Stolze 125 Stufen führen hinab in die „Dunkle Klamm“, und mit jedem Schritt wird es enger, dunkler und lauter. Ich blicke in die Tiefe und sehe, wie sich das tosende Wildwasser der Lammer durch die engen Felsen frisst. Der helle Kalkstein, über Jahrtausende vom Wasser glatt geschliffen, zeigt sich in bizarren Formen. Schmale Holzstege führen direkt an steilen Felswänden entlang zu spektakulären Aussichtspunkten. Aber für wen lohnt sich der Besuch der Lammerklamm bei Scheffau im Salzburgerland eigentlich wirklich?
Lohnt sich ein Besuch der Lammerklamm?






Die knapp 1.000 Meter lange Lammerklamm ist bereits seit 1884 touristisch durch eine Steiganlage erschlossen. Knapp 43 Meter Höhenunterschied überwindet die Lammer hier im gleichnamigen Tal. Die rund 2,6 Kilometer lange Wanderung durch die Klamm bei Scheffau am Tennengebirge führt durch beeindruckend enge Felswände, die vom tiefgrünen Wasser der Lammer über Jahrtausende hinweg geformt wurden.
Auf den gut gesicherten Holzstegen erlebt man die Kraft des Wassers hautnah, ohne alpine Erfahrung mitbringen zu müssen. Sehr erfahrene Wildwassersportler suchen hier den Adrenalinkick und wählen ihre Fahrtspur mit höchster Konzentration. Die Lammerklamm ist von Mitte April bis Oktober, manchmal auch Anfang November, geöffnet. Die Wanderung ist familienfreundlich, aber aufgrund zahlreicher Stufen nicht mit dem Kinderwagen möglich.
Fototipp: Am beeindruckendsten ist die Lammerklamm in der „Dunklen Klamm“. Geht bis zur Aussichtskanzel am Holzsteg vor und reduziert die Belichtungszeit eurer Kamera noch einmal etwas. Dann wirken die Bilder noch mystischer und die Schlucht noch beeindruckender. Wenn ihr eine etwas längere Belichtungszeit wählt, könnt ihr dem Wasser einen fließenden Effekt verleihen, wodurch die Szene noch spektakulärer wirkt.
Anreise nach Scheffau am Tennengebirge
| Lage: | Tennengau |
| Länge Klamm: | ca. 1.000 m |
| Höhenunterschied: | 43 m |
| Eintrittspreis: | ab 9,00 Euro |
| Öffnungszeiten: | Mitte April bis November |
Von München aus erreicht man Scheffau am Tennengebirge in rund zwei Stunden mit dem Auto. Über die A8 Richtung Salzburg und weiter auf der Tauernautobahn A10 fährt man bis zur Ausfahrt Golling-Abtenau (Achtung: österreichische Vignettenpflicht!). Von dort sind es noch etwa zehn Minuten bis zum Eingang der Lammerklamm. Der große Parkplatz befindet sich direkt am Kassenhaus und ist gebührenfrei.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, nimmt am besten den Zug bis Salzburg Hauptbahnhof und steigt dort in die Regionalbahn nach Golling-Abtenau um. Einige ICE-Züge halten sogar direkt am Bahnhof Golling-Abtenau, sodass man nur noch den Regionalbus 470 Richtung Abtenau nehmen muss. Die Haltestelle „Lammeröfen“ liegt direkt beim Eingang zur Klamm; bequemer geht es kaum.
Eintritt in die Wildwasser-Schlucht
Für den Besuch der Lammerklamm empfehle ich euch, festes Schuhwerk mit gutem Profil zu tragen, da die Wege über Wurzeln und rutschige Holzstufen führen. Die Wanderung ist technisch einfach, doch Trittsicherheit ist von Vorteil.
Proviant braucht ihr auf diesem Ausflug nicht mitzunehmen. Am Ende der Schlucht gibt es das Gasthaus „Lammerklause“, also steckt vielleicht etwas Geld ein. Die Lammerklamm könnt ihr auch gut bei nicht so schönem Wetter besuchen. Mit wetterfester Kleidung ist die Wanderung problemlos machbar.
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Erste Tiefblicke in die schmale Lammerklamm
Am Eingang der Lammerklamm ist von der Schlucht noch kaum etwas zu sehen. Ein Schild weist nach rechts zu den 125 Stufen in die „Dunkle Klamm“. Wir heben uns dieses Highlight jedoch für später auf. Zunächst gehen wir leicht bergab die lange Klamm entlang und erhaschen einen ersten Blick auf den Lammerfluss. Hier war ich zunächst etwas enttäuscht, da es immer noch wenig nach Schlucht aussieht. Das ändert sich jedoch nach der nächsten Kurve.
Die Felswände werden steiler und das Wasser schlängelt sich leuchtend grün zwischen den hellen Kalkfelsen hindurch. Ich sehe die „Hohe Brücke“ und genieße wenige Minuten später die ersten imposanten Tiefblicke auf das rauschende Wasser. Hinter der Brücke weitet sich die Lammer und fließt nun in einem breiteren Flussbett weiter. Umso neugieriger bin ich jetzt auf die „Dunkle Klamm“.
Über 125 Stufen in die „Dunkle Klamm“
Zurück am Eingang geht es 125 Stufen bergab direkt in die Dunkle Klamm. Bereits nach den ersten Metern wird mir klar, warum sie diesen Namen trägt. Die Felsen rücken immer enger zusammen, das Licht wird spärlicher, und das Wasser rauscht tief unten zwischen den glatten Kalksteinwänden hindurch. Die Holzstege sind direkt in den Felsen gebaut und führen zu einer kleinen Aussichtskanzel.
Ich bin richtig geflasht. Die Felsen wirken, als wären sie über Jahrtausende vom Wasser rundgeschliffen worden, und zeigen sich in bizarren Formen. Ganz hinten sieht man, dass sich die Klamm wieder etwas weitet. Das einfallende Licht lässt das tiefgrüne Wasser im Kontrast zum dunkleren Gestein regelrecht leuchten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Kajakfahrer hier tatsächlich durchfahren können. Aber auch aus meiner Perspektive ist es ein kleines Abenteuer, so wildes Wasser zu sehen.
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Fazit
Die Lammerklamm ist mit ihren engen Felswänden und dem wilden Wasser zweifellos ein beeindruckendes Naturerlebnis. Doch meiner Meinung nach lohnt sich eine weite Anreise allein für die Klamm nicht. Kombiniert den Ausflug am besten mit anderen Highlights der Region, wie dem Gollinger Wasserfall oder einer Wanderung auf der Postalm, die ebenfalls wunderschöne Ausblicke bietet.
Je nach Wetter lohnt sich auch ein Besuch im Salzbergwerk in Hallstatt oder Bad Dürrnberg. Die bekannten Gosauseen sind ebenfalls nicht weit entfernt, sodass ihr den Tag mit mehreren Sehenswürdigkeiten zu einem echten Naturabenteuer ausdehnen könnt.
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