felstürme ragen aus den Wäldern empor. Eine imposante Ruine ist weit oben auf einem Berg zu erkennen. Und schließlich steht man vor einem der spektakulärsten Berge des Zittauer Gebirges. Mitten im Kurort Oybin liegt der gleichnamige Berg. Und sein 514 m hoher Gipfel wirkt fast so, als würde er direkt aus dem Zentrum des beschaulichen Ortes herauswachsen.

Fototipp: Die alten Fensteröffnungen der Ruine bilden einen tollen Rahmen, um die Landschaft oder eure Reisegruppe richtig in Szene zu setzen. Dazu ist es entweder noch recht früh bzw. spät oder aber der Himmel ist bewölkt. Dann werden die Fotos spektakulär.

Anreise nach Oybin im Zittauer Gebirge

Lage:Zittauer Gebirge
Must-See:Burg- und Klosterruine Oybin
Erbaut:14. Jahrhundert
Eintritt:Erwachsene: 5 – 8 Euro
Kinder: 1,50 – 3 Euro
Beste Jahreszeit:ganzjährig

Wer nach Oybin will, der muss einfach den Zug nehmen. Warum? Weil es kein normaler Zug ist, sondern eine Schmalspurbahn, die etwa stündlich ab Zittau verkehrt. Angetrieben wird der Zug von einer echten Dampflok. Aber auch Dieselloks kommen zum Einsatz. Bei gutem Wetter kann man die Natur im offenen „Cabriowaggon“ genießen. Die Strecke führt durch kleine Täler und Wälder, vorbei an kleinen Bächen und endet nach etwa einer dreiviertel Stunde Fahrt am Bahnhof Oybin. Und dieser liegt direkt im Schatten des Berges, der das heutige Ziel sein soll.

Alternativ führt der Weg natürlich auch mit dem Auto ins Zittauer Gebirge. Hier bietet sich die Fahrt über die A4 bis Görlitz an und dann weiter über das ebenfalls sehenswerte Zittau bis nach Oybin. Direkt unterhalb des Berges gibt es einen recht geräumigen Parkplatz mit einem tollen Blick hinauf zur Burg- und Klosterruine, deren Geschichte bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts zurückreicht. Einst lebten hier oben Ritter und Mönche friedlich zusammen.

Wanderweg durch die Ritterschlucht

Der Weg hinauf führt zunächst durch kleinere Straßen im Tal. Überall stehen die für die Oberlausitz typischen Umgebindehäuser – eine spezielle Art Fachwerkhaus. Früher wurden hier Tücher gewebt. Die Erschütterungen der Webstühle wurden durch die besondere Bauart der Häuser abgefangen. Es geht weiter zwischen den Gebäuden hindurch, an der Bergkirche Oybin vorbei. Über zahlreiche Treppenstufen geht es entweder auf direktem Weg zum Kassenhäuschen hinauf, um die alte Klosterruine und Burganlage zu besichtigen, oder: Es geht einfach geradeaus weiter.

Hier führt die Route durch die beeindruckende Ritterschlucht. Im Zweifel sollte auf jeden Fall dieser Weg gewählt werden – mitten durch die bewachsenen Sandsteinfelsen. Es fühlt sich an, als würden an der nächsten Ecke die Ritter auf ihren Pferden warten. Nach einigen hundert Metern gelangt man durch das erste Burgtor zu dem dahinter liegenden Gesindehaus, welches mittlerweile als Kasse und Shop umfunktioniert wurde. Pro Erwachsenem werden – je nach Saison – zwischen 5 und 8 Euro Eintritt fällig, Kinder ab 6 bis 14 Jahre zahlen zwischen 1,50 und 3 Euro. (Stand: 2022)

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Besichtigung der Burg- und Klosterruine

Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise. Der Weg führt einige hundert Meter weiter hinauf und man steht direkt in den uralten Mauern der ehemaligen Burg und des Klosters. Durch die alten Fensteröffnungen hindurch kann man einen der schönsten Ausblicke der Route, hinab ins Tal – bis hin ins etwa 10 Kilometer entfernte Zittau – auf sich wirken lassen. Nur wenige Meter entfernt erhebt sich die ehemalige Klosterkirche, die mittlerweile bis auf die Grundmauern verfallen ist.

Durch Lautsprecher erklingen Mönchsgesänge, die eine extrem authentische Atmosphäre verströmen und einen noch tiefer in die Zeit vor hunderten von Jahren eintauchen lassen. Die Ruine ist zweifelsohne das Highlight auf dem Berg Oybin. Eine Ausstellung gibt zudem einen umfassenden Überblick zur Historie des Ortes. Übrigens verewigte Caspar David Friedrich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Klosterruine Oybin auf seinen Gemälden. Mit der Besichtigung der Ruine ist die Tour auf den Berg Oybin aber noch längst nicht beendet.

Grandiose Ausblicke am Berg Oybin

Ein Rundweg, der an den alten Gemäuern beginnt, führt vorbei am Bergfriedhof zunächst zum Berggasthof mit seinem geräumigen Freisitz. Mit etwas Glück kann man von hier aus auch die Zittauer Schmalspurbahn durch das Tal fahren sehen. Auf dem Rundweg öffnen sich immer wieder spannende Perspektiven auf die umliegenden Berge oder hinunter ins Tal. Teils geht es durch enge Schluchten hindurch, teils über Sandwege, die mit knorrigen Kiefern gesäumt sind. Wieder am Ausgangspunkt, der Klosterruine angekommen, gibt es zwei Optionen. Entweder geht wieder hinunter ins Tal oder es geht noch eine Ebene höher. Letztere Möglichkeit wäre auch hier wieder das Mittel der Wahl, denn der Weg bietet neue, teils noch imposantere Perspektiven auf die Kloster- und Burgruine.

Außerdem liegt noch – etwas versteckt ein kleines „Hexenhäuschen“ ganz oben auf dem Berg. Es ist Heimat einer Camera Obscura, von denen es europa- und weltweit wohl nur noch eine Handvoll geben wird. Über eine Art Periskop wird hier das Bild der Umgebung eingefangen und auf eine Platte projiziert. Das Prinzip ist vergleichbar mit einer analogen Kamera. Die Besucher stehen also quasi im Inneren des Fotoapparates. Wenn man schon auf dem Berg Oybin ist, dann sollte man – gutes Wetter vorausgesetzt – dieses Ziel mit ansteuern.

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Fazit

Was bietet der Berg Oybin? Er bietet neben einem schon allein spektakulären Anblick aus dem Tal nach oben einen nicht weniger spektakulären Ausblick von oben ins Tal. Hinzu kommt die zum Greifen nahe Historie der Burg- und Klosterruine. Abgerundet wird das Gesamtportfolio durch die Camera Obscura. Die Wege sind zudem auch für den etwas ungeübten „Sonntagsspaziergänger“ halbwegs gut zu bewältigen. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind aber trotzdem Pflicht! Besonders an Regentagen kann es vereinzelt ziemlich rutschig werden.

Der Berg Oybin ist auch für Familien bestens geeignet, da es so herrlich viel Mittelalterliches zu entdecken gibt. Und spätestens im Tal wird die Reisekasse sicher durch den Kauf eines Holzschwertes für die moderne Ritterin oder den modernen Ritter etwas in Mitleidenschaft gezogen werden. Etwa 3–4 Stunden sollten für die Wanderung eingeplant werden.

Wer noch „Luft“ hat, der macht sich im Anschluss noch auf den Weg zum Töpfer direkt gegenüber oder fährt entweder mit der Schmalspurbahn oder dem Auto rüber ins benachbarte Jonsdorf. Hier geht es dann zum Beispiel auf den Nonnenfelsen oder mit den Kindern ganz entspannt ins Schmetterlingshaus. Und: im Winter gibt es in der Region kleinere Skigebiete, diverse Langlaufloipen und tolle Rodelhänge.

Lage

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