Ich folge dem leisen Plätschern der Lörmecke durch das grüne Tal bei Rüthen, als sich zwischen Bäumen plötzlich eine Felsformation erhebt: der Hohle Stein. Moos bedeckt den Kalkstein, Sonnenlicht fällt durch die Öffnung der Höhle. Kaum zu glauben, dass hier vor rund 12.000 Jahren Rentierjäger unterwegs waren. Heute wirkt alles friedlich, doch dieser Ort erzählt Geschichten von Eiszeit, Eisenzeit und sogar Falschmünzern.
Lohnt sich der Ausflug zum Hohlen Stein im Sauerland?






Der Hohle Stein liegt im Lörmecketal nahe Rüthen und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Fundplätzen Westfalens. Der Kalkstein-Fels entstand vor rund 380 Millionen Jahren im Devonmeer und wurde später durch Gebirgsbildungsprozesse zerklüftet. Am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 12.000 Jahren, nutzten Rentierjäger der sogenannten Ahrensburger Kultur die Höhle als Jagdquartier. Über 1.500 Steinwerkzeuge und mehr als 4.000 Knochenreste belegen, dass hier Rentiere zerlegt und verarbeitet wurden.
Ein durchbohrter Wolfszahn gilt als ältestes bekanntes Schmuckstück Westfalens. Später, in der vorrömischen Eisenzeit, diente die Höhle vermutlich als Begräbnisplatz. Jahrtausende später suchte ein Schäfer hier Schutz vor Wölfen, und um 1620 betrieben Falschmünzer im Inneren eine Werkstatt. Sie fälschten Sechs-Pfennig-Stücke der Stadt Werl, ein ungewöhnliches Kapitel in der Geschichte des Felsens. Heute ist der Hohle Stein Teil einer historischen Kulturlandschaft mit Magerrasenflächen, die wieder traditionell beweidet werden. Vom nahe gelegenen Wanderparkplatz sind es nur ein paar Minuten bis zum Hohlen Stein. Ich empfehle aber, den Besuch in eine kurze Wanderung im Lörmecketal zu integrieren.
Fototipp: Geht unbedingt bis ans Ende der Höhle und dreht euch zur Felsöffnung. Die besten Fotos gelingen als HDR. Dazu benötigt ihr allerdings ein Stativ. Ansonsten nutzt die sonnenarmen Randzeiten, um die hohen Kontraste zu umgehen.
Anreise zum Hohlen Stein
| Lage: | bei Rüthen, Sauerland, NRW |
| Anreise: | Auto |
| Gehzeit: | 2 Stunden |
| Strecke: | 7,6 km |
| Alter: | 300 Mio. Jahre |
Der Hohle Stein befindet sich im Lörmecketal zwischen Rüthen und Warstein im nördlichen Sauerland. Mit dem Auto folgt man von Rüthen aus der Beschilderung Richtung Lörmecketal oder Wasserwerk. In der Nähe gibt es einen Wanderparkplatz, von wo ein kurzer Fußweg direkt zur Felsformation führt.
Der ÖPNV ist in der Gegend nicht wirklich zu empfehlen. Von Soest geht es mit dem Bus in rund 40 Minuten bis Warstein und dann weiter mit dem R77 bis zum Heideweg in Knallenhardt. Bis zum Hohlen Stein sind es dann aber noch einmal rund 30 Minuten Fußweg. Der Zugang ist frei und ganzjährig möglich.
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Natur pur im Lörmecketal
Wer gerne wandert, sollte den Besuch in eine Tour entlang der Fließwege oder durch das idyllische Lörmecketal integrieren. Die Wege sind naturbelassen, aber gut begehbar. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, besonders bei feuchtem Untergrund. Das Lörmecketal ist ruhig: Die Lörmecke schlängelt sich durch Wiesen, am Hang wechseln sich lichte Wälder und offene Flächen ab.
Ich starte meine kleine Wanderung, begleitet vom Zwitschern der Vögel und sanft gurgelndem Wasser. Wanderer gibt es hier kaum. Dann taucht er plötzlich auf: der Hohle Stein. Von weitem wirkt er unscheinbar, doch je näher ich komme, desto beeindruckender erscheint die Felsformation. Und tatsächlich kraxeln oben auf dem Gipfel Ziegen herum, so wie schon vor Jahrhunderten!
Hinein in den Hohlen Stein
Tritt man näher heran, zeigt sich die eigentliche Besonderheit: die Höhlenöffnung im massiven Kalkstein. Der Fels wirkt kompakt und zugleich von Rissen und Linien durchzogen, Spuren von Millionen Jahren Erdgeschichte. Ich trete ein. Hinter den Öffnungen verbirgt sich eine überraschend große Halle, die bis zu 30 Meter lang und 20 Meter breit ist.
Etwas weiter unten gibt es außerdem einen engen Nebengang, der nach etwa 12 Metern wieder ins Freie führt. Im Inneren ist es kühler, der Boden uneben. Der südliche Eingang liegt heute etwa drei Meter, das westliche Höhlenportal rund acht Meter über dem normalen Wasserspiegel der Lörmecke. Selbst bei Hochwasser bleibt der Innenraum daher vollständig trocken, ein entscheidender Vorteil für die eiszeitlichen Jäger, die hier lagerten und arbeiteten.
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Fazit
Der Hohle Stein verbindet Naturerlebnis und Geschichte auf eine sehr unaufgeregte Weise. Zwischen Kalkfels, Talwiesen und plätscherndem Bach wird die Vergangenheit greifbar, von der Eiszeit bis in die Neuzeit.
Verbindet den Besuch mit einer Wanderung durch das Lörmecketal oder einem Abstecher ins nahe Rüthen mit seiner historischen Altstadt und der alten Stadtmauer, an der man wunderbar entlangspazieren kann. So wird aus dem kurzen Stopp am Hohlen Stein ein rundes Natur- und Kulturerlebnis im Sauerland.
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