Um den Jemen als Reiseziel ist es etwas still geworden. Die Gründe sind ebenso bekannt wie tragisch. Es wird Zeit, dass wir uns daran erinnern, welch großartige Attraktionen dieses südarabische Land bereithält. Die Sehenswürdigkeiten des Jemen sind legendär. Dieses Märchenland aus Tausendundeiner Nacht könnte wieder ein absolutes Must-see für Reisende werden. Einen der interessanten Orte könnt ihr sogar heute schon im Rahmen einer Tour besuchen. Unsere Reisetipps dienen vor allem eurer Fantasiereise, bevor es hoffentlich bald wieder losgehen kann in den Jemen.
Top-Sehenswürdigkeiten im Jemen im Überblick
Der Jemen hat knapp 40 Millionen Einwohner und das absolute Potenzial, wieder ein erstklassiges Reiseziel zu werden. Ein paar Beispiele gefällig? Beeindruckende Ruinen aus der Zeit der legendären Königin von Saba sind in Ma’rib erhalten geblieben. Die jemenitische Hauptstadt Sanaa mit ihrer spektakulären Altstadt und dem berühmten Stadttor Bab al-Yaman wäre allein schon eine Reise wert.
Der märchenhafte Felsenpalast Dar al-Hajar ragt aus einer kargen, archaischen Landschaft. Weiter westlich erstrecken sich imposante Berggipfel mit der Festungsstadt Kaukaban und den typischen jemenitischen Terrassenfeldern. Im Süden des Landes liegt das von jahrhundertealten Wolkenkratzern geprägte Schibam. Das höchste Minarett des Jemen erhebt sich in Tarim. Und auf der Insel Sokotra könnt ihr unvergessliche Trekkingtouren unternehmen.
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#jemen
Ist Jemen ein sicheres Reiseland?
Nein. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Jemen. Außerdem sollen deutsche Staatsbürger, die das Land noch nicht verlassen haben, ausreisen. Es gibt allerdings einige Reiseveranstalter, die noch Reisen zur Sokotra-Inselgruppe anbieten. Die Lage sei hier sicherer als auf dem Festland. Die Reisewarnung besteht jedoch auch hier.
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1. Altstadt von Sanaa: Zeitreise ins Arabien früherer Jahrhunderte

| Lage: | Nördlicher Jemen |
| Must-See: | Einzigartige Lehmbauten |
| Must-Do: | Besuch des Suq al-Milh |
Die Altstadt von Sana’a gilt als eine der schönsten auf der arabischen Halbinsel. Stolze Lehmbauten, die hoch hinauswollen, erstrahlen durch dekorative Zierelemente und die mit Weiß strukturierten Fensteröffnungen. Eleganz und Zeitlosigkeit sprechen aus den Fassaden. Kaum ein Neubau stört das Ensemble dieser jahrhundertealten Häuser mit ihren Flachdächern.
Tagsüber ist der älteste Markt Arabiens, der Suq al-Milh, die Wirkungsstätte traditionellen Handwerks. Farbenfrohe Stände mit Weihrauch und orientalischen Gewürzen bestimmen das Bild. Und frühmorgens klingt über all dem der Ruf des Muezzins, aus dem man den flehenden Wunsch nach Frieden heraushören könnte.
2. Sokotra: Insel der Drachenblutbäume


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| Lage: | Golf von Aden |
| Größe: | 3.796 km² |
| Einwohner: | ca. 42.000 |
Wie magische Gewächse aus einer anderen Welt ragen die berühmten Drachenblutbäume aus der Savannenlandschaft. Die Insel Sokotra im nordwestlichen Indischen Ozean liegt näher am Horn von Afrika als an der Arabischen Halbinsel.
Für den Indienhandel und den Anbau von Weihrauch war Sokotra seit alters her bedeutend. Hirten, Fischer und Ackerbauern gehen ihrem Tagwerk nach. Im Landesinneren gibt es fruchtbare Täler mit ursprünglicher Vegetation. Manche der Tier- und Pflanzenarten auf Sokotra findet ihr nur dort. Es gibt kilometerlange, menschenleere Sandstrände mit imposanten Dünen. Sokotra ist ein Abenteuer, das derzeit für risikofreudige Reisende mit spezialisierten Veranstaltern möglich ist.
3. Shibam: Chicago der Wüste

| Lage: | Wadi Hadramaut |
| Einwohner: | ca 13.000 |
| Besonderheit: | Hochhäuser aus Lehm |
Eine magische Atmosphäre liegt über den eng nebeneinander stehenden Wolkenkratzern, die um die 400 Jahre alt sind. Die bis zu 25 Meter hohen Lehmhäuser schimmern im Abendlicht über dem trockenen Lauf des Wadi Hadramaut.
Die empfindlichsten Bauteile sind durch weißen Kalkputz geschützt, der nur alle 25 Jahre erneuert werden muss, anders als die empfindlichen, ungebrannten Lehmziegel selbst. In die von einer Mauer umschlossene Altstadt gelangt man nur durch das trutzige Stadttor. Die durch Entvölkerung gefährdete Wüstenmetropole Shibam gehört seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
4. Al-Saleh Moschee: Größte Moschee des Landes

| Eingeweiht: | 2008 |
| Baukosten: | 60 Millionen Dollar |
| Kapazität: | 44.000 Menschen |
Ein Vermächtnis des alten Diktators Abdullah al-Saleh ist diese prachtvolle, im arabisch-jemenitischen Baustil errichtete Al-Saleh-Moschee. Sie hat seine Herrschaft überdauert und darf als eine der wenigen Moscheen des Landes auch von Nichtmuslimen betreten werden.
Prachtvoll und elegant sind die sechs Minarette und sieben verzierten Kuppeln dieses Gotteshauses. Andere Moscheen in Sana’a gehen bis in die Zeit des Religionsgründers Mohammed zurück. Dazu gehört die 1.300 Jahre alte Große Moschee, deren Schönheit von außen nur erahnt werden kann. Sie soll aus den Ruinen des Ghumdan-Palastes errichtet worden sein, des legendären ersten Wolkenkratzers der Welt.
5. Dar-al-Hajar: Felsenpalast im Wadi Dar


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| Lage: | 15 km von Sana’a |
| Must-See: | Hochzeitsfelsen |
| Errichtet: | 1920er Jahre |
Nicht ganz zutreffend wird der Dar al-Hajar als „Eiffelturm des Jemen“ bezeichnet. Dieser Palast thront wie ein Adlernest auf einem Felsen im Wadi Dhar, unweit der Hauptstadt Sana’a. Das beliebte Ausflugsziel lässt einen staunend und mit offenem Mund zurück.
Säle, Gänge und Treppen sind in den Sandstein gehauen. In diesem etwa 100 Jahre alten Wohnturm residierte einst Yahya, Imam des Jemen, doch er geht auf viel ältere Vorgängerbauten zurück. Freitagmorgens werden oberhalb, am Hochzeitsfelsen, ausgelassene Feste gefeiert.
6. Ruinen von Ma’rib: Legendäres Königreich Saba

| Lage: | 100 km von Sanaa |
| Must-See: | Antiker Staudamm |
| Besonderheit: | UNESCO-Weltkulturerbe |
Bevor die Ptolemäer und Römer den Seeweg über das Rote Meer erschlossen, führten die Karawanen durch das Königreich Saba. Die Herren der Weihrauchstraße verlangten hohe Zölle und ließen sich prächtige Heiligtümer wie den Awwam-Tempel in ihrer Hauptstadt Ma’rib errichten.
Durch den weltberühmten antiken Staudamm entstand eine fruchtbare Oase. Die Stadt Ma’rib versank jahrhundertelang unter Sand, bevor im 19. und 20. Jahrhundert Archäologen begannen, diese antike Metropole zu erforschen. Die Ruinen von Alt-Ma’rib wirken wie eine Fata Morgana. Dies gilt ganz besonders für den alten Staudamm, der heute das Wappen der Republik Jemen ziert.
7. Shaharah- Brücke: Spektakuläre Schlucht

| Lage: | Bei Huth |
| Must-See: | Zisternenanlage |
| Gipfel: | Jabal Shaharah (2.500 m) |
Ganz im Norden des Jemen erstreckt sich das Land der schiitischen Zayditen. Hoch in den Bergen dieser kargen Region erheben sich einzelne Dörfer wie Festungen. Um hier hinaufzukommen, müssen Reisende tiefe Schluchten überqueren.
Die Brücke von Shaharah ist eine gewagte, steinerne Bogenbrücke für Fußgänger. Sie wurde im 17. Jahrhundert vom Baumeister Al-Yamani errichtet. Nur über diese Brücke kommt man hinauf ins Dorf Shaharah. Hier herrschen Stammesgesetze, und es erfordert Mut, sich von den minderjährigen Einheimischen per Pickup vom Wadi Lisnan hinauffahren zu lassen. Doch für diese spektakuläre, archaische Szenerie lohnt es sich unbedingt.
8. Trekking im Norden: Malerische Terrassenfelder


| Startpunkt: | Hajja |
| Must-See: | Traditionelle Wehrdörfer |
| Beachten: | Nur mit Guide wandern |
Bei Hajja beginnt ein wildromantisch zerklüftetes Wandergebiet durch Gebirge und traditionelle Terrassenfelder. Auf geführten Trekkingtouren steht ihr mit dem Ruf des Muezzins auf, um die Morgenkühle auszunutzen.
Bevor die Sonne weit oben am Himmel steht, balanciert ihr über steinige Hänge und habt eine atemberaubende Aussicht auf uralte Dörfer und Terrassenlandschaften. Hier ringen die jemenitischen Bauern dem kargen Boden eine Ernte aus widerstandsfähigen Getreide- und Gemüsesorten ab. Ein Guide bringt euch über alte Ziegenpfade bis hinauf zum Jabal-Maswar-Plateau. Auf dem Weg begleiten euch kreisende Adler, und in der Ferne ragen alte Wohntürme aus den Felsen wie kariöse Zähne.
9. Zabid: Gefährdetes Welterbe


| Lage: | 100 km von Al-Hudaida |
| Must-See: | Große Moschee |
| UNESCO-Welterbe: | seit 1993 |
Nicht weit vom Roten Meer entfernt liegt das uralte Zabid in der Küstenregion Tihama. Innerhalb der ehemaligen Stadtmauer mit ihren vier Toren stehen reich verzierte, meist nur einstöckige Häuser aus gebrannten Lehmziegeln.
Ornamente und Friese aus Stuck machen die Stadt zu einem echten Schmuckstück. Weiß getüncht erstrahlt die Große Moschee im Abendlicht, doch wie fast überall im Jemen ist der Zutritt für Nichtmuslime verboten. Zabid gleicht einem ungeschliffenen Diamanten, viele Häuser zerfallen, und manche wurden von Kriegen in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb hat die UNESCO die Stadt im Jahr 2000 zum gefährdeten Kulturerbe erklärt.
Weitere Reisetipps auf der Arabischen Halbinsel
Schon gewusst? Reisen in den Jemen waren schon immer ein Abenteuer, doch heute sind sie auf dem Festland ein unkalkulierbares Risiko. Das Auswärtige Amt spricht wegen Bürgerkrieg, Huthi-Herrschaft im Norden und Entführungsgefahr eine Reisewarnung aus. Die Insel Sokotra ist vom Bürgerkrieg im Jemen weniger stark betroffen, die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt jedoch auch hier. Es ist auf jeden Fall anzuraten, dass ihr mit spezialisierten Reiseveranstaltern auf Sokotra unterwegs seid und euch im Vorfeld genau informiert, falls ihr es trotzdem wagen wollt.
Für den Jemen braucht ihr ein Visum, das ihr vorab beantragen müsst. Von Abu Dhabi und Aden gibt es unregelmäßig Flüge nach Sokotra. Der Jemen gilt als eines der landschaftlich und kulturell schönsten Länder dieser Erde. Es bleibt zu hoffen, dass das Land in nicht allzu ferner Zukunft zu stabileren Verhältnissen zurückkehrt und die Menschen dort nicht mehr unter dem Bürgerkrieg und der extremen Armut leiden müssen, sondern vielmehr vom Tourismus profitieren können.
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