Es ist ein kleiner Ort im Salzkammergut mit nicht mal 800 Einwohnern. Oft spricht man von seiner Bekanntheit „weit über die Landesgrenzen hinaus“ – was hier bei Hallstatt wohl die Untertreibung des Jahres ist. Hallstatt ist ein richtiger Touristenmagnet – besonders für Besucher aus dem asiatischen Raum. Doch was ist an dem österreichischen Dörfchen so faszinierend, dass es sogar eine Kopie davon in China gibt? Ich finde es für euch heraus und besuche den Ort im wunderschönen Salzkammergut.

Lohnt sich ein Besuch in Hallstatt?

Ich muss gestehen, dass ich selbst nur eine gute Stunde Autofahrt von Hallstatt entfernt wohne und ich war das letzte Mal im Kindergartenalter dort, weshalb ich mich nicht mehr viel daran erinnere. An jenem Sonntag war das Wetter in April-Stimmung, und somit war ich bester Laune, nun endlich noch einmal nach Hallstatt zu fahren, um die Schönheit des Ortes mit eigenen Augen zu bewundern.

Dabei ist es sensationell, einen Teil des UNESCO-Weltkulturerbe hier quasi vor der Haustüre zu haben. Laut Welterbe-Komitee ist die Region ein „außergewöhnliches Beispiel einer Naturlandschaft von einzigartiger Schönheit“. Einem chinesischen Architekten gefiel der Ort sogar so gut, dass er ihn tatsächlich in China spiegelverkehrt nachgebaut hat. Krass! In Hallstatt gibt es zudem das älteste Salzbergwerk der Welt. Dort wird noch heute Salz abgebaut. Das konnte in China wohl nicht nachgebaut werden.

Anreise nach Hallstatt

Der historische Ort liegt am Westufer des Hallstättersees, und kann wunderbar über den Schienenverkehr mit der Salzkammergutbahn und mit anschließender Bootsfahrt, einmal quer über den See, erreicht werden. Die etwa 75 km lange Anreise mit dem Auto, von Salzburg Stadt aus, führt entlang mehrerer Seen des Salzkammerguts nach Bad Ischl und dort über Bad Goisern weiter zum Hallstättersee.

Da der Ort eingebettet zwischen hohen Bergen und dem See liegt, sind in den Sommermonaten die Parkplätze Mangelware. Auch wenn wir schon am Vormittag unser Ausflugsziel erreichen, sind die Parkplätze bereits gut gefüllt. Alternativ ist die Anreise mit dem Zug möglich. Der Bahnhof befindet sich auf der gegenüberliegenden Seeseite. Von dort muss man die Fähre nehmen.

Ein erster Eindruck von Hallstatt

Lage:Salzkammergut
Einwohnerzahl:knapp 800
Jährliche Besucher:~ 1 Mio
Kuriosität: Kopie davon in China
Beste Reisezeit:Ganzjährig

Wir spazieren vom Parkplatz am Seeufer entlang in den historischen Ortskern. Die Liebe zum Detail bei den dicht aneinander, direkt in den Fels gebauten Häusern fällt mir sofort ins Auge. Balkone und Holzvertäfelungen sind aufwändig geschnitzt und man fühlt sich in der Zeit weit, weit zurück versetzt.

Einige Renovierungen an den Fassaden und Dächern werden gerade vorgenommen. Der Ort wirkt also in keinster Weise verschlafen oder verfallen. Es sind schon viele Besucher in den schmalen Gassen unterwegs und fotografieren motiviert die Gegend.

Einzigartige Ruhestätte – das Beinhaus

Wir schlendern über den Themenweg durch Hallstatt und nehmen ein paar Treppen nach oben zu einer Kirche. Das klingt jetzt zwar bisschen echt gruselig – aber in dieser Michaelskapelle befindet sich eine besondere Sehenswürdigkeit: das Beinhaus. Es umfasst eine Sammlung von über 600 kunstvoll mit Blumenranken bemalten Schädeln. Da fragt ihr euch sicher nun – warum?

Aus Platzmangel am Friedhof wurden Gräber wieder geöffnet und die Schädel dem Beinhaus beigesetzt. So finden die Verstorbenen weiterhin ihre ewige Ruhe zwischen Fels und See. Etwas still und andächtig verlasse ich diese einzigartige Gedenkstätte. Der Glaube der Menschen hat das Ortsbild von Hallstatt nachhaltig und sichtlich geprägt.

Fototipp: Das klassische Postkartenfoto von Hallstatt mit dem imposanten Dachsteinmassiv im Rücken entsteht Richtung Süden blickend auf die Evangelische Pfarrkirche. Wenn man Glück hat, legt auch gerade ein Boot bei de Anlegestelle an – ansonsten lohnt es sich, auch kurz darauf zu warten.

Es gibt noch viel mehr zu sehen

Wir spazieren wieder abwärts und haben einen unglaublich schönen Blick über ganz Hallstatt bis hinauf zum Krippenstein. Dahin führt eine Seilbahn zu einer ziemlich coolen Aussichtsplattform namens 5fingers. Die Talstation liegt auf der gegenüberliegenden Seeseite in Obertraun.

Wer den Hallstättersee genauer erkunden möchte, kann mit einer sogenannten „Zille“, einem urigen Salzschiff, eine Bootsfahrt über den See machen. Oder man begibt sich tief in die Salzstollen hinein, welche die Menschen vor über 3.000 Jahren in den Berg gegraben haben, um das weiße Gold zu gewinnen. Die Salzwelten sind ein Salzbergwerk mit Ausstellungen, unterirdischer Rutsche und Bootsfahrt auf einem Salzsee.

Fazit

Unser Nachmittagsausflug war toll und leider viel zu kurz. Zum Schluss haben wir noch mit der Salzbergbahn einen Abstecher zur 360 Meter hohen, freischwebenden Aussichtsplattform „Skywalk-Welterbeblick“ gemacht und einen Kaffee mit Tiefblick auf den fjordartigen Hallstättersee und die umliegende Bergwelt genossen. Man kann auch zu Fuß nach oben wandern. Die Gehzeit vom Ortszentrum beträgt etwa 1,5 Stunden.

Ich kann euch wirklich ans Herz legen, Hallstatt einmal zu besuchen und auf den Spuren der Geschichte dieses Ortes zu wandeln. Mein Rat allerdings: Früh dort sein! In den Vorjahren drängten sich an manchen Tagen bis zu 10.000 Gäste durch die engen Gassen – das sind fast eine Million Besucher pro Jahr.

Lage

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