Wasserfallweg zum Lüsener Gletscher im Sellraintal

Ich stehe auf einer schwankenden Hängebrücke mitten im Nichts. Direkt unter meinen Füßen donnert das eiskalte Schmelzwasser ohrenbetäubend in die Tiefe. Die Natur ist hier mit allen Sinnen zu spüren. Und das ist noch nicht mal das beste, was wir auf unserer Tour durchs Sellraintal bei Innsbruck erleben. Denn der Weg schlängelt sich weiter hinauf, ins hochalpine Gelände, direkt zum Lüsener Ferner. Wow! Es ist einer der letzten großen Gletscher Österreichs und ich fühle mich plötzlich winzig, wenn ich auf diese gigantische Fläche aus Eis blicke.

Lohnt sich die Wanderung zum Lüsener Ferner im Sellraintal?

Das Sellraintal bei Innsbruck ist unter Bergbegeisterten noch ein echter Geheimtipp. Von unten lässt sich kaum erahnen, wie wild, hochalpin und beeindruckend der Pfad bis an die gigantische Gletscherzunge des Lüsener Ferners sein wird. Knapp 1.200 Höhenmeter gilt es zu meistern, wenn ihr vom Talboden bis zum ewigen Eis aufsteigen möchtet.

Aber gerade an heißen Sommertagen wird aus der anstrengenden Tour ein absolutes Abenteuer. Denn der Wanderweg führt vorbei an einem rauschenden Wasserfall und direkt hinein in eine faszinierende Welt aus Eis und Schnee. Wenn ihr den Aufstieg bis zur Gletscherzunge durchzieht, steht ihr am Ende vor einer monumentalen Naturkulisse auf fast 3.000 Metern Höhe.

Fototipp: Das coolste Foto entsteht wahrscheinlich direkt vor dem Gletscher. Hier hat man das Eis im Hintergrund, während ihr mit Shorts oder sommerlicher Wanderbekleidung direkt davor posiert. Das ist super beeindruckend!

Anreise ins Sellraintal

Strecke:10,8 km
Höhenmeter:1.162 hm
Gehzeit:5:30 Stunden
Einkehrtipp:Alpengasthof Praxmar
Beste Reisezeit:Juni – September

Das Sellraintal liegt nur etwa 30 Autominuten von Innsbruck entfernt. Wir düsen bis zum Alpengasthof Lüsens. Hier gibt es einen großen, gebührenpflichtigen Parkplatz. An heißen Sommertagen lohnt es sich, früh zu kommen. Denn ansonsten sind die Parkflächen im Tal beschränkt. Das Sellraintal an sich ist zwar nicht überlaufen, aber hier stehen auch Autos von Wanderern, die mehrere Tage eine Hüttentour machen.

Ein wichtiger Tipp für die Anreise: Nehmt auf der kurvigen Bergstraße unbedingt den Fuß vom Gas und fahrt vorausschauend. Hier im Tal kann es völlig unverhofft passieren, dass Kühe oder Pferde mitten auf der Fahrbahn stehen oder euch gemütlich hinter der nächsten Kurve entgegenkommen.

Denkt an warme Kleidung auch bei sommerlichen Temperaturen

Neben einer guten Grundkondition solltet ihr vor allem ausreichend Trinkwasser, ein paar Snacks und guten Sonnenschutz einpacken. Es gibt keine Hütten und Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Und das Gletscherwasser sieht zwar verlockend aus, ist aber nicht trinkbar.

Schuhe mit einer guten, rutschfesten Profilsohle sind wichtig und denkt unbedingt auch an warme Kleidung und eine wetterfeste Jacke. Auch wenn im Tal sommerliche Temperaturen herrschen, wird es weiter oben auf knapp 3.000 Metern Höhe in der Nähe des Gletschers schlagartig frisch.

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Spektakuläre Hängebrücke am Wasserfall

Der erste Abschnitt ist perfekt zum Reinkommen. Wir wandern vorwiegend eben auf einer breiten Forststraße inmitten einer absoluten Bilderbuchkulisse. Dann zweigt der Pfad links ab und wird schlagartig steiler. Ab hier wandelt sich die Wanderung in einen echten Bergweg. Stellenweise geht es über Metalltritte oder vorbei an Drahtseilversicherungen nach oben, teils müssen wir riesige Stufen überwinden. Hier braucht ihr definitiv ein bisschen Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit und Kondition für den knackigen Aufstieg.

Doch die Mühe lohnt sich schnell. Nach rund 500 absolvierten Höhenmetern erreichen wir eine spektakuläre Hängebrücke, die sich über einen wild rauschenden Wasserfall spannt. Es fühlt sich an, als bin ich mitten in einem Abenteuerfilm unterwegs. Unter den Füßen wackelt es ordentlich, die Gischt spritzt uns ins Gesicht und die unbändige Kraft des Wassers ist hautnah spürbar. Richtig stark!

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Ganz nah ran ans ewige Eis vom Lüsener Ferner

Weiter geht es bergauf. Wir wandern beim Aufstieg immer in der Nähe des Wassers nach oben. Logisch, denn der Wildbach entspringt direkt dem schmelzenden Gletscher, zu dem wir wollen. Je höher wir kommen, desto gerölliger, karger und hochalpiner wird die Landschaft. Die Pflanzen werden weniger, und die ersten Schneefelder kommen in Sicht, von denen wir einige vorsichtig queren müssen.

Und dann stehen wir endlich vor dem beeindruckenden Lüsener Ferner. Es ist eine faszinierende, fast surreale Welt aus Eis und Schnee. Gleichzeitig stimmt der Anblick nachdenklich, denn auch dieser Riese schrumpft unaufhörlich. Experten gehen davon aus, dass die Gletscher in Österreich bis zum Jahr 2050 komplett verschwunden sein könnten. Umso magischer ist es, jetzt hier zu stehen.

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Fazit

Der Rückweg erfolgt auf derselben Route zurück ins Tal. Ich finde die Wanderung zum Lüsener Ferner einfach gigantisch. Ich mag den Kontrast, den man unterwegs erlebt. Die Landschaft ändert sich stetig und es wird nicht langweilig. Allerdings hat es gerade der Abstieg durch das lose Geröll noch mal in sich. Am besten habt ihr schon die eine oder andere Tour in den Bergen zurückgelegt, bevor ihr euch an diesen Aufstieg wagt. Dann werdet ihr aber sicher noch lange von den Eindrücken zehren.

Falls ihr noch abenteuerlustiger seid, kann ich euch zusätzlich den Aufstieg zum Lüsener Fernerkogel empfehlen. Die Tour würde ich aber nur mit Bergführer in Angriff nehmen. Der Weg ist unmarkiert und erfordert absolut sichere Kenntnisse des Geländes. Da geht’s dann mit leichter Kletterei nach oben und für die Gletscherquerung sind zusätzlich Steigeisen, Helm und Gurt notwendig.

Lage

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