Alexandrowka: Russische Kolonie in Potsdam

Wie ein Denkmal der Freundschaft zwischen dem preußischen König und dem russischen Zaren liegt die 200 Jahre alte Kolonie Alexandrowka im Norden Potsdams. Ursprünglich für russische Sänger errichtet, stehen die von außen wie traditionelle Blockhäuser wirkenden Bauten inmitten von herrlichen Obstgärten. Vergesst bei eurem Besuch nicht, auf den Kapellenberg hinaufzugehen. Oben wartet die faszinierende Alexander-Newski-Kapelle mit ihrer schönen Haube und dem herrschaftlich wirkenden, großzügigen Holzhaus auf euch. Kommt mit in dieses UNESCO-Weltkulturerbe, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Lohnt sich ein Besuch der russischen Kolonie Alexandrowka?

Alexandrowka gehört zum „UNESCO-Weltkulturerbe Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ und befindet sich im Norden Potsdams. Die russische Kolonie wurde ab 1826 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. für die russischen Sänger des preußischen Garderegiments errichtet und nach dem jung verstorbenen Zaren Alexander I. benannt. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit der Napoleonischen Kriege zurück, als russische Kriegsgefangene nach Potsdam kamen und später in preußischen Diensten blieben.

Die Siedlung geht auf modifizierte Pläne des italo-russischen Architekten Carlo Rossi zurück, der Grundriss in Form eines Andreaskreuzes wurde vom preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné entworfen. Die Holzhäuser mit ihren Obstgärten und kleinen Wirtschaftsgebäuden vermitteln bis heute den Eindruck einer ländlichen russischen Siedlung des 19. Jahrhunderts. Vor den Eingängen stehen selbst gemachte Marmeladen und Gelees aus den Früchten der Obstgärten zum Kauf bereit. Das Museum Alexandrowka informiert über die Baugeschichte und die Bedeutung der Kolonie als Monument russisch-preußischer Beziehungen.

Fototipp: Die Stimmung am späten Nachmittag ist in der Siedlung Alexandrowka besonders schön. Die Schatten sind lang, auf die Holzhäuser scheint die Sonne von der Seite und strukturiert sie wie Skulpturen. Haltet Ausschau nach besonderen Details. In Alexandrowka ist vieles liebevoll und fotogen arrangiert.

Anreise nach Alexandrowka in Potsdam

Gegründet:1826
Wohnhäuser:13
Must-See:Alexander-Newski-Gedächtniskirche
Einkehrtipp:Restaurant Alexandrowka 1
Besonderheit:Traditionell russischer Stil

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß ist zu empfehlen. Von Berlin aus einfach die S7 oder einen Regionalzug bis zum Hauptbahnhof Potsdam nehmen. Von dort aus fahren die Tramlinien 92 und 96 nach Alexandrowka, an der Station „Puschkinallee“ aussteigen.

Auch die Anreise mit dem Auto ist möglich. Parkplätze gibt es zum Beispiel am Eingang zum Neuen Garten in der Nähe der Kolonie. Wenn ihr zu Fuß vom Bahnhof durch die Innenstadt lauft, kommt ihr am wieder aufgebauten Potsdamer Stadtschloss (heute Landtag Brandenburg), am Alten Markt mit der eindrucksvollen Nikolaikirche und am barocken Holländischen Viertel vorbei. Durchquert das Nauener Tor und geht dann immer geradeaus, bis ihr auf die Obstwiesen und die ersten Holzhäuser trefft. Dieser lohnenswerte Spaziergang dauert etwa eine Dreiviertelstunde.

Fachwerkhäuser in russischer Blockhaus-Manier

Sie sehen tatsächlich ziemlich authentisch wie traditionelle russische Blockhäuser aus, diese zwölf Siedlungsbauten mit ihren kleinen Wirtschaftsgebäuden in der Ebene. Aber eigentlich kaschieren die halbrunden Baumstämme an den Fassaden, dass es sich in Wirklichkeit um Fachwerkhäuser handelt. Die Kolonie Alexandrowka ist also viel ländlich-preußischer, als sie von außen aussieht. Früher waren die Häuser mit Holzschindeln gedeckt, heute haben sie eine Schieferdeckung.

Immer noch werden hier Obst- und Gartenbau betrieben, wenn auch im Nebenerwerb. Die Zeit der russischen Sänger ist längst vorbei, aber ihre Namen prangen noch an so mancher Hausfassade. Ein Stück ländliches Russland mitten in Potsdam, eine Zeitkapsel von vor 200 Jahren, das ist Alexandrowka. Im Museum Alexandrowka erfahrt ihr die Baugeschichte der russischen Kolonie in allen Details.

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Ein idyllischer Ort: Der Kapellenberg mit der russischen Kirche

Eine russische Kolonie wäre nicht vollständig ohne eine russisch-orthodoxe Kirche. Und wer nicht aufpasst, verpasst sie, denn sie verbirgt sich in einem Wäldchen auf einem Hügel, dem Kapellenberg. Dorthin kommt ihr, wenn ihr die Schienen der Tram überquert, die hier eine Kurve beschreiben. Es ist gut ausgeschildert, nach nur fünf Minuten seid ihr oben auf dem Kapellenberg. Bei meinem Besuch war ich fasziniert von der Kuppel mit ihrem goldenen Kreuz, das in den letzten Sonnenstrahlen leuchtete, ein absolut romantischer Moment.

Die Alexander-Newski-Kapelle wurde nach einem russisch-orthodoxen Heiligen benannt. Sie ist nur unregelmäßig zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. Direkt neben der Kapelle steht das größte und prächtigste Holzhaus der Siedlung Alexandrowka. Es wurde für den königlichen Lakai errichtet und hat zusätzlich eine säulenbestandene Veranda. Überall in der Siedlung Alexandrowka gilt: Die Häuser werden bewohnt, verhaltet euch also rücksichtsvoll.

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Fazit

Die Kolonie Alexandrowka verkörpert die Jahrhunderte alte Freundschaft zwischen Deutschland und Russland, die heute so weit weg scheint. Nichts ist ewig, weder Freundschaften noch Feindschaften: Diese Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man an den zeitlos wirkenden Holzhäusern mit ihren Obstgärten vorbeigeht. In der Hauptsaison im Sommer ist hier übrigens ziemlich viel los. Kommt also zu verschiedenen Jahreszeiten hierher – es lohnt sich. Nehmt euch Zeit und Muße für die russische Kolonie, hier könnt ihr Urlaub vom 21. Jahrhundert machen.

In Laufweite von Alexandrowka erstrecken sich noch weitere faszinierende Sehenswürdigkeiten: An den Kapellenberg schließt sich das Belvedere auf dem Pfingstberg an. Von dort aus habt ihr einen wunderbaren Blick bis hinüber zur Havel und zum Park Sanssouci. Ein Spaziergang durch die Parkanlage Neuer Garten lohnt sich ebenfalls. Der Uferweg am Heiligen See bis zur legendären Glienicker Brücke ist außerordentlich romantisch. Dort befand sich einstmals der Eiserne Vorhang zwischen West-Berlin und der DDR.

Lage

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