Der Wind pfeift ununterbrochen, während unter den Wanderschuhen der nackte Fels steil in die Tiefe stürzt. Vor mir, völlig vom Festland isoliert, thront eine gewaltige Ruine auf einem breiten Plateau, das wie ein einsamer Steinblock aus der aufgewühlten Nordsee ragt. Wer das echte, raue Schottland sucht, findet hier keine sanfte Landschaft, sondern eine gewaltige Anlage, die den Elementen seit Jahrhunderten trotzt. Doch der einzige Weg zur Burg führt über eine schmale Felstreppe tief in die Klippen!
Lohnt sich der Besuch von Dunnottar Castle in Schottland?





Dunnottar Castle ist eine der bekanntesten schottischen Ruinen der Welt. Der älteste erhaltene Teil stammt aus dem Jahr 1392, und die Anlage liegt etwa zwei Kilometer südlich von Stonehaven. Die mittelalterliche Anlage befindet sich auf einem 50 Meter hohen Felsen, der fast vollständig vom Meer umschlossen ist.
Diese strategische Lage machte sie über Generationen hinweg extrem sicher. Hier wurden einst sogar die schottischen Kronjuwelen vor den Truppen Oliver Cromwells versteckt. Die Umgebung ist geprägt von schroffen Steilküsten und grünen Plateaus, auf denen Seevögel brüten, während in den Buchten unterhalb der Mauern regelmäßig Robben im kalten Wasser spielen.
Fototipp: Für das spektakulärste Foto läufst du vor dem Burgeingang den grünen Hang ein Stück nach rechts (Süden), um den berühmten seitlichen Blick auf die isolierte Festung zu erhalten. Ein Weitwinkelobjektiv fängt dabei die gesamte Dramatik der Steilküste ein. Beachte unbedingt, dass Drohnenflüge über der gesamten Anlage untersagt sind.
Anreise zum Dunnottar Castle
| Lage: | Ostküste Schottlands |
| Anreise: | Pkw/ÖPNV |
| Geöffnet: | April bis September |
| Eintrittspreis: | ab 16 Pfund (ca. 18 €) |
| Erste Erwähnung: | 7. Jahrhundert |
Die Reise zum Castle beginnt für gewöhnlich am internationalen Flughafen Aberdeen (ABZ). Von dort trennen dich etwa 33 Kilometer und knapp 30 Minuten Fahrt über die A90 oder die landschaftlich reizvollere A92 von deinem Ziel.
Wenn du lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, nimmst du den Zug vom Bahnhof Aberdeen nach Stonehaven, ca. 20 Minuten. Vom Bahnhof in Stonehaven kannst du entweder für drei Kilometer ins Taxi springen oder, mein persönlicher Tipp, den etwa 45-minütigen Weg entlang der Küstenpfade wandern. Dieser Pfad führt dich direkt an den Klippen entlang und vorbei am imposanten War Memorial, von wo aus du den wohl schönsten ersten Blick auf die gesamte Burganlage genießt.
Darauf musst du bei deinem Besuch achten
Da das Wetter an der schottischen Ostküste oft sehr unbeständig ist, gehört eine windfeste Regenjacke definitiv zur Grundausrüstung. Ich empfehle, die Tickets vorab online über die offizielle Website zu buchen, da der Einlass über die schmalen Zugangstreppen oft begrenzt ist. Da der Weg zur Burg über sehr viele steile Stufen und teils rutschige Pfade führt, sind feste Wanderschuhe mit gutem Profil unverzichtbar.
Ein wichtiger Hinweis: Bei sehr starkem Sturm bleibt die Anlage aus Sicherheitsgründen oft kurzfristig geschlossen. Checke also am Morgen deines Besuchs unbedingt die aktuellen Meldungen auf der Website. Ein Imbisswagen für den kleinen Hunger, Toiletten sowie einige Parkplätze befinden sich etwa 600 Meter vom Burgeingang entfernt direkt an der Zufahrtsstraße.
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Wenn schottische Geschichte greifbar wird
Ich verlasse den Parkplatz, und mit jedem Schritt auf dem Pfad in Richtung der Klippen rückt die Silhouette der Burg deutlicher ins Sichtfeld. Die Ausmaße der Anlage auf diesem isolierten Felsen sind schon aus der Distanz beeindruckend und lassen erahnen, wie sicher sich die Bewohner hier gefühlt haben müssen.
Bevor ich die Burg durch das schmale Eingangstor betrete, biege ich jedoch erst einmal nach rechts ab. Ich möchte mir Zeit nehmen, um das beste Bild von außen zu schießen und die gesamte Kulisse mit der steil abfallenden Küste in Ruhe auf mich wirken zu lassen. Ich lege mich ins Gras und genieße den Moment, wie Vögel über der Burg kreisen und tosende Wellen gegen die Halbinsel donnern.
Spaziergang durch Dunnottar Castle zwischen Himmel und Meer
Meine Erkundung beginnt am Fuße des gewaltigen Felsens, wo mich unzählige steile Stufen hinauf zum Eingangstor führen. Sobald ich das kleine Tickethaus und die schweren Mauern passiert habe, öffnet sich eine Wiese innerhalb der Festung. Die ersten Schritte führen mich zum imposanten Wohnturm. Ich erkunde dunkle Vorratskammern und stehe ehrfürchtig in der Ruine der Kapelle, deren leere Fensterrahmen die dunkle Nordsee wie ein Gemälde einfassen.
Besonders beeindruckend sind die Überreste der Schmiede und des Gefängnisses, die einen Kontrast zur Weite des zentralen Platzes bilden. Da die Anlage sehr weitläufig ist, entdecke ich ständig neue Details in den zerfallenen Mauern. Mindestens 60 Minuten sollte man sich für den Besuch der Ruine nehmen. Ein weiteres Highlight ist der Gang entlang der äußeren Klippenkante. Von hier oben hat man einen tollen Blick auf die tosende Brandung.
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Fazit
Es ist tief beeindruckend, diesen geschichtsträchtigen Teil Schottlands zu sehen, der durch seine dramatische Lage eine fast magische Anziehungskraft ausübt. Die Kombination aus rauer Natur und den Überresten der alten Gebäude macht Dunnottar Castle zu meinem persönlichen Favoriten an der Ostküste. Insbesondere lohnt sich der ausgedehnte Spaziergang über die grünen Wiesen an der Klippe für faszinierende Fotomotive der Ruine aus den verschiedensten Perspektiven.
Wenn du nach der Besichtigung noch Energie hast, solltest du unbedingt den charmanten Hafen von Stonehaven besuchen und dort in einem der urigen Pubs einkehren. Und falls du von Schottlands beeindruckenden Highlights nicht genug bekommen kannst: Das berühmte Urquhart Castle, direkt am Ufer von Loch Ness gelegen, oder der traumhafte St. Ninian’s Beach auf den Shetland-Inseln sind großartige Empfehlungen für deine weitere Reise durch Schottland!
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