Der Aggenstein war mir bisher unbekannt. Umso erstaunter bin ich über die wunderschöne Rundtour. Es geht von Pfronten durch eine wildromantische Klamm und über saftig grüne Almwiesen hinweg. Eine kurze Pause auf der Bad Kissinger Hütte füllt die Kraftreserven wieder auf und dann wartet der letzte Anstieg zum Gipfelkreuz. Solch eine tolle Wanderung bin ich lange nicht gegangen. Vielleicht wird der Aufstieg zum Aggenstein sogar zu einer meiner liebsten Touren in den Allgäuer Alpen.

Lohnt sich die Wanderung zum Aggenstein im Allgäu?

Der Aggenstein (1.978 m) ist ein Grenzberg im Allgäu. Ihr könnt ihn sowohl von österreichischer als auch von deutscher Seite aus erklimmen. Die unterschiedlichen Aufstiegsrouten nehmen sich von der Schwierigkeit her nicht viel. Wir starten von Pfronten auf die beliebte Wanderung in den Allgäuer Alpen. Vor uns liegen knapp 1.200 Höhenmeter und etwa 9 km Wegstrecke. Wir sparen uns einige Kilometer, weil wir am Schluss mit der Seilbahn vom Breitenberg gen Tal sausen. Ansonsten solltet ihr euch auf rund 12 km und etliche weitere Tiefenmeter einstellen. Das macht die Tour dann auch zeitlich etwas länger.

Die Strecke ist stellenweise zwar steil, aber immer gut zu begehen. Die größte technische Schwierigkeit wartet erst knapp unterhalb des Gipfelkreuzes. Hier sind die letzten Meter drahtseilversichert und es geht über etwas rutschige Felspassagen hinweg. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind primär in diesem Bereich erforderlich. Wenn euch das zu heikel ist, lohnt sich die Tour allerdings auch, wenn ihr nur bis zur Bad Kissinger Hütte aufsteigt.

Fototipp: Mir gefällt auf dieser Tour am besten das Fotomotiv der Bad Kissinger Hütte. Die Hütte liegt so sensationell in der Berglandschaft. Es lohnt sich, vom Aufstiegsweg aus, ein Stück weiter nach rechts zu gehen. Dann hat man die Hütte genial vor und ein wenig unter sich liegen. Das Foto wirkt dann super spektakulär.

Anreise nach Pfronten im Allgäu

Höchster Punkt:1.987 m
Strecke:8,3 km
Höhenmeter:1.179 m
Gehzeit:5 Stunden
Beste Reisezeit:Juni – Oktober

Zum Ausgangspunkt der Wanderung kommt ihr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ab München geht’s per Bahn oder FlixBus nach Garmisch-Partenkirchen. Hier müsst ihr einmal umsteigen und dann bringt euch der Zug über Ehrwald und Reutte nach Pfronten-Steinach. Die Station befindet sich direkt am Einstieg der Tour. Ihr müsst also gar nicht mehr weit laufen und zusätzliche Kilometer einplanen. Je nach Verbindung dauert die Anreise rund 3 Stunden.

Alternativ könnt ihr natürlich auch mit dem Auto kommen. Dann parkt ihr das Auto am besten direkt an der Talstation der Breitenbergbahn. Denkt daran, einen Parkschein zu ziehen. Immerhin kann man an diesem Automaten nicht nur mit Kleingeld, sondern auch mit Karte zahlen.

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Schattiger Aufstieg durch die Reichenbachklamm

Wir lassen die Seilbahn hinter uns und folgen mit gepacktem Rucksack und voller Vorfreude den Schildern in Richtung Reichenbachklamm. Es dauert nicht lange, dann hören wir erstmals das Rauschen des Wassers. Direkt neben dem Weg fließt der Reichenbach. Zu einigen Gumpen kommt man ganz nah ran und ich staune, wie klar das Wasser ist.

Obwohl wir früh gestartet sind, bin ich an diesem heißen Sommertag froh, dass die ersten 400 Höhenmeter durch den schattigen Wald nach oben führen. Die Nähe zum Wasser zu unserer Linken sorgt für noch mehr Abkühlung. Wir schlängeln uns über einen schmalen Pfad immer weiter nach oben.

Immer mal wieder gibt es kleine Aussichtspunkte auf die Klamm. So sehen wir den einen oder anderen Wasserfall am Wegesrand. Dieser erste Abschnitt gefällt mir richtig gut.

Über den “Bösen Tritt” zur Bad Kissinger Hütte

Spätestens im Anschluss wird es Zeit, Sonnencreme aufzutragen, falls ihr es noch nicht getan habt. Denn nun folgt ein langer Anstieg über eine weite Almwiese. Nächstes Mal würde ich hier sogar eine Cap, oder einen Hut mitnehmen. Dafür ragt auf der Freifläche sichtbar erstmals der Aggenstein vor uns in die Höhe. Der schroffe Gipfelaufbau scheint unbezwingbar zu sein. Ich frage mich, wie wir da hochkommen sollen. Aber die Erfahrung mit verschiedenen Touren lehrt: Es gibt eigentlich immer einen Weg und manchmal ist es plötzlich halb so wild.

Also beschließe ich, mir nicht weiter den Kopf über die letzten Meter zu zerbrechen, sondern das Hier und Jetzt zu genießen. Ich bin umgeben von saftigen Almwiesen. Blumen blühen am Wegesrand in den verschiedensten Farben um die Wette. Dieser Abschnitt der Tour ist so ganz anders als der Beginn der Wanderung. Und auf seine Art genauso wunderschön.

Wir kämpfen uns die Steigung in der prallen Sonne hinauf. Immer mal wieder bauen wir kleine Pausen ein, trinken was und genießen die Weitsicht, die sich schon hier auftut. Hinter uns können wir den türkisblauen Forggensee sehen. So erreichen wir nach einer langen, letzten Steigung den “Bösen Tritt”. Anders, als der Name es vermuten lässt, wartet an dieser Stelle keine größere Schwierigkeit. Einzige Herausforderung sind die größer werdenden Stufen. Das ist aber nur eine Frage der Kondition.

Ein Grenzstein zeigt uns, dass wir nun schon in Österreich, oder zumindest an der Grenze zu Österreich unterwegs sind. Daneben steht ein Wegweiser. Es sind nur noch 10 Minuten zur Bad Kissinger Hütte. Hinter der nächsten Kurve sehen wir sie dann erstmals.

Das Haus, in dem man auch übernachten kann, liegt spektakulär am Abgrund. Es wirkt beinahe so, als würde sie direkt in den Fels gebaut worden sein. Und somit ist auch die Sonnenterrasse, die sich davor befindet, super aussichtsreich. Es gilt Selbstbedienung und ich lasse mir ein alkoholfreies Weißbier schmecken. Das tut gut!

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Seilversicherte Kraxelei zum Gipfelkreuz

Nach der kurzen entspannten Pause warten dann noch die letzten Höhenmeter zum Gipfel. Es sind noch etwa 45 Minuten bis nach ganz oben. Wir folgen dem schmalen Pfad bis zum Einstieg in die leichten Kraxelpassagen. Der Fels ist etwas speckig. Besonders bei Nässe solltet ihr hier vorsichtig sein, dann kann es sehr rutschig werden. Ansonsten ist die Passage mit Trittsicherheit machbar. Vorsichtig, einen Fuß vor den anderen, steigen wir die letzten Meter auf. Immer mal wieder halte ich mich am Drahtseil fest. Dann erreichen wir den Gipfel. Geschafft!

Die Aussicht ist sensationell. Der Aggenstein bietet einen genialen 360-Grad-Blick über die Allgäuer Alpen. Frei stehend kann man von hier in das Tannheimer Tal hinabschauen, wir sehen in Richtung Wettersteinmassiv mit Zugspitze und Alpspitze und wir können in der Ferne den Lech und den Forggensee erkennen. Dort in der Nähe liegt auch das malerische Schloss Neuschwanstein.

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Fazit

Wir kraxeln das Stück am Fels wieder runter und steigen dann in Richtung Breitenberg ab. So düsen wir die meisten Tiefenmeter mit der Seilbahn gen Tal. Aber ihr solltet hierfür Bargeld dabeihaben. Denn mit Karte kann man die Tickets nicht lösen.

Alternativ könnt ihr natürlich auch bis ins Tal absteigen. Dann fordert die Tour noch ein wenig mehr Kondition. Ansonsten ist die Route super abwechslungsreich und eine tolle, mittelschwere Wanderung für Geübte. An sonnigen Tagen ist der Aggenstein allerdings auch ein sehr beliebtes Ziel. In diesem Fall lohnt es sich, früh zu starten, um noch vor dem großen Ansturm am Gipfelkreuz anzukommen. Wir hatten diesmal Glück und waren oben sogar ganz allein.

Lage

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