Plötzlich ertönt ein lautes Pfeifen. Die Menschen an den Gleisen werden still. Alle warten gespannt. Nur wenige Zentimeter entfernt fährt der Zug plötzlich dicht an uns vorbei. Alle fangen an zu klatschen und zu jubeln. Dieses einzigartige Erlebnis im Norden Vietnams erhält man an der bekanntesten Straße von Hanoi – der Train Street. Ich zeige dir, wann sich ein Spaziergang entlang der Schienen lohnt und warum ein Besuch in den kleinen Cafés bei einem Aufenthalt in der Hauptstadt des Landes nicht fehlen darf!
Lohnt sich ein Besuch der Train Street in Hanoi?






Die knapp 200 Meter lange Train Street im westlichen Teil der Altstadt Hanois (ca. 3,5 Mio. Einwohner) in Vietnam ist dafür bekannt, dass mehrmals am Tag Züge nur wenige Zentimeter von den Häuserwänden entfernt vorbeifahren. Für Touristen weltweit ist das ein außergewöhnliches Erlebnis und regelrechtes Spektakel, da die Zugdurchfahrt ohne jegliche Sicherheitsabsperrungen erfolgt und dadurch ein echter Adrenalinkick entsteht.
Weil man in den bunten Häusern entlang der Train Street kleine Souvenirläden und Cafés findet, in denen man auf die Zugdurchfahrt warten kann, hat sich die Train Street zu einem Hotspot der Hauptstadt Vietnams entwickelt.
Fototipp: Die Train Street sieht besonders spektakulär aus, wenn es dunkler wird, da dann zahlreiche bunte Lichter den schmalen Weg in eine besondere Atmosphäre tauchen. Um eine gute Sicht auf die Train Street zu erhalten, empfehle ich die Aussicht aus einem Café im ersten Stock. Außerdem entstehen spektakuläre Fotos, wenn man die Kamera aus der Perspektive von unten nahe den Gleisen hält.
Anreise zur Train Street in Hanoi
| Lage: | Hanoi, Vietnam |
| Anreise: | Zu Fuß / Rikscha oder Roller |
| Must-See: | Zugdurchfahrt |
| Geschwindigkeit Zug: | ca. 10 km/h |
| Strecke: | ca. 200 m |
Um zur Train Street in Hanoi zu gelangen, die sich im Norden Vietnams befindet, kann man über den Flughafen Hanoi ins Land einreisen. Vom Flughafen der Hauptstadt aus gelangt man mit öffentlichen Bussen, Rollern oder einem Transfer über eine Mobilitäts-App wie Grab ins Zentrum von Hanoi.
Die Train Street lässt sich fußläufig aus Hanois Altstadt, dem Old Quarter, erreichen und befindet sich knapp 800 Meter und somit nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt.
Die Distanz vom bekannten Ngoc-Son-Tempel am Hoan-Kiem-See zur Train Street beläuft sich auf etwa 2,5 Kilometer. Um auf die Train Street und zu den Cafés zu gelangen, folgt man beim Bahnübergang den Gleisen.
Auf Fahrtzeiten achten, rechtzeitig da sein & Geduld mitbringen
Grundsätzlich kann man die Train Street zu jeder Tageszeit besuchen, da sie öffentlich begehbar ist, sofern sie nicht (teilweise) von der Polizei abgesperrt wurde. Nahe der Schienen ist unbedingt Vorsicht geboten, besonders während der Durchfahrt eines Zuges, da es keine Absperrungen gibt.
Wer coole Aufnahmen von den Gleisen und Cafés machen möchte, für den ist besonders der Vormittag geeignet, da sich zu dieser Tageszeit nur wenige Touristen an der Train Street aufhalten. Falls Cafebesitzer auf einen zukommen und einen in ihr Café führen wollen, ist es ratsam, sich den Platz unbedingt vorher zeigen zu lassen, um mit der Sicht zufrieden zu sein.
Die Züge fahren mehrmals am Tag vorbei, am Wochenende am häufigsten (bis zu 8 Mal), teilweise kommen auch einzelne Lokomotiven vorbei. Auf der offiziellen Ticketseite kann man sich über die aktuellen Fahrtzeiten informieren – jedoch kann es oft zu Verspätungen oder Ausfällen kommen!
Auf die angegebenen Zeiten auf den Schildern und den Menükarten der Cafés vor Ort kann man sich aus eigener Erfahrung nicht verlassen. Für den Besuch der Train Street sollte also ausreichend Zeit und Geduld mitgebracht werden.
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Gelassene Stimmung und herrliche Atmosphäre
Unser Plan: Wir wollen die Train Street zweimal besuchen – einmal zur Mittagszeit und einmal in der Nacht mit bunten Lichtern. Als wir mittags den Bahnübergang an der Train Street zu Fuß aus der Altstadt erreichen, bin ich zunächst verwundert – eine Hälfte der Train Street ist abgesperrt und nicht begehbar. Dass das aber weniger schlimm ist, wird kurze Zeit später deutlich.
Die andere Hälfte sieht fast identisch aus und es ist wirklich wenig los, als wir entlang der Bahnschienen laufen. Die ersten Eindrücke sind faszinierend – Lampions, süße Souvenirläden, freundliche Café-Besitzer und wenige Touristen, die kreative Fotos machen. Ich kann sehr empfehlen, sich die Zeit zu nehmen und verschiedene Perspektiven auszuprobieren, um coole Urlaubserinnerungen zu schaffen.
Ich hätte erwartet, dass es an den Schienen einen hohen Besucheransturm gibt, doch wir bekommen problemlos einen Platz in einem Café. Bei guter Musik schmecken das vietnamesische Essen und die Getränke außerordentlich gut, die Atmosphäre ist entspannt und wir fühlen uns sehr wohl! Obwohl zu dieser Zeit noch keine Zugdurchfahrt ist, hat sich der Café-Besuch bereits allemal gelohnt.
Dunkelheit taucht die Straße in ein buntes Lichtermeer
Zur Dämmerung kommen wir ein zweites Mal zurück zur Train Street. Die Stimmung ist nun noch heiterer, die Besucher unterhalten sich fröhlich in den Cafés. Während wir uns spontan ein Café suchen und Getränke bestellen, warten wir mit Vorfreude auf die Durchfahrt des Zuges.
Je länger wir warten, desto dunkler wird es. Und dadurch entsteht die Magie: Die Straße taucht durch die vielen bunten Lampions in ein warmes, gelb-rotes Licht. Die Durchfahrt verzögert sich – und entgegen den Zeiten, die auf den Schildern stehen, kommt 1,5 Stunden lang kein Zug.
Der Café-Besitzer verrät uns, dass das normal sei und man Zeit und Geduld mitbringen sollte, wenn man auf einen Zug an der Train Street wartet. Und trotz Verzögerung sind die Besucher der Train Street aufgrund der guten Atmosphäre gut gelaunt!
Adrenalinkick bei naher Zugdurchfahrt
Plötzlich ertönt ein lautes Klingeln und alle werden ruhig. Man merkt die Anspannung und die Vorfreude. Wir werden deutlich darauf hingewiesen, nah an der Café-Mauer zu bleiben und keine Arme oder Beine herauszustrecken.
Und plötzlich kommt der Zug um die Kurve – was für ein Moment! Jetzt ist Vorsicht geboten. Der Zug rauscht hupend an uns vorbei und ich komme aus dem Staunen kaum heraus. Das Gefühl und der Adrenalinkick lassen sich kaum in Worte fassen.
Während wir nur noch den Lichtern hinterherschauen, fangen alle an zu klatschen und springen freudig auf die leeren Schienen. Was für ein außergewöhnliches Erlebnis! Das Warten hat sich allemal gelohnt.
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Fazit
Wer zur Train Street kommt, sollte unbedingt ausreichend Zeit für mögliche (und sehr wahrscheinliche) Zugverspätungen oder -ausfälle einplanen. Auch wenn kein Zug fährt, lohnt es sich, die Train Street und die kleinen Cafés zu besuchen, das Treiben zu beobachten und ein einzigartiges Foto zu machen!
Im Anschluss an den Besuch der Train Street empfehle ich, in Hanoi die historische Altstadt (Old Quarter) zu erkunden, das leckere Essen auf dem Night Market zu probieren und zum Ngoc-Son-Tempel am Hoan-Kiem-See zu schlendern. Außerdem gibt es bei einem Vietnamtrip weitere außergewöhnliche Highlights wie die Halong-Bucht, den Ha-Giang-Loop und die Gegend um Ninh Binh zu entdecken.
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