Vor meinen Füßen geht es mehrere hundert Meter steil hinunter, während ich am Horizont auf einige der bekanntesten Gipfel der Dolomiten blicke. Viel Platz für einen Fehltritt gibt es hier nicht. Ich stehe auf einem schmalen Felsband im Fanes-Gebiet und bin auf dem Weg zur Zehnerspitze, einem 3.000er, dessen Gipfel nur über einen kurzen, aber ausgesetzten Klettersteig erreichbar ist. Und obwohl der eigentliche Klettersteig nur etwa 30 Minuten dauert, ist die Tour schon vorher ein echtes alpines Abenteuer!
Lohnt sich der Klettersteig auf die Zehnerspitze?





Die Zehnerspitze liegt im Naturpark Fanes-Sennes-Prags und gehört mit ihren 3.026 Metern zu den beeindruckenden Gipfelzielen der Fanesgruppe. Der Weg führt von einer urigen Wallfahrtskirche über schmale Felsbänder entlang der mächtigen Wände des Massivs und später über das weitläufige Fanesplateau.
Der eigentliche Klettersteig wartet erst kurz vor dem Gipfel. Mit Schwierigkeiten bis B/C ist er zwar technisch überschaubar, eine ausgesetzte Gratpassage verlangt aber Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Oben angekommen hast du einen unfassbaren Blick auf die Marmolata, die Sellagruppe, den Langkofel, die Geislergruppe und noch so viel mehr.
Fototipp: Eines der spektakulärsten Fotomotive der Tour wartet oben kurz vor dem Gipfel: Hier kannst du den ausgesetzten Klettersteig perfekt einfangen! Tipp: Besorge dir eine Handyhalterung für deinen Rucksack, damit du ohne Sorge Fotos auf dem Steig machen kannst.
Anreise nach Abtei
| Strecke: | 11,5 km |
| Höhenmeter: | 1.050 hm |
| Gehzeit: | 7-8 Stunden |
| Einkehrtipp: | Schutzhütte Heiligkreuz |
| Schwierigkeit: | B/C (mittlere Schwierigkeit) |
Der Ausgangspunkt der Tour ist mit dem Auto problemlos erreichbar. Die Talstation der La-Crusc-Bahn befindet sich in Badia und ist über die Straße durch das Gadertal gut zu erreichen. Direkt an der Talstation steht ein großer, kostenloser Parkplatz zur Verfügung.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann Badia ebenfalls gut erreichen. Die Buslinie 460 verbindet den Ort unter anderem mit Bruneck und führt durch das Gadertal weiter bis nach Corvara.
Von der Talstation geht es anschließend mit der La-Crusc-Bahn hinauf nach Heiligkreuz, wo die Tour auf rund 2.000 Metern beginnt. Natürlich kannst du die Strecke auch zu Fuß hinaufgehen, allerdings wird die Route dadurch noch mal deutlich länger!
Nicht ohne Erfahrung in den Klettersteig
Mit 11,5 Kilometern und über 1.000 Höhenmetern ist die Tour durchaus lang und anstrengend, deshalb ist ein früher Start wichtig. Gerade an warmen Tagen ist man auf der weitgehend offenen Strecke der Mittagssonne ausgesetzt. Da es unterwegs keine Hütte gibt, sondern nur eine am Ausgangspunkt, gehören ausreichend Wasser und Verpflegung unbedingt in den Rucksack. Auch Klettersteigset, Helm, feste Wanderschuhe und warme Kleidung für den Gipfel sollten zur Ausrüstung gehören.
Erfahrung auf Klettersteigen, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für die ausgesetzten Passagen Voraussetzung. Vor dem Start solltest du außerdem unbedingt den Wetterbericht prüfen: Die Tour sollte nur bei stabilen und trockenen Wetterverhältnissen unternommen werden.
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Zwischen steilen Felswänden und dem sanften Fanesplateau
Wenn man in den Dolomiten unterwegs ist, dann erwartet man auf Touren dort die spektakulären Ausblicke fast schon. Aber diese Route hat wirklich einiges übertroffen, was ich bisher gesehen habe! Schon nach wenigen Minuten geht es von einem gemütlichen Wanderweg rein in die wilde Felslandschaft des Heiligkreuzkofel-Massivs. Gerade am Anfang geht es immer wieder über schmale Felsbänder, auf denen man unglaubliche Tief- und Weitblicke hat. Nach einiger Zeit erreicht man die ersten seilversicherten Passagen, die noch in sehr leichter Schwierigkeit immer weiter die steilen Wände raufführen.
Nach einer längeren Drahtseilpassage steht man dann auf dem Fanesplateau und die Landschaft ändert sich komplett. Hier oben wartet eine Art Mondlandschaft auf dich, die immer wieder von seichten Grasabschnitten unterbrochen wird. Eine Landschaft, die so einzigartig ist, dass sie kaum zu beschreiben ist! Und genau dieser Kontrast ist das, was die Tour ausmacht: Die steilen Gipfel und Felswände auf der einen Seite und die Sanftheit des Fanes-Gebietes auf der anderen.
Ausgesetzter Gipfelgrat zur Zehnerspitze
Je näher man dem Gipfel kommt, desto alpiner wird die Umgebung. Der letzte Abschnitt führt über Geröll und Fels bis zum Einstieg des eigentlichen Klettersteigs auf knapp 3.000 Metern. Dann wird es noch einmal richtig spannend: Der Gipfel der Zehnerspitze ist ein markanter und schroffer Zipfel, der aus dem Fanesplateau heraussticht. Gleich zu Beginn geht es steil über einen ausgesetzten Abschnitt nach oben. Anschließend geht der Steig über eine luftige Kante im Schwierigkeitsgrad und durch einen Felsspalt weiter. Danach wird der Grat wieder etwas breiter, bevor die letzten Meter zum Gipfel ohne Sicherung zurückgelegt werden.
Und dann ist man plötzlich oben: Die Zehnerspitze ist erreicht. Auf 3.026 Metern eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama über die Fanesgruppe und die umliegende Dolomitenlandschaft. Hier oben kann eine Gipfelpause schon mal ganz schön windig werden, deshalb steigst du am besten wieder über den Klettersteig zurück zum Einstieg, um dort an einem windgeschützten Platz wieder Kräfte für den Rückweg zu sammeln.
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Fazit
Die Tour auf die Zehnerspitze ist vor allem deshalb so besonders, weil sie weit mehr als ein kurzer Klettersteig ist. Der eigentliche gesicherte Gipfelabschnitt dauert nur etwa 30 Minuten, dafür führt bereits der Zustieg durch eine spektakuläre alpine Landschaft mit gewaltigen Felswänden, schmalen Felsbändern und dem offenen Fanesplateau. Wer schwindelfrei, trittsicher und bergerfahren ist, bekommt hier eine abwechslungsreiche Tour auf einen 3.000er geboten. Der Klettersteigabschnitt ist natürlich das absolute Highlight der Tour! Selten kommt man über einen so schönen und spektakulären Grat direkt zum Gipfelkreuz eines so einmaligen Gipfels. Auf dem Rückweg kann man außerdem noch einen kurzen Abstecher zum Gipfel des Heiligkreuzkofels machen, von dem aus man die Zehnerspitze noch mal aus einer ganz anderen Perspektive anschauen kann.
Wenn du in der Gegend noch weitere Klettersteige gehen möchtest, dann solltest du dir den Steig auf die Neunerspitze genauer anschauen. Auch hier geht es über einen beeindruckenden Gratweg auf den Gipfel, der Zustieg bietet aber landschaftlich etwas ganz anderes als die Zehnerspitze!
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